Abschlussball

Abschlussball

Der Ballsaal wird prachtvoll erleuchtet.
Vögel musizieren vom Rande her.
Morgendunst hat Schilf befeuchtet.
Die Sonne schlürft die Tropfen leer.
Wo aufgespielt, da will man tanzen
Ein Mückenschwarm hüpft auf und ab.
Auf wenn verwelkt, vergilbt die Pflanzen
kommt jetzt die Laune bald auf Trab.
Die Wasserjungfern, die Libellen
stürmen liebestoll nun das Parkett.
Über den an sich ruhigen Wellen
wird Rendezvous bald ziemlich nett.
In wilden Kurven, steilen Stürzen
jagt Libellenmann die Jungfer heiß. Weiterlesen

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Oktobermohn

Oktobermohn

Was blüht denn da so feuerrot –
der Anblick, der sich mir heut bot,
gaukelt zurück mich in den Mai,
der hatte soviel Mohn dabei.
Vom Oktober sind zwei Wochen passe.
Seit Tagen Weinlaub ich anseh,
wie es vom Grünen springt ins Rot.
Das Blattwerk ist dabei fast tot.
Doch hier wird Leben explodiert.
Die Blüte spät noch triumphiert
und wird belohnt vom schönsten Tag,
den dieser Herbst uns schenken mag.
Auch Bienen freuen sich noch spät.
Vom Efeu schwerer Duft her schwebt,
der meldet gar ein Blütenmeer.
Das lockt von nah und fern daher.
Oktobermohn er leuchtet weit.
Das Sonnenlicht in dieser Zeit
erreicht längst nicht mehr den Zenit,
den sommertags die Kugel ritt. Weiterlesen

Ende einer Zitrone

Ende einer Zitrone

Was da heute vor mir liegt
wenige Gramm gerade noch wiegt,
ist ein Zitronenkadaverrest,
der so nicht mehr vermuten lässt,
dass diese Frucht fast vor einem Jahr
ein Inbegriff von Frische war.
Neben Malta ist Gozo gelegen.
Eines Verwandtschaftsbesuches wegen
verweilte ich auf diesem Inselort,
war ein paar Tage gerne dort.
Gozo war damals ziemlich grün.
Nach Herbstregen begann es zu blühn.
Zitrusfrüchte leuchteten weit
waren zum Ernten reif bereit. Weiterlesen

Quellgeflüster

Quellgeflüster

Überaus vorsichtig
tasten sich
dünnhäutige Wasserfilme
an das Licht des Tages.
Sie lecken durch feinste Ritzen,
durchstöbern mit weicher Berührung
viel Herbstgerümpel
im lichter werdenden Buchenwald.
Ein morschmodriger Ast
liegt allem Fließen quer.
Pulsierende Spuren
zerspleißen zu Adern,
weichen Hindernissen aus,
um sie dann
sanft zu umspülen.
Irgendweit klingeln
kristallene Tropfen
stürzen als hellblanke Töne
in den gehöhlten Stein. Weiterlesen

Oktoberfest

Oktoberfest

Den Garten im Oktober zu sehen,
ist widersprüchlich hässlich schön.
Hier lacht ein Meer asternviolett –
dort ertrinke ich im Falllaubbett.
Heut zeigt sich bunt ein Schmetterling
rollt aus sein rüsselhaftes Ding,
um letzten Nektar süß zu schlürfen.
Die reifen Äpfel ja sie dürfen
am Zweige nicht mehr länger hängen.
Denn Vogelschnäbel sie bedrängen.
Bald liegt die Frucht fies angepickt.
Wenn sie am Boden reglos liegt,
dann fault der Rest bald über Nacht. Weiterlesen

Sandrosenerosion

Sandrosenerosion

Im Wüstensand gewachsen
mit vielen quergestellten Achsen
gewinnst du eine ziemlich verrückte Form.
Asymmetrisches ist eher die Norm.
Sandrose ein Widerspruch in sich –
solch Calciumsulfat ist für mich
ein Spiel der Kristalle
mit einem Sandkorn in der Falle.
Dieser Gips schmückt sich sehr dekorativ
verborgen in der Sahara tief.
Jetzt liegt davon ein kleineres Stück
auf der Trockenmauer mir im Blick.
Wenn Sandrosen dem Wasser begegnen,
Tropfen auf sie herab regnen,
dann löst sich langsam ihre Gestalt.
In unseren Witterungen werden sie nicht alt.
Zuvor in Jahrmillionen ballt
sich das Mineral zur Unverwechselbarkeit. Weiterlesen

Freie Scholle

Freie Scholle

Meine Scholle
ist nicht so platt wie eine Flunder.
Meine Scholle
ist erst recht kein Weltenwunder.
Meine Scholle
ist nur ein Straßenschild-
meine Scholle
erscheint im Blog mit Bild.
Ansonsten ist gemein die Scholle –
nicht die mit Schuppen, Schwimmerrolle –
ein Klumpen fester Erde,
– früher pflügten noch Pferde –
der auf dem Acker oben lag
nach einem arbeitsreichen Tag.
Bald nannte man auch alles Land,
das wirtschaftlich in Bauershand,
Scholle ganz so wie Eigentum.
Doch wie geht man mit der Scholle um: Weiterlesen

Feuerwanzen-Tete a Tete

Feuerwanzen-Tete a Tete

Mehr als zwanzig Feuerwanzen
treffen sich zum Tete a Tete.
Wollen heute nicht mehr tanzen
sagen Frischluft bald ade.
In der warmen Mittagssonne
suchen sie die beste Stelle.
Sie erleben letzte Wonne
durch die liebe Hitzequelle.
Ständig gibt es ein Gedränge
um den Platz im Sonnenstrahl.
Körper werden zum Gemenge
Bleiberecht gerät zur Qual.
Ist der Tag vielleicht der letzte,
bevor die Wanzen sich verziehn?
Auch wenn ich die Tiere schätze,
andere ekelnd davor fliehn. Weiterlesen

Das Espenlaub

Das Espenlaub

Das Espenlaub es zittert nicht.
Im warmen Strahl vom Sonnenlicht
liegt es am Boden nach dem Sturm.
Dort wartet stumm der Regenwurm.
Von Rot bis Gelb ja fast in Gold –
ist dieses Färbespiel gewollt? –
zeigt sich ein jedes einzelne Blatt,
das hier der Herbst verzaubert hat.
Was hier am Boden liegt ist tot –
strahlt dennoch wild im Feuerrot.
Nie war das Blatt zuvor so schön.
Sein Farbenkleid will ich ansehen,
bis ich der feinsten Koloratur
mit meinem Sinn komm auf die Spur.
Ein jedes Blatt im Herbstesschmuck
gleicht einem Farbfingerabdruck.
Hunderttausend dieser Espenblätter
gezeichnet bunt durch Wind und Wetter
sind für sich unverwechselbar.
Kein zweites kommt dem ersten nah. Weiterlesen

Bäumemeer

Bäumemeer

Fast wie mit Adleraugen durfte ich sehen
ins Meer von Bäumen aus luftigen Höhen.
Nie zuvor stand ich so hoch über den Kronen,
fühlte mich kreiselnd fast schon so wie Drohnen.
Jeder Baum zeigte mir seinen eigenen Kopf
Zweige umwogten mähnenhaft den Schopf.
Noch ist vom Herbst das Laub kaum koloriert.
Leuchtendes Gelb sich ränderlich verliert.
Bald färben sich synchron unendlich viele Blätter –
warten bunt auf Altweibersonnenwetter. Weiterlesen