Detailverliebt

Detailverliebt

Wie ich in eine Blüte blicke,
Neugierde in die Tiefe schicke,
erkenne ich oft ein Detail,
an dem betrachtend ich verweil.
Ein Bündel Fäden eng verleibt
sich an dem Blütenboden zeigt.
Kleine Körner kleben dicht gedrängt,
bis Pollen bald ins Freie sprengt.
Alle Falten sind sehr zart behaart,
was keineswegs an Schönheit spart.
Diese Blüte kommt an sich zu spät,
weil sich das Jahr zum Herbste dreht.
Kommt früh der Frost zur klaren Nacht,
wird dann der Kürbis umgebracht.

Neben der Liebe an kleinsten Dingen
muss auch der weite Blick gelingen.
Was nützt hier Freude an Pollenspendern,
wenn Klimafolgen Welten ändern. Weiterlesen

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An dieser Stelle…

An dieser Stelle…

An dieser Stelle wuchsen Eichen
Jetzt starre ich
auf Stümpfe und Leichen.
Ihre Stämme liegen daneben auf dem Feld –
die bringen sicher noch etwas Geld.
Ich suche nach Gründen für ihr Sterben.
War Krankheit Ursache für ihr Verderben?
Oder sollten sie nur einfach weg.
Irgendein Mittel das heiligt jeden Zweck.

Ich erkenne noch die vielen Jahresringe –
Wenn es bloß nach dem Baume ginge,
dann wären sicher noch weitere hinzu gekommen.
Das jähe Ende macht mich beklommen.
Waren die Bäume zu hoch –
ihre Holzlast zu schwer?
Wurden sie gefährlich dem menschlichen Verkehr? Weiterlesen

Fünf faule Birnen

Fünf faule Birnen

Fünf faule Birnen liegen
gesellig auf der Mauer.
Hier kommen keine Fliegen.
Es gibt auch keine Trauer.
Sie hingen, um zu reifen.
Die Frucht war prall und groß.
Ich konnte sie bald greifen –
dann kam ihr Todesstoß.
Schimmelpilze sind als Täter.
für Birnenmord bekannt.
Mal früher oder später
nimmt Fäulnis überhand. Weiterlesen

Vor dem Räumkommando

Vor dem Räumkommando

Alle Jahre wieder…
kommt der Unterhaltungstrupp vorbei,
schneidet im Graben alles nieder,
macht den Abfluss wieder frei.
Der Graben entwässert die Felder
sonst wird sumpfig hier mancher Fleck.
Früher standen hier Auenwälder,
die sind schon seit langem weg.
Nun fehlt auch noch das Wasser-
der Graben wird arbeitslos.
Doch es war hier wirklich schon nasser.
Wo bleibt all das Wasser bloß?
All die letzten Jahre fehlte oft Regen
reichlich heiß war manch Sommertag.
War das Fluch oder war das Segen,
dass kein Wasser im Graben mehr lag? Weiterlesen

Wenn ein….

Wenn ein

Wenn ein….

Wenn ein Nashorn auszusterben droht,
dann sieht sogar ein Teil der Menschheit rot.
Wenn irgendwo im Boden eine Moosmilbe
endgültig verreckt,
hat sie der Mensch zuvor
vielleicht nicht einmal entdeckt.
Wenn eine Orchidee zum letzten Mal erblüht,
wird von Pflanzenliebhabern
entrüstet mitgefühlt.
Verschwindet an anderer Stelle
ein eher unscheinbares Gras,
nahezu unbemerkt geschieht das.
Wenn ein schillernder Falter nicht mehr segelt,
Rote Listen seine Ausrottung regelt,
sind einige Insektenfreunde entsetzt
die große Mehrheit scheint weniger verletzt.
Wenn ein winziger Fadenwurm
die Weltenbühne verlässt,
stellt vielleicht der Fachgelehrte das fest. Weiterlesen

Gerbera

Gerbera

Früher fand ich diese Blumen fast zu schön,
um wahr zu sein.
Ihr Aussehen war einfach zu edel, zu fein.
Gerberen wurden gern zu Anlässen verschenkt –
oft mit Glückwunschzeilen drangehängt.
Ich liebte eher die wilden Blumen am Wiesenrain –
die sollten, frisch gepflückt, in die Vasen hinein.

Später erfuhr ich noch mehr über Gerberenpflanzen.
Das schliff noch weiter die scharfen Lanzen,
die ich gegen käuflichen Blumenschmuck trieb.
Etwas von alldem bis heute noch blieb.
Gerberen wird oft der Boden entzogen.
Aus Nährlösungen wird ihr Wachstum gesogen.
Erdiger Kontakt wird peinlichst vermieden –
aus hygienischen Gründen wohl entschieden.
Da der Stängel zu schwach, die Blüten zu halten,
muss ein starker Draht seines Amtes walten. Weiterlesen

Sommerfliederrendezvous

Mitten in einem kleinen Stadtpark steht
ein Sommerfliederstrauch von warmem Hauch umweht.
Zwischen lila und violett sind die Blüten geschminkt
Durch eine Hummelmutterlandung die Rispe sinkt.
Bei Distelfalter, Großer Fuchs oder Admiral
da ist das Gewicht der schönen Blume egal.
Die Schmetterlinge flattern heute ein wenig nervös umher.
Trete ich ihnen etwas nur näher, muss der Flugmodus her.
Doch sie schaukeln nur kurz durch die Endjuliluft –
zu groß ist der Hunger, zumal der Nektarduft ruft.
Dann entdecke ich eine riesige Fliege,
die ich sogar einigermaßen vor meine Linse kriege.
Sie gehört – da bin ich mir sicher- in die Schwebfliegengilde.
Ihr Hunger scheint mächtig, so bleibt sie im Bilde.
Ich schau mir das bunte Treiben minutenlang an,
da erscheint in mir wieder dieser Siedlungsbauplan. Weiterlesen

Immerlebend – Sempervivum

Diese Dachwurz bleibt lebenslang klein,
ist hoch oben im Gebirge sehr gemein.
Sie hockt gesellig gern eng am Stein
So bleibt sie selten für sich allein.
In Gärten ist sie seit eher beliebt.
Ein steinernes Bett man ihr vorzüglich gibt.
Gezüchtet werden viele hundert Arten,
die mit Formenvielfalt hier aufwarten.
Im Namen steckt das Immerleben.
Wird dies im Pflanzenreich es geben?
Wo Leben ist, fehlt eigentlich nie der Tod.
Kennt diese Dachwurz keine Sterbenot?
Wenn sie verblüht, endet die Rosette
Doch wie eine hübsche Perlenkette
sind Kindl um sie aufgereiht. Weiterlesen

Zehn Sonnenhüte

Zehn Sonnenhüte

Diese Blume steht in vollster Blüte
zeigt heute mir zehn Sonnenhüte.
Sie recken sich ins volle Licht
Ein Schattendasein heißt Verzicht.
Ein Sonnenhut verwehrt die Strahlen,
für die wir mit Gesundheit zahlen.
Wenn uns die Sonne hell bescheint,
wird sie der Haut schon oft zum Feind.
So viel an hellstem Sonnenlicht
verträgt der bleiche Mensch oft nicht.
Solche Sorgen sind den Pflanzen fremd.
Sie strecken gern ihr buntes Hemd
ganz offen hin zum Sonnengesicht –
selbst wenn die Mittagshitze sticht. Weiterlesen

Im Regen

Im Regen

Ich steh vor einem Erdbeerblatt,
das gerade Wasser aufgefangen hat.
Der Juli war so lang tropfenleer
Nun klebt der Regen nass und schwer.
Nach all dem Staub im Sommerwind
erscheint dies Blatt fast wie ein Kind,
das eben frisch ins Bad getaucht,
weil es das reine Wasser braucht.

Nach der Entbehrung ohne Regen
will sich Erlösung endlich legen
auf das gestresste Erdbeerblatt –
ob es überhaupt Gefühle hat?
Kann eine Pflanze dankbar sein?
Wir glauben das wohl so zum Schein.
Wir projizieren Emotionen,
die bei uns tief im Innern wohnen
auch sogar in Pflanzen, nicht nur in Tiere,
in Kletterrose, Vogelmiere.
Die Pflanze selbst reagiert plausibel
auf Trockenheit oft sehr sensibel.
Wird jedoch ihr Durst genug gestillt,
zeigt sie zufrieden uns ihr Bild.