Herbstgarten

Herbstgarten

Der September ist schon fast vorbei
Stürmischer Wind fegt Bäume frei.
Im Teich vergilben Seerosenblätter.
Das Tageslicht kommt immer später.
In vollster Blüte steht die Fette Henne,
sowie ich das seit Jahren kenne.
Auch Herbstastern zeigen späte Blüten,
die Abschiedsgedanken zart vergüten.
Ein ausgehöhlter Apfel liegt im Gras.
Nächtlicher Tau macht ihn ganz nass.
Das Heer der Wespen kommt nicht mehr,
macht diese Hülse nicht mehr leer.
Was war das neulich nur ein Gebrumm.
Im Birnenbaum erlosch erst Gesumm
in der tiefen Abenddunkelheit.
Da endete schließlich mancher Streit
um die süßeste aller Futterstellen
an abertausenden Nahrungsquellen. Weiterlesen

In guten Böden steckt der Wurm!

In guten Böden steckt der Wurm!

In meinem schon weit fortgeschrittenen Leben
sollte es immer wieder Begegnungen geben
mit Regenwürmern – manche davon blieben mir wach.
In meinen Erinnerungen blättere ich nun nach.
Mit vier, fünf Jahren – es kreisen immer noch Bilder in mir-
gab es ein Erlebnis – ich erzähle es hier.
In der Kinderhorde wurden Mutproben gemacht.
Da hat sich einer von uns ausgedacht,
wer einen Regenwurm ungewaschen verschlingt,
es zu einem beträchtlichen Vermögen bringt.
Zehn Pfennige bekam damals, wer als erster schluckt
und den Wurm auch bloß nicht wieder ausspuckt.
Einer tat es geschwind steckte sich das Tier in den Mund.
Er blieb auch die Tage danach weiter gesund.
Vielleicht war ich es selbst, der den Gewinn gemacht.
Doch da herrscht keine Klarheit –
wir haben uns geschüttelt und gelacht.

In der Schule lernte ich den Wurm besser kennen.
Nach dem Studium konnte ich alle Einzelheiten benennen.
Dann lehrte ich Studenten die genaue Anatomie
darüber hinaus auch die Wurmbiologie.
Ich wurde fast zum Spezialisten, kannte mich sehr gut aus,
untersuchte fast jede Zelle seines Körperbaus.
Später wechselte ich zum Naturschutz, sollte helfen Boden zu schützen.
Jetzt konnten mir Regenwürmer schon wieder mal nützen.
Fotos und Filme wurden über den Lumbricus nun gemacht.
Ein Umweltbus im Zeichen des Wurmes schon lange Zeit Dienste macht.
Auf ein Poster: „Wir beleben die Böden in NRW“ gehörte der Wurm –
genauso zwingend wie zu Paris der Eiffelturm.
Ich zeichnete den Regenwurm rötlich bunt, nahm Farbstifte zur Hand.
Das Poster hängt inzwischen fast überall in Deutschland.

Wenn ich im Garten mal was zu graben und die Hühner frei gelassen hab,
dann ist das für alle Würmer ein ziemlich grausamer Tag.
Kaum ist ein Wurm in der Erde zu sehen, wird ein Huhn diese Beute schon erspähen.
Der Wurm wird gepackt und schnellstens verschluckt,
weil sonst jedes andere Huhn mit aller Kraft versucht,
den sich windenden Wurm aus dem Schnabel zu reißen.
Denn jedes möchte gern diesen Leckerbissen verspeisen.
Im Komposthaufen treffe ich auf jemand, der regenwurmverwandt
als Mistwurm Eisenia hier lebt auch Stinkwurm genannt.
Alle Regenwürmer produzieren den allerbesten Kot
Humus vom Feinsten – hier ist alles im Lot.
Tonmineralien mit Humus und Bakterienschleim vereint ,
ist für den Boden so wertvoll, als ob Gold in ihm scheint.

Meine vorerst letzte Begegnung mit dem Wurm war von einer anderen Art.
Unlängst lernte ich in einem Steinmetzkurs und der Anfang war hart.
Ich wollte eine Sandsteinstele irgendwie so behauen,
das ich Teile vom Regenwurm kann später beschauen.
Drei Tage wurde gemeißelt , gehämmert und am Ende geschliffen.
Danach hatte ich die Anfänge dieses Kunstgewerbes begriffen.
Nun windet sich ein Regenwurm ein Stück durch den Stein.
Es sollte ein kleines Denkmal für ein ganz besonderes Tier sein.
Schon Darwin war vom Lumbricus regelrecht fasziniert.
Er hat ihn in der Ackererde jahrelang genau studiert.
Auch ich steh dem Wurm immer noch ziemlich nah,
weil ich so viel aus seinem Leben bisher schon sah.

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Alligatorartefakt

Alligatorartefakt

Beim Herumstöbern an einem Trödlertisch
angelte ich mir nicht einen besonders dicken Fisch.
Es sollte vielmehr ein Alligator sein.
Mit vierzig Zentimeter Länge ist er eher etwas klein.
Dafür hat er aber Alter – um die fünfzig Millionen
Jahre wird er so im Stein schon wohl wohnen.
In der Grube Messel wurde dieses Fossil entdeckt.
sehr gut erhalten nur sehr wenig defekt.
Beim Trödler gab es davon eine recht gute Replik.
Man glaubte fast, man hätte das Original im Blick:
Auf einer Schieferplatte nahezu perfekt dupliziert
der Alligator von damals diese Platte schön ziert.
Leider waren einige Stellen abgestoßen, was stört.
Dafür war dann der Preis alles andere als unerhört. Weiterlesen

Abgestoßen und ausgedient

Abgestoßen und ausgedient

Viele Dinge des alltäglichen Gebrauchs werden irgendwann Müll –
ganz egal, ob man dies duldet oder auch nicht will.
Aus Uromas Zeiten bleibt manches weit entfernt im Hause liegen.
Nach jahrzehntelangem Dornröschenschlaf kriegen
einige Gegenstände vielleicht eine neue Chance, wieder von Nutzen zu sein.
Altes ist Retro, Nostalgie oder die Passion, etwas vom Zeitgeist zu erhalten –
eine Reminiszenz nicht immer nur an eine gute Vergangenheiten der Vorfahren und Alten.
Die ein oder andere Hausratssache landet über kurz oder lang
auf einem der Flohmärkte, wird dort feilgeboten ganz ohne jeglichen Zwang.

Auch dieser kleine Behälter befand sich in einem Wust altausgedienter Sachen.
Ich dachte mir, irgendetwas lässt sich mit dem Utensil wohl noch machen.
Früher hat das Teil, so denke ich mir, in einer Waschküche gehangen.
Wenn dann Wasch- oder Putztag war, konnte man so schnell an ein Mittel gelangen,
das zum Zweck der Reinlichkeit sich schon längere Zeit bewährt.
Auch vor hundert Jahren hat die Produktwerbung die Wirkung beschwört. Weiterlesen

Nur im Zusammenleben erfolgreich

Nur im Zusammenleben erfolgreich.

Nicht selten bleibe ich vor einer Baumrinde, an einem Felsenstück stehen,
um mir dort anhaftende Flechten etwas genauer anzusehen.
Spektakulär sind diese Geschöpfe meistens eher nicht.
Doch filigrane Wachstumsmuster, hübsche Fruchtkörper
bringen dann doch etwas Ästhetisches zu Gewicht.
Was eine Flechte biologisch ist, wurde erst spät festgestellt.
Früher wurde sie einfach zu den Pflanzen hinzu gezählt.
Heute weiß man, wer sich mit wem zu solch merkwürdigen Wesen verbindet.
Aus einer Liaison von Algen, Cyanobakterien und Pilzen da gründet
sich dann eine Flechte – weltweit ist das schon über 20 000 artenmal passiert.
Wer einem anderen dabei etwas gibt,
bekommt manchmal mehr zurück,
als er bei dieser Symbiose an Eigenheit verliert. Weiterlesen

Kirschblätterherbst

Kirschblätterherbst

Mitten im September und immer noch Affenhitze,
so dass ich lieber unter Bäumen im Schatten sitze.
Leicht böiger Wind zur Mittagszeit ist auch im Spiel
Es raschelt ein wenig in den Kronen, das ist bereits zu viel.
Hoch oben im Kirschenbaum flattern die buntesten Blätter.
Es reißen immer mehr Stiele ab bei diesem heißen Wetter.
Am Boden liegt bald ein Teppich aus vielen Puzzlestücken
Das Falllaub ist verfärbt und kann den Ort jetzt schmücken.
Jedes einzelne Blatt erscheint mir hochindividuell,
ist unverwechselbar koloriert und bleibt originell. Weiterlesen

Doppelte Begegnung

Doppelte Begegnung

Es ist schon drei, vier Wochen her.
Ich erinnere mich daran etwas schwer,
da erspähte ich eine große Motte am Apfelbaum.
Sie saß auf der Rinde und man sah sie dort kaum.
Ihr Schuppenkleid war dunkeltönig marmoriert,
dass man sie auf dem Untergrund aus den Augen verliert.
Dieses Mimikry war sensationell perfekt –
wie hatte ich nur diesen Falter entdeckt.
Ich hastete ins Haus, wo meine Kamera lag.
Jetzt ein tolles Foto und gerettet war der Tag.
Minutenschnell war ich bei dem Apfelbaum zurück.
Der Schmetterling war fort – kein Kameraglück.
So konnte ich damals das Tier nicht bestimmen.
Die bildlichen Eindrücke gingen allzu sehr schwimmen. Weiterlesen

Brotloses Dilemma

Brotloses Dilemma

Ohne Schilder geht bei uns nichts im Staat.
Manches Problem allerdings entsteht erst in der Tat,
wenn das Verbot eine Reihe von Fragen stellt,
weil hier vielleicht für andere Vögel Brot ins Wasser fällt.
Dürfen Enten, Teichhühner hier Toastbrot fressen –
oder hat man diese Tiere einfach nur vergessen?
Darf bei Schwänen ein altes Stück Kuchen landen?
Was ist, wenn hier gar Pommesfritesreste stranden?
Was passiert, wenn Schwäne genau das Brot verschlingen,
das die Enten nicht mehr in ihre Schnäbel bringen? Weiterlesen

Am Berkelsee

Am Berkelsee

Ganz ruhig liegt da ein kleiner See,
um den ich lauter Bäume seh.
Der Himmel zeigt sein Sonntagsblau
Zarte Wölkchen treiben, Luft haucht lau.
Eine Idylle, wie man sie sehr liebt,
weil sie viel Stimmung weiter gibt.
Beim Anblick könnte man fast meinen,
hier würde sich Natur vereinen.
Alles ist scheint stimmig, voller Harmonie –
als freue sich hier Landschaftsökologie.

Alles im Bild ist von Menschenhand gemacht.
Ein Baggersee hat es soweit wohl gebracht,
dass jeder denkt, es war immer schon schön.
Doch er müsste nur die Zeit zurück drehen,
dann wären andere Bilder vor den Augen,
die nicht für Schwärmereien taugen. Weiterlesen

Federn lassen

Federn lassen

Frühtau lastet tropfenschwer.
Er kommt aus kalter Nacht daher.
Im Wasserkleid liegt eine Feder da.
Für sie ist auch der Herbst ganz nah.
Die Feder hat nun ausgedient.
Ein neues Kleid gerade beginnt
so manchem Vogel frisch zu sprießen.
Erste Kiele kräftig schießen.
Manches Huhn schaut jetzt fast wie gerupft.
Wenn es dann im Gefieder zupft,
wird Feder um Feder ganz vogelfrei. Weiterlesen