In der Gosse gelandet

In der Gosse gelandet

In der Gosse gelandet
ist heute Morgen mein Blick.
Ein Rest vom gestrigen Regenstück
bleibt nun eiskalt gefangen
in kristallener, gläserner Pracht
seit letzter Nacht.
Auf einmal ist die Gosse so schön.
Es gibt Verzaubertes zu sehen.
Schwebendes Eis bizarr konstruiert
sich mit Asphaltdekor hier liiert.
Was gestern noch Pfütze war,
erscheint nun recht sonderbar.
Wasser fror zuerst mit Gewalt
schuf Stränge, Schwerter recht bald. Weiterlesen

Advertisements

Sandrosen

Sandrosen

Was die Natur aus sich so schafft,
mein alter Schädel nur wenig rafft.
Das Lebendige etwas näher zu begreifen,
dass kann mein Sinn schon lange schleifen.
Selbst das, in dem kein Leben haucht,
schon mehr als meinen Verstand verbraucht.
Am Ende bleibt einfach nur staunen.
Das begeistert schnell dann meine Launen.

Heut hab ich mir was mitgebracht.
Ein Mineral hat mich angelacht
An einem trüben Januarmorgentag
das gute Stück auf dem Trödel lag.
Spät im Leben steckt man in einem Kampf.
Die Besitzeslust macht immer noch Dampf.
Die Trennung vom materiellen Übergepäck
nimmt wiederum fast die Kauflust weg. Weiterlesen

Die Wanne ist voll…

Die Wanne ist voll…

Die Wanne ist voll mit frischem dünnen Eis.
Früher war sie mal warm, manchmal sogar heiß.
Als Kind wurde ich in die Wanne gesteckt.
Trübes Wasser bald nach Kernseife schmeckt.
Ein Badezimmer gab es damals noch nicht.
Doch sauber wurde am Ende der Wicht.
Später war die Zinkwanne lange arbeitslos.
Wir Kinder erwachsen – für die Wanne zu groß.
Für die Wäsche gab es längst Elektromaschinen.
Da brauchten die Wannen nicht mehr zu dienen.
Manche wanderten in den Schrott waren dann weg
Für die restlichen ergab sich später oft neuer Zweck. Weiterlesen

Nichtsagendes

Nichtsagendes

Wie oft fällt doch mein Blick
auf irgendwelches Flächenstück.
Vielleicht ist es ein Teil vom Weg,
auf den ich meine Sehkraft leg.
Betrachte Schotter, Stein und Sand,
Unkrautiges eher unverwandt.
All, was ich seh, das reizt mich nicht.
Nichts liegt mir vor, was mich anspricht.
Ein Meter Weg, den ich fokussier,
sagt mir rein gar nichts heute hier.
Mein Hirn gähnt voller Langeweile –
drängt innerlich mich bald zur Eile.
Was ganz Besonderes möcht ich erleben.
Ich wünsche mir ein Seelenbeben. Weiterlesen

Mitten im warmen Winter

Mitten im warmen Winter war
plötzlich eine Baumwanze da.
Es war der zweite vom Januar.
So staunte ich nicht schlecht.
War das Tier denn wohl echt?
Da schob es eines von den Beinen
ließ keinen Zweifel mehr scheinen.
Was wollte die Wanze hier nur?
Hockte da gegen jede Natur
bei vier Grad Temperatur. Weiterlesen

Nachtfrostkunst

Nachtfrostkunst

Das erste Eis fror über Nacht
hat Willkürkunst schön mitgebracht:
zwei Millimeter starke Wasserhaut,
die wie ein Zauberwerk ausschaut.
Wo Binsenhalme lustlos ragen,
bekommen sie starrharte Kragen.
Wie Sternenstrahlen blinkt es hell.
Sonnenlicht verspiegelt grell.
Neben all den spitzen Schwertgestalten
möchte auch Zarthäutiges walten. Weiterlesen

Frische Pilze zu Weihnachten

Nach so zermürbenden Dürrezeiten
regnete es in gefühlten Ewigkeiten.
Der Boden ist wie ein Schlammpudding nass.
Nur noch überlaufen kann jedes Regenwasserfass.
Heute morgen reißt endlich die Wolkenfront auf.
Ein freundlicher Tag nimmt seinen Lauf.
Mit dem Hund geht es in den nahen Wald.
Die Luft fächelt weder warm aber auch nicht kalt.
Herbstlaub liegt am Boden – so schwer wie noch nie.
Von den nackten Ästen tropft letzte Zeremonie.
Mir zu Füßen liegt ein verstorbener Stamm
dicht übersät von frischen Pilzen – fast wie ein Kamm
sehe ich die Lamellen übereinander gelegt. Weiterlesen

Der vierte Advent

Zum vierten Advent

Alle Jahre wieder
kommt die Blütenpracht
oft in vollster Blüte
zeigt sie sich –
Freude lacht.
Lilafarbene Kränze
umschmücken die Kaktee,
Weiße Haare glänzen
fast wie gefallener Schnee.
Zuverlässig treiben Knospen
im Dezember rosig vor –
bilden Kreise am Scheitel,
wagen sich langsam empor.
Stachel wachen vor Blüten,
wehren Nähe spitz und scharf,
Jeder muss sich gut hüten,
wissen, was er hier wohl darf. Weiterlesen

Die Weißmacher

Die Weißmacher

Fassadenpflege ist angesagt
Anstreichermut ist hier gefragt,
die Kuppel soll ganz weiß erstrahlen,
da muss man sehr mutig malen.
Kirchengebäude prägen Städte
Wenn Köln den Dom nicht für sich hätte,
fehlte Identität hier nah am Rhein
Wahrzeichen will manch Kirche sein.
Das Innere vom Gotteshaus
ist selten arm wie Kirchenmaus.
Mit viel Gold und Glanz wird überdeckt,
was an Verdorbenheit dahinter steckt.
Gespalten ist für mich der Blick.
Als Kind wähnte ich mich im Glück,
in dieser Kirche eng zu wohnen. Weiterlesen

Am Brunnen

Am Brunnen

Am Brunnen vor
oder hinter dem Tore
gedichtgesprochen
oder gesungen im Chore –
am Brunne trifft man sich sehr gern.
Ein Brunnen steht oft mitten im Kern
eines Hofes, eines Dorfes, einer Stadt,
weil frisches Wasser Bedeutung hat.
Nicht selten ist des Brunnens Stelle,
Ort einer immer fließenden Quelle.
Hier baut der Mensch gern seine Hütten,
so lang hier Wasserwellen schütten.
Der Brunnen wird Symbol für Leben,
will Durstigen zu trinken geben.
Wer in den Brunnen Gifte gibt,
die höchste aller Strafen kriegt. Weiterlesen