Salamanderende

Salamanderende

Welch eine Hiobsbotschaft
unser Feuersalamander schafft
es vielleicht nicht mehr –
und das ist einfach nicht fair –
in unseren feuchten Buchenwäldern zu bleiben;
denn ferne Viruserreger treiben
ihn in den sicheren Tod
Nichts ist mehr im Lot –
seit Krankheiten weltweit verreisen,
die Artenuntergang tödlich verheißen.
Dabei lebt er so gern an den Quellen
Im Wald an den saubersten Stellen,
wo das Wasser oft tröpfelnd nur rinnt,
treffe ich Salamandermutter samt Larvenkind.
Ich kannte ihre liebsten Verstecke.
Eine schwere Totholzdecke
schützte den Lurch mit dem Schwanz
über die Wintermonate ganz.
Salamander lieben die Feuchte.
Wann immer Gelbschwarzes kreuchte,
da schmeckte die Luft reichlich nass.
Das Amphib das hatte dann Spaß. Weiterlesen

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Drei Minorkas

Drei Minorkas

Vorgestern wusste ich wirklich noch nicht,
dass ich seit gestern drei Minorkas besitze.
Der Züchter sagte mir, dass er wohl bricht
den unverkäuflichen Hühnern das Genick – doch so beschützte
ich die Tiere vor einem allzu frühen Tod.
Diese Minorkas waren ein wenig weg vom Ideal.
Was jedes Huhn den unbarmherzigen Preisrichtern bot,
war nur zweite Wahl mit zu niedriger Punktezahl.
Für solche Hühner gibt es keinen Pokal, keinen Preis.
Sie sind zwar blutjung, gesund und ziemlich schön.
Doch wohin mit dem Ausschuss, niemand recht weiß.
Um ein Hühnerleben ist es eben schnell geschehn.

Diese Hühner landeten noch auf einem Kürbisfest.
Sie waren von der Prämierung der hässliche Rest.
Die Minorkas gab es heute für sehr kleines Geld.
So entsorgt man Nichtsieger aus dieser Welt.
Welches Huhn am Ende keinen Käufer fand,
das spürte in Kürze des Schlächters Hand.
Ich war begeistert von den hübschen Tieren,
wollte nicht, dass sie ihr Leben verlieren. Weiterlesen

Unter den Wurzeln

Unter den Wurzeln

Apfelbaum wächst hoch und frei.
Äste tragen bunte Früchte.
Sommerreife zieht vorbei.
Süßes Obst bringt Gaumensüchte.
Eine letzte Wespe schwebt,
will vom Fleische etwas nagen
In dem Astwerk fleißig webt
eine Spinne schon seit Tagen.

Unter den Wurzeln
wird die Freiheit kaum grenzenlos sein.
Alle Poren, alle Gänge
weiß man
enden noch immer am Gestein
und dann
bleibt der Weg im Boden erschwert,
weil der Stein sich dort wehrt. Weiterlesen

Ins Innere schauen

Ins Innere schauen

Um nicht ins Innere zu schauen,
da verbauen
manche Blumenköpfe
Ranken, Girlanden und auch Zöpfe.
Das Intime zu bekleiden,
den Blick ins Tiefste zu vermeiden,
ist scheinbar von Natur.
Geheimnisse bleiben nur,
wenn Letztes wird versteckt
und Blöße sich bedeckt.
Ins Innere zu schauen,
das braucht Vertrauen.
Finale Schleier lösen
im Guten wie im Bösen
passiert mitunter nicht.
Wahres erblickt kein Licht.
Wie weit wird Seele offen?
Ehrlichkeit macht betroffen.
Verborgen bleibt manch Rest,
den Mensch nicht fliegen lässt. Weiterlesen

Ein später Sommergruß

Ein später Sommergruß

Ein Sonntagswetter wie im Buche
treibt mich heraus bald auf der Suche
nach etwas, was die Seele küsst
nach schönem Flair, das ich vermisst.
So herbstlich waren letzte Tage
frühmorgens stets eine neue Lage
von welkem Laub breit ausgestreut –
was meine Sinne wenig freut.
Zwei Tage ist der Herbst nun alt.
Nächtlicher Tau macht Gräser kalt.
Natur schläft länger, steht später auf.
Kürzer wird der Tageslauf.
Mich zieht es heut zum Teiche hin.
Der zeigt zur Zeit das meiste Grün.
Doch gelbe Farben, braune Töne
vermindern etwas hier das schöne
Bild der Jugend aus dem Wonnenmai. Weiterlesen

In der Westruper Heide

Morgenröte deutet lieblich sich an.
Vorm Horizont erhellen flache Dünste.
Als meine Wanderung heut früh begann,
erlebte ich einsam verwunschene Künste.
Vor mir hauchte die Westruper Heide.
Ihr Nebelhemd deckte sie blößend zu.
An tausend Netzfäden allerfeinster Seide
baumelt der Morgentau in stillster Ruh.
Die Heide blüht noch an den meisten Stellen.
Wo Schatten fehlt, sind Blütenköpfe herbstlich braun.
An Wachholderbeeren Tropfen glitzernd quellen.
Die Sonnenstirn beendet lugend Morgengrauen.
Mein Weg steigt sanft zum schlanken Birkenbaum.
Tropfnass lädt eine Ruhebank zum Pausen ein.
Vor mir liegt lila blühend ein Landschaftstraum –
gerade geadelt durch den ersten Sonnenschein. Weiterlesen

Mineralienverzauberung

Mineralienverzauberung

Totes Gestein kann nur wenig erregen.
Lebendige Materie spricht Fühlendes an.
Wenn sich Elemente ordnend verlegen,
wachsen Minerale zu Ewigem heran.
Manches Ergebnis zeigt Langeweile in Grau.
Silbersand spiegelt gar Farben ins Leer.
Doch wenn ich ihn im Sonnenlichte beschau,
strahlt er brillantweiß – neben dem blauen Meer.
Jeglicher Farbton, der Blüten reich schmückt,
den find ich verfestigt herrlich im Stein.
Was der Natur in Mineralien so glückt,
will manchmal bunter als bunt nur sein. Weiterlesen

Im Frühtau

Im Frühtau

Im Frühtau funkeln tausend Tropfen.
Feinnebel haucht durchs Spinnennetz.
Wenn Winde an die Perlen klopfen,
da bangt die Schönheit hier und jetzt.
Die erste Sonne lässt brillieren
so wundervoll die Kugelzahl.
Das Kunstwerk wird schon bald verlieren
Jed Spinnennetz hängt wieder kahl.
Um diesen Moment hier zu gewinnen,
muss aus dem Bett ich zeitig fliehn.
Da schlafen noch wohl alle Spinnen,
die aufgewärmt die Fäden ziehn. Weiterlesen

Kornblumenblau

Kornblumenblau

Kornblumenblau,
wohin ich auch schau,
sind die Feldraine geschmückt,
wenn es mir glückt,
sie noch zu finden.
Denn Blühsäume schwinden
schnell wie das Gletschereis –
denn das Klima bleibt heiß.
Als kleiner Knirps waren die Felder noch bunt.
Schnell hielten meine Hände einen Bund
aus Kornblumen, Kamille und Mohn.
Er war als kindlicher Lohn
für die liebe Mutter gedacht.
Sie hat so dankbar gelacht.
Heute finde ich das Kornblumenblau
umglitzert vom Morgentau
leider nur noch sehr selten
in den Agrarwelten. Weiterlesen

Nach dem Sonnenuntergang

Der Feuerrand der Sonnenscheibe
sucht sinkend eine neue Bleibe.
Am Horizont schwindet viel Glut
Äther verliert minütlich Blut.
Solch Untergang wirkt wie ein Ende –
als gäbe es nunmehr die Wende.
Der Tag verliert sein Sonnenlicht.
Zum Dunklen letztes Rot zerbricht.
Am Himmel treiben Wolkenketten
als ob sie keine Heimat hätten.
Gemächlich ist heut ihre Flucht.
Doch jede wohl das Weite sucht.
Zur Ruhe kommt hier diese Welt,
nur Mondenlicht bescheiden fällt
auf schlafend Feld und schwarzen Wald,
wo nur der Eulenruf mal hallt. Weiterlesen