Nebeltücher

Nebeltücher

Wer webt hier nächtens weiße Bänder?
Wer haucht den Atem durch die Luft?
Wer schafft solch schwebende Gewänder?
– die feine Kunst, die jäh verpufft,
wenn Sonnenstrahlen sie durchdringt.
Der Schleier dann zusammenfällt,
als würd der Nebel ausgewringt –
und wieder blank wird diese Welt.

Nebel erfüllen weich den Raum.
Dass Wasser schwebt, man sieht es kaum.
Wie klein muss erst ein Tröpfchen werden,
das es nicht fällt gleich auf die Erden? Weiterlesen

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Hühneraugen

Hühneraugen

Wer an Hühneraugen denkt,
meist seine Blicke auf die Zehen senkt.
Hier entstehen böse Reibungsflächen,
rote Beulen, die nur so vor Schmerzen stechen.
Ich denke an alte Zeitungsreklame
vom Hühneraugenpflaster stand da der Name.
Auch gab es Tropfen zur Linderung
Die gab es aufs Auge zur Besserung.
Nach ein paar Tagen löste sich dann die tote Haut.
Das Hühnerauge war pellig abgebaut.

Eigentlich sind Hühneraugen doch recht munter.
Tausende Male geht der Kopf tagsüber runter,
weil der Vogel etwas Interessantes sieht
und mit dem Schnabel bald etwas geschieht. Weiterlesen

Dahinter?

Dahinter?

Zum wievielten Mal stand ich da
und sah
zum klaren Sternenhimmel empor
diesem riesigen Tor
vom Horizont zum Zenit.
Eine endlose Weite
Länge und Breite
sind irdene Maße
für eine Milchstraße
verlieren sie ihren Gebrauchswert.
Wem das All gehört,
wissen wir nicht.
All das Sternengelicht,
das ich in dieser Nacht sehe,
ist vielleicht eher noch Nähe.
Kein Mensch erreicht je einen Stern. Weiterlesen

Oktoberlibellen

Oktoberlibellen

Viel Birnenlaub fällt buntgegerbt
Herbstastern lila grüßen
Der wilde Wein heiß durchgefärbt
Walnuss rollt mir zu Füßen.
Die Sonne bricht durch Wolkenspalt
erhellt den müden Garten.
Bald tanzt die erste Lichtgestalt
und kann es kaum abwarten,
bis noch ein Tier hier kurvt und kreist.
Oktoberlibellen balzen spät.
Stare sind noch nicht abgereist
Ein Rabenvolk laut mit sich kräht.
Am Teich ist heute recht viel los. Weiterlesen

Ein Stück vom Schuppenbaum

Ein Stück vom Schuppenbaum
führt zurück den Traum
um 300 Millionen Jahre Zeit
eine kleine Unendlichkeit.
In warmen Sümpfen wuchsen Bärlappe hoch.
Zwischen solchen Bäumen da flog
manch riesiges Monsterinsekt.
Später wurde es als Fossil entdeckt.
Ohne Schuppenbäume gäbe es kein Ruhrgebiet.
Denn die Steinkohle machte den Unterschied
für Wachstum einer Industrieregion,
deren Glanzzeiten aber schon
einige Jahrzehnte zurück nun liegen.
Zu Kohleflözen hinabgestiegen
sind abertausende Kumpel im Revier.
Wie viele Zechen förderten früher wohl hier?
Ohne den Schuppenbaum gäb es die Kohle so nicht. Weiterlesen

Gestandene Frau

Gestandene Frau

Auf was ich gerade eben schau,
ist eine durchgebrochene Frau.
Aus Ton ist die Figur gemacht.
Beim Windstoß hat es dann gekracht.
Der Körper brach so in zwei Teile.
Ich klebte sie schnell wieder heile.
Irgendwie zerrissen bleibt der Korpus doch.
Ihren Ausdruck den verstärkt dies noch.
Die Frau besteht fast nur aus Beinen,
die mehr als Baumstämme erscheinen.
Ihr Kopf bleibt dafür ziemlich klein.
Auch Weiblichkeit soll züchtig sein.
Standfestigkeit ist hier das Zeichen.
Sie wird kaum von der Stelle weichen,
auf der sie steht mit aller Kraft.
Ein kleines Kunstwerk solches schafft. Weiterlesen

Buchenrotschwanz

Buchenrotschwanz

Beim Quittensammeln auf der Gartenwiese
saß eine Raupe – so gelb wie diese.
Nur ein hinteres Haarbüschel war leuchtend rot
ein schöner Anblick, der sich mir bot.
Eine gelbe Raupe auf gelber Quittenfrucht –
hat die Larve den Aufenthalt so gesucht?
Oder war es nur Zufall, dass sich die zwei
begegneten eigentlich nur nebenbei.
Für mich war die Raupe echt spektakulär.
Ich fragte mich sogleich. Wo kommt die nur her?
War sie wohl selten, vielleicht Sensation?
oder krabbelt die Raupe hier immer wohl schon. Weiterlesen

Septemberfrühling

Septemberfrühling

Der Tag, als endlich doch der Regen kam –
nachdem die Dürre fast schon alles Leben nahm –
liegt nun gut drei, vier Wochen wohl zurück.
Das ersehnte Wasser war wie purstes Glück.
Auch Tage später fielen noch etliche Tropfen
Sie konnten den Mangel zwar nicht richtig stopfen.
Doch eine Handbreit Tiefe wurde vom Boden wassergetränkt
Das hat uns danach wieder Schöpfung neu geschenkt.
Der Weg zum Wäldchen hin schien längst nur tot zu sein.
Die Gräser strohtrocken, superwelk der Brennnesselrain.
So schlimm hab ich Natur verdurstet nicht gesehen.
Doch sollte hier fast Wundersames dann geschehen. Weiterlesen

Leinkraut

Leinkraut

Spät im Sommer, im Herbst aber früh
treffe ich Löwenmäulchen – ich kenne sie
schon aus den ersten Kinderjahren.
Von diesen Blüten ja da waren
schnell kleine Sträußchen zusammen gepflückt.
Schon war die Mutter wieder etwas beglückt.
Überall an Wegrändern
standen sie oft dicht gedrängt,
aus steinigem Schutt heraus gezwängt,
suchten die Blumen gern das wärmste Licht.
Schattiges Dasein das mochten sie nicht.

Gestern fand ich auf einiger sonnigen Brache
dieses echte Leinkraut in üppigster Sprache.
Zwei große Kreise zwar nicht zirkelrund
machten die Wiese vieltausendfach bunt.
In ein helles Zitronengelb sind die Blüten getaucht.
Ein orangeroter Fleck wird scheinbar gebraucht,
um wilde Bienen und Hummeln anzulocken,
die zahlreich nun an den Mäulchen hocken.
Der Nektar und Pollen ist in der Tiefe verborgen.
Den kann man sich so einfach nicht besorgen.
Das Maul muss geöffnet werden
und zwar mit viel Kraft. Weiterlesen

Kastanien blühen am 11. September

Seit wenigen Tagen
wird es zaghaft wieder grün.
Fast Aufgegebenes fängt noch mal an zu blühn.
Schier endlose Dürre hat die Natur irritiert,
dass sie ihre eigene Ordnung verliert.
Der fehlwüchsige Mais, längst siliert,
ist verschwunden.
Nun klaffen am Boden landwirtschaftliche Wunden.
Vorgestern radelte ich in die Stadt.
Die Langsamkeit der Bewegung hat
mir schon oft den Blick
für Randständiges geweitet,
so dass mich vieles im Kopf länger begleitet.
An diesem Tag sah ich plötzlich
einen schneeweißen Baum.
Erst dachte ich, das wäre nur ein Traum.
In Gedanken tief versunken
tauchen Bilder oft auf –
jenseits vom aktuellen Zeitverlauf. Weiterlesen