In sich kehren

In sich kehren

Ganz in sich kehren,
dort Gedankenwelten mehren
Augen schließen
Dunkelheit genießen –
wenn der Blick nach innen geht,
Perspektive sich verdreht,
schaut der Geist in eine Welt,
die aus Tiefen sich erzählt.
Ganz versunken, ausgeblendet
wird aus dir heraus gesendet.
Bilder rauschen irreal,
Denkideen ohne Zahl
schießen durch fast wie Kometen.
Innen sinnen gleicht fast beten.
Einkehr drängt zur Spurensuche.
Gläsern lesen wie im Buche,
das das Licht des Tages schließt. Weiterlesen

Advertisements

Hirschzungenvermehrung

Hirschzungenvermehrung

Unter vielen großen Bäumen,
die das Wachstum sichtlich zäumen,
liegt ein Schattenreich der Pflanzen.
Viele Farne haben Chancen
ihre Blätter zu entfalten
und die Schicht hier zu gestalten.
Mancher Farn wird fast zur Plage.
Denn sein Dickichtwuchsgehabe
macht den Wald zum Sperrgebiet.
Kaum einer noch Wege zieht.
Blüten kennen Farne nicht.
Ihr Geheimnis kommt ans Licht,
wenn wir ihre Blätter drehen
und auf braune Massen sehen. Weiterlesen

… ist Gras darüber gewachsen

Wenn man irgendwann etwas aus den Augen verliert,
was eben nicht selten passiert –
oder man hat etwas Unschönes vergessen,
kann man dies an den Zentimetern messen,
die zeigen, wie viel Gras darüber gewachsen ist –
wie weit du vom Ereignis heute entfernt bist.
Über dieses gewellte Dach wuchs kein Gras.
Doch das schöne Moos erfüllt auch gerade das,
was die Redensart uns in die Köpfe legt.
Das Untere wird aus der Wahrnehmung bewegt.
Das hübsche Gründach ist ein Werk aus Eternit.
Seine Gestalt ist nach vielen Jahren noch fit.
Doch im Inneren steckt fasertief Asbest,
das Lungen oft tödlich verletzt.
Reichlich Gras hat viele Sünden begrünt.
Manches Gift wird so nicht mehr gesühnt. Weiterlesen

Alter Mann, was nun?

Alter Mann, was nun?

Zwei Tage sitzt er nun schon hier.
Er bettelt zwar nicht um ein Bier,
sieht trotzdem alt und müde aus –
hat wohl zur Zeit kein Heim, kein Haus.
Ich traf ihn auf dem Trödelmarkt,
hab im Vorbeigehen gefragt,
ob er nicht Lust und Laune hätte,
Platz zu nehmen an andrer Stätte.
Das Lösegeld war kein Problem.
Der Alte konnte kaum mehr stehn.
Nun hockt er im Garten leicht erschöpft.
Sein Mantel nicht mehr zugeknöpft.
Auf tönernen Füßen – das von Geburt
hat oft sein Magen laut geknurrt.
Almosen gab`s in seinen Hut.
Wermut erwärmte dann sein Blut. Weiterlesen

Spektralanalyse

Spektralanalyse

Eigentlich nur ein Stück Glas
rundzylindrisch ist das,
bis es oben schräg endet
und im Licht blendet.
Das Glasteil ist Durchsicht pur
von Farbe keine Spur –
wirkt eher wie klarstes Eis.
Doch Sonnenlicht macht es heiß.
Im November steht dieses flach,
macht im Prisma das Spektrum wach. Weiterlesen

Vor dem Fall

Vor dem Fall

Das meiste ist längst weggefegt.
An manchem Ast wird noch bewegt,
was lang den Baum in Grün bekleidet,
sich mehr und mehr nun unterscheidet
von einstiger, frischer Jugendzeit.
Zum Fallen ist das Blatt bereit.
Das Sonnenlicht dunstweich getönt
den Abschied heute sehr verschönt.
Blätterleiber sanft durchstrahlt
werden im Leuchten bunt durchmalt.
Ob Orangengelb oder lichtes Braun
die Blätter sind hübsch anzuschauen. Weiterlesen

Erdsterne

Erdsterne

Zu den Himmelsternen kann ich nicht einfach greifen
Doch hinten im fernen Garten da reifen
seit Wochen nicht wenige Erdsterne heran.
Diese Bauchpilze ziehen mein Interesse an.
In klaren Nächten hoch oben unendlich weit
funkeln viele Sterne fast wohl eine Ewigkeit.
Ihre Herkunft kann ich kaum richtig deuten.
Das überlass ich lieber forschenden Leuten.
Ganz anders zeigt sich mir da schon die Bodenwelt.
Ein Erdstern gerade in seinem Gewebe zerfällt.
In der Mitte liegt ein dünnhäutiger Ball.
Der öffnet sich einmal mit sehr leisem Knall.
Sporen fliegen dann hinaus in die weite Welt,
damit dieser Erdstern hoffentlich Nachwuchs erhält.
Wie Sterne sich vermehren, dazu kann ich nichts sagen.
Ich müsste erneut wieder Wissende fragen.
Den Erdsternen bin ich erstmals begegnet.
Es hat diesen Sommer hier genügend geregnet,
dass der Bauchpilz mir zeigt seine hübsche Rosette –
hinten im Garten an unspektakulärer Stätte. Weiterlesen

Besuch einer Zucchini

Besuch einer Zucchini

Heut hab ich bei einer Zucchini hereingeschaut.
Von außen kannte ich bloß ihre Haut.
Geschmort wirkte sie immer ohne Halt.
Essigsauer kannte ich sie kühlschrankkalt.
Um bei ihr hereinzukommen,
hab ich mir ein scharfes Messer genommen.
Einen glatten Schnitt machte mir die Klinge
und ich erblickte gleich viele feine Dinge.
Drei Stuben besitzt meine Zucchini nur.
Mehr gibt es hier nicht, so will es die Natur.
In den Kammern wachsen Samen heran –
werden vielleicht neue Pflanzen irgendwann.
In zwei Reihen reift Zukunft in großer Zahl.
Doch diese Zucchini sie köchelt einmal
in einer Suppe mit andren Gemüsen vereint. Weiterlesen

Weidegänger

Weidegänger

Mit einer Schafherde oder Ziegen
auf andauernde Weltreise zu gehen
spart viel Kerosine, die beim Überfliegen
der Kontinente durch die Lüfte wehen.
Sich nur von dem zu ernähren,
was die Orte der Begegnung mir bieten,
sich gegen die Globalisierung zu wehren
weder ein Haus besitzen – oder mieten,
das wird von 1 000 Menschen nicht einer wollen.
Reiche leisten sich kostenlos die Armen.
Stickoxidgiftige Autos, die auf Straßen rollen,
kennen mit Klimaschutz wenig Erbarmen.
Abseits davon lässt ein Schäfer seine Herde ziehen.
Seine Hunde helfen ihm dabei, die Tiere zu hüten.
Anderswo Menschen über Grenzen fliehen,
aus Ländern, in denen Hass, Gewalt, Fanatismus wüten.
Die letzten Schäfer sind überall willkommen.
Sie wirken eher wie ein Stück lebendiger Geschichte.
Wie viele von den Flüchtlingen werden aufgenommen?
Entscheiden darüber Politiker oder deren Gerichte? Weiterlesen

Ein Kirschenblatt

Ein Kirschenblatt

Ein Kirschenblatt
liegt platt
im Gartenteich.
Sogleich
kommen Schnecken
aus allen Ecken
raspeln mit scharfer Zunge
das nicht mehr ganz so junge
Teil vom Kirschengeäst
ein Schlemmerfest
für Schlamm- und Tellerschnecke.
Auf der Kirschblattdecke
liegt überall Kot:
Zeichen fehlender Hungersnot.
Vom Blatt wird nicht viel bleiben
durch Einverleiben.
Viele Tiere fressen
gern beim Falllaubessen.
Alles Gewebe, alle Haut
werden verdaut. Weiterlesen