Ertrunkene Täler

Ertrunkene Täler

Von oben herabschauen sollte man oft nicht –
doch manches erscheint dort in einem anderen Licht.
Ich war mal wieder einer von vielen Überfliegern
mit Wanderschuhen an den unteren Gliedern.
Die Insel Madeira war das fernbegehrte Ziel.
Doch die flache Februarmorgensonne fiel
kurz nach dem Abflug auf eine bizarre Wasserfläche,
über die ich aus luftiger Höhe an dieser Stelle spreche.
Ein eher kleiner Stausee wurde gerade überflogen.
Er war wie mit Silberglanz überzogen.
Frühe Wolkengeburten oder duftige Nebelschlieren
sich etwas im Spiegelbild schmutzig verlieren.

Drei ertrunkene Täler wurden zum Stausee gezwungen –
erstickt sind hier die atmenden Lungen
der springenden Bäche,
die eilig den Quellen entfliehen.
Im Stausee nur müde Wellen vom Winde her ziehen.
Naturoriginalität der Wasserläufe ist hier entstellt.
Trinkwasser oder Wasserkraft das bringt nun Geld.
Drei Täler bilden einen See – Touristen finden das schön.
Sie können sich an der Idylle
immer wieder kaum satt sehen.
Was einst hier zehntausend Jahre ohne Kummer lebte,
genau wie wir in eine glückliche Zukunft strebte,
das ertrank abrupt in einem See,
den ich von oben herab gerade seh.

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Als ob vom Himmel Farben regnen

Als ob vom Himmel Farben regnen

Unser Nachbar ist sehr kreativ
Was hier zu sehen – etwas schief
ist ein in den Raum gestelltes Objekt,
das sich befreit zum Himmel reckt.
An sich verkörpert es nur Glas,
hat von der Tür etwa das Maß.
Dann nahm der Künstler Acrylat
ließ Farben fließen bunt und satt.
So stand die Wand auf grüner Au –
wenn dann der Himmel auch mal blau –
dann war der Garten kunstbestückt
etwas aus der Konvention entrückt.
Der letzte Winter war verregnet.
Dem Werk ist da kein Schnee begegnet.
Der Hintergrund blieb herbstlich grau. Weiterlesen

Eisvogel

Eisvogel

Einen Eisvogel wollte ich schon
immer einmal aus der Nähe sehen.
Heute sollte dies geschehen.
Sein stahlblaues Gefieder
zeigt sich leider aus keramischem Ton.
Das wusste ich aber vorher schon.
Doch mit einer Schneekrone geschmückt
war der Anblick irgendwie verrückt.
Am Schnabel hing ein eisiger Ball,
der stand kurz vor seinem Fall –
als sei der komische Vogel auch noch verkühlt.
Die Fantasie wieder mit mir spielt.
Lassen wir diesen Eisvogel einfach zurück. Weiterlesen

Leben erwacht

Leben erwacht

Ein Menschenwerk wie eine Mauer
ist erst mal tot – doch nicht von Dauer.
Was anfangs sauber und adrett
zusammengefügt im Mörtelbett,
das ändert bald schon sein Gesicht
nur schöner wird es meistens nicht.
Der Zahn der Zeit nagt an den Steinen
Der Regen löst zumeist im Feinen.
Frost sprengt hier und da eine Lücke.
Der Mauer fehlen erste Stücke.
Viel Staub landet auf diesen Bau.
Was vorher farbig wird eher grau. Weiterlesen

Im Schneetau geboren

Im Schneetau geboren

Das bisschen Schnee von gestern taut.
Was dottergelb hervor hier schaut,
sind Winterlinge deren drei –
sehnen den Frühling schon herbei.
Vor Tagen föhnte warm das Wetter.
Aus dem Boden trieben grüne Blätter.
Bad schob sich hoch ein Knospenrund.
Am anderen Tag war es hier bunt.
Frühlingserwachen währte kurz.
Beim nächsten Winterkältesturz
streuten die Wolken Schneekristalle. Weiterlesen

Winterliches Wolkenfeuer

Kurz vor Sonnenuntergang
am 21. des Januar
war viel Wolkenfeuer da:
Cirrusflöckchen am Firmament,
in denen die Abendröte
lichterloh brennt.
Kalt ist Luft,
jeder Hauch aufgebraucht
heißes Licht
am Horizont abtaucht.
Minutenschnell
erlischt alle Feuerbrunst
nutzt Momente
der flüchtigen Darstellerkunst.
Dieses Rampenlicht
zeichnet eine Silhouette.
Strauch- und Baumwerk
werden zur Schattenkette. Weiterlesen

Geknickt

Geknickt

Was mein Auge im Schnee erblickt,
ragt einsam aus dem Teich – total geknickt.
Ich ahne kaum, was es mal war.
Doch spätes Schicksal kommt mir nah.
Stolze Blätter im prallsten Grün
gab es im Mai wohl hier zu sehen.
Doch lang vorbei sind Wonnezeiten –
der Rest so leer von Eitelkeiten.
Im späten Sommer ging es los,
war einstige Stärke nicht mehr groß.
Das Blatt hing schlaff mit gelber Spreite
Bald knickte es einfach zur Seite. Weiterlesen

Einfach nur hängen lassen

Einfach nur hängen lassen im Wind –
die Blüten der Haselnüsse sind
oft im Januar schon pollenreif.
Doch nun kommt Frost, bringt manchmal Reif.
Da heißt es: erst einmal Pause machen.
Die nächsten milderen Brisen entfachen
erneut millionenfachen Pollenschwarm
beim kleinsten Wechsel von frostig zu warm.
Männliche Haselblüten werden Kätzchen genannt.
Wer das das zuerst machte, bleibt unbekannt. Weiterlesen

Ewig eisfrei

Ewig eisfrei

Januarkälte friert uns ein.
Jetzt nützt nicht mal der Sonnenschein,
um Wasser flüssig zu erhalten
Die ganze Umwelt will erkalten.
Der Teich im Garten spiegelt blank
Die Frösche ruhen gottseidank
im tiefen Schlick am Bodengrund
und bleiben ruhend so gesund.
Das Regenfass erstarrt von Tag zu Tag,
so lang das Eis zu wachsen mag.
Der Wasserhahn, der so oft lief,
ist abgesperrt und inaktiv. Weiterlesen

In der Gosse gelandet

In der Gosse gelandet

In der Gosse gelandet
ist heute Morgen mein Blick.
Ein Rest vom gestrigen Regenstück
bleibt nun eiskalt gefangen
in kristallener, gläserner Pracht
seit letzter Nacht.
Auf einmal ist die Gosse so schön.
Es gibt Verzaubertes zu sehen.
Schwebendes Eis bizarr konstruiert
sich mit Asphaltdekor hier liiert.
Was gestern noch Pfütze war,
erscheint nun recht sonderbar.
Wasser fror zuerst mit Gewalt
schuf Stränge, Schwerter recht bald. Weiterlesen