Vom Eise befreit

Vom Eise befreit

Tief beschneit liegt alles dar.
Reif verzuckert Knospenspitzen.
Schneidend kalt, die Luft klirrt klar.
Frost sticht in die letzten Ritzen.

Alles Leben scheint erfroren.
Mäuse kriegen rote Ohren.
Pflanzen halten strengste Ruh,
denn der Winter deckt sie zu.

Horch, was gurgelt, flüstert leise
unter mächtig starkem Eise
plätschert helle Melodie
klare Töne – hörst du sie? Weiterlesen

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BODEN will LEBEN!

BODEN will LEBEN!

Sollte es nicht endlich ein neues Motto geben?
Eigentlich ganz einfach: BODEN will LEBEN!
Es gibt doch so viel an Wald, Feld und Flur –
da soll sie halt leben die Bodennatur.
Das Gewürm und Geassel und Tausendgebein
hat beileibe noch Flächen zum Glücklichsein.
Mann braucht gar nicht lange erst Auto zu fahren,
da riecht man die Waldluft seit ewigen Jahren.
Lila Kühe sie grasen auf märchengrüner Au –
und da reden doch die Leute vom Bodenklau.
Unser Land braucht flächenweit wieder Baukonjunktur.
Zum Ausgleich dafür gibt es Ersatz für Natur.
Der Boden kann sich gottlob nicht wehren,
selbst wenn sich die Verluste dramatisch vermehren.
Wir verlieren den Boden unter unseren Füßen
und müssen mit Zukunftslosigkeit dafür büßen. Weiterlesen

Klein aber fein

Klein aber fein

Ein kleines Kästchen vier mal drei
Zentimeter darauf zeigt sich Malerei.
Ich nehme eine Lupe schnell zur Hand
für diese Kunst aus dem Russenland.
Unglaublich fein, was hier dargestellt:
Das Bild zwei ältere Menschen enthält.
Zwei Hähne picken vor deren Füßen
und schöne Blumen ringsum grüßen.
Vielleicht kennt ein Märchen diese Szene.
Der Baumstamm besitzt gar keine Lehne
für beide Männer, die hier gern sitzen –
ihre wachen Augen lebhaft sich anblitzen.
Der Maler, der braucht gute Augen
und Pinsel, die fürs Kleinste taugen.
Mit Eichhörnchenhaaren – hab ich gelesen –
schafft man solch winzige Fabelwesen. Weiterlesen

Im Vorbeigehen

Im Vorbeigehen

Dieser Quell am Wegesrand
blieb bisher noch unbekannt.
Allzu viel gibt´s nicht zu sehen,
also heißt es weitergehen.
Die kleine Quelle trägt Morast.
Dunkelbraun steckt toter Ast,
der mit seinem morschen Rumpf
ragt zur Hüfte tief im Sumpf.

Rein und sauber ohne Tadel
ohne Abfall, faulem Schlick
wohlgeboren mit viel Adel
auserkoren muss der Quick.
Quellen schön wie junge Damen
vornehm, blass und meistens kühl
fragt man sie nach ihren Namen
spürt man erstes Zartgefühl. Weiterlesen

Die Zecke

Die Zecke

Noch ist es Winterszeit.
Leider fehlt jegliches Eiseskleid.
Vermisst werden Schnee und Puderreif.
Der Boden wird vom Frost nicht steif.
Die ersten Fliegen summten schon
Der Komposthaufen war ihr Thron.
Sie ließen sich da Faules schmecken.
Vielleicht kriechen bald lahme Schnecken
aus ihren Bodengruben frei
und denken bloß, es wär schon Mai.
Auch Mücken tanzen in der Luft,
weil dieser Januar sie echt blufft.

Schon kommt ein Tier in meinen Sinn,
mit dem ich selten einverstanden bin.
Im Wiesengras, versteckt im Kraut
die Zecke fies nach Beute schaut.
Das warme Blut ruft sie herbei
und lässt ihr Opfer dann erst frei,
wenn bald ihr Leib zu platzen droht –
da trennt sie sich vom Flüssigbrot. Weiterlesen

ob dachlos

ob dachlos

ob dachlos hier eine zukunft noch hat
an guten tagen gibt es sonne satt
wenn regen aus allen wolken fällt
kostet das duschen dann weniger geld
kein dach fällt niemandem auf den kopf
es fehlt der deckel wohl von dem topf
man sieht aus den trümmern das firmanent
viel öfter als jemals der dachstuhl brennt
warum ist hier das dach nur weg
am boden liegt davon ein haufen dreck
der einst das haus wohl sicher behütet
bis dass zerfall hier offen gewütet
die mauern kamen dabei nicht zu fall
war das gebaute einst ein ziegenstall
oder lagerte dort beschütztes hafengut
sicher bewahrt in guter obhut Weiterlesen

Verborgene Schätze

Verborgene Schätze

Ich lasse mich immer wieder faszinieren
von versteinerten Pflanzen, fossilen Tieren.
An geschichtsglücklichen Fundortstellen
finden wir später so erstarrte Quellen
vom Leben vor einer undenklichen Zeit.
Formen verewigen im mineralischen Kleid.
Ammoniten, Seelilien von anno dazumal
erscheinen in Lagerstätten in großer Zahl.
Fossilien lehren epochal Erdgeschichte.
Die Evolution machte Lebewesen wieder zunichte,
um neue Arten irdisch zu präsentieren.
Tiere mit tausend Füßen – und solche mit vieren.
Versteinertes ist bei Sammlern enorm begehrt.
Manch seltenes Stück erzielt wahnsinnigen Wert.
Fundorte werden bis aufs Letzte geplündert,
wenn kein Gesetz diese Raubritter daran hindert. Weiterlesen

Wurmgestein

Wurmgestein

Das wilde Meer in seiner Flut
wirft an den Strand so manches Gut.
Zu allermeist spült es die Schalen
von Muscheln her in großen Zahlen.
Tote Krebse und verblichne Quallen
auf Ufersand letztendlich prallen.
Hochinteressant sind all die Sachen,
die Rätsel ihrer Herkunft machen.
Ein Flaschenglas weich rund geschliffen
hab ich schon öfter aufgegriffen.
Was füllte diese in frühen Zeiten,
bevor begann das Wellenreiten?
Wer trank aus ihr mit seinem Mund –
was war fürs Schlucken wohl der Grund? Weiterlesen

Ein Tongesicht

Ein Tongesicht

Ein Tongesicht,
das Bände spricht:
fein ist es nicht.
Ein alter Kopf,
sein Haaresschopf
ist weit gelichtet.
Falten geschichtet
formen die Stirn.
Das Werk ohne Hirn
wirkt nachdenklich :
interpretiere ich
den versunkenen Blick
nur ein Stück.
Wie menschennah,
wie gestaltbar
ist so ein Klumpen Ton.
Einige Eindrücke schon
lassen Gefühle erwecken. Weiterlesen

Algarve

Algarve

Kalkiges Gestein im Clinch mit dem Meer
bringt phänomenalen Küstenzauber her.
Ewiglich frisst sich hier Wellenkraft
tief in die Felsen, bis sie es schafft,
diese zu höhlen und gänzlich zu bohren,
Grotten zu bauen mit riesigen Toren.
Als hätte der Atlantik Orakel gebaut
Mystisch, fast heilig manch Höhle ausschaut.
Türkisblaues Wasser schwappt unentwegt,
brandet an die Wände, bis es sich zerlegt
in sanftere Wellen, die die Seiten berühren,
um hier nur zu weicheren Formen zu führen.
Zerlegter Felsen zertrümmert zu Sand.
Ich beuge mich nieder und streichle den Strand.
Zerschundene Felsen durch Gezeiten geprägt
hat weiches Wasser schroff hier zersägt. Weiterlesen