Schäbige Zeiten

Schäbige Zeiten

Auf dem Pflaster vorm Restaurant –
der Name sei hier nicht genannt –
da trippelte mit flotten Beinen
eine Küchenschabe zwischen den Steinen.
Sie war recht groß, goldbraun getönt
wurde – ich glaube – gut verwöhnt.
Es reihten sich Speisegaststätten
an dieser Stelle gar zu Ketten.
Überall fand sie etwas zu fressen.
So mancher Krümel, der vergessen,
ernährt die Kakerlaken gut.
Das macht für Nachwuchs täglich Mut.
Ich mach ein Bild von diesem Tier. Weiterlesen

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Ruinierte Kunst

Ruinierte Kunst

Dachlos ein alter Schuppen steht
vom nahen Meer ganz windumweht.
Ein Stück vom Hafen ruht sich aus.
Nutzlos erscheint der Rest vom Haus.
Seit Jahren schläft hier das Objekt
Gemäuer, das beinah erschreckt.
Sein Putz bricht ab, die Haut ergraut.
Wer weiß noch, wann es wurd erbaut?
Weil es wohl niemanden hier stört,
sich keiner über Kunst beschwert,
da haben Sprayer Wand für Wand
spontan gestaltet Hand in Hand.
In bunten Lettern wird geschrieben.
Das Alte wird zeitabgerieben.
Das Neue leuchtet frisch und grell Weiterlesen

Was wird da draus?

Was wird da draus?

Es war wohl bei einem Spaziergang.
Im letzten Urlaub damals zwang
mich irgendein geartetes Gefühl
etwas mitzunehmen – gar nicht viel.
Am Boden lag ein klobiger Samen –
gerade dort, wo wir vorbei kamen.
Ich hob ihn auf, schaute ihn mir an.
Unser gemeinsamer Weg auf einmal begann.
Rätselhaft blieb mir dieser Fund
Meiner Neugierde hatte jeden Grund,
das Geheimnis, was darinnen steckt,
zu lüften, bis es ganz entdeckt.
Ins Erdreich grub ich das Objekt.
Dort wurd es langsam aufgeweckt.
Erst zeigte sich ein Knospenkiel.
Zartes Grün kam auch bald ins Spiel.
Ein Kranz von Warzen stellte sich
um eine Knospe mittiglich. Weiterlesen

Am Boden

Am Boden

Rot, gelb, grün mit schwarz vereint –
das ist gar nicht politisch gemeint.
Am Boden liegt dies Farbenspiel
als Quittenblatt mit kurzem Stiel.
Sondieren kann ich bunte Töne,
das späte Jahr kreiert das Schöne.
An die Tür klopft baldig der Advent.
Im alten Laub viel Feuer brennt.
Parteienfarben werden nicht vermischt.
Vertrauen mehr und mehr erlischt,
als dass Gemeinsames verbindet –
Erreichbares schlussendlich schwindet.
Das Blatt am Boden hat es eher leicht.
Alle Verhärtungen werden aufgeweicht.
Windbeschwingtes Leben vor dem Fall.
Vorm Tode geht`s zum Faschingsball. Weiterlesen

In sich kehren

In sich kehren

Ganz in sich kehren,
dort Gedankenwelten mehren
Augen schließen
Dunkelheit genießen –
wenn der Blick nach innen geht,
Perspektive sich verdreht,
schaut der Geist in eine Welt,
die aus Tiefen sich erzählt.
Ganz versunken, ausgeblendet
wird aus dir heraus gesendet.
Bilder rauschen irreal,
Denkideen ohne Zahl
schießen durch fast wie Kometen.
Innen sinnen gleicht fast beten.
Einkehr drängt zur Spurensuche.
Gläsern lesen wie im Buche,
das das Licht des Tages schließt. Weiterlesen

Hirschzungenvermehrung

Hirschzungenvermehrung

Unter vielen großen Bäumen,
die das Wachstum sichtlich zäumen,
liegt ein Schattenreich der Pflanzen.
Viele Farne haben Chancen
ihre Blätter zu entfalten
und die Schicht hier zu gestalten.
Mancher Farn wird fast zur Plage.
Denn sein Dickichtwuchsgehabe
macht den Wald zum Sperrgebiet.
Kaum einer noch Wege zieht.
Blüten kennen Farne nicht.
Ihr Geheimnis kommt ans Licht,
wenn wir ihre Blätter drehen
und auf braune Massen sehen. Weiterlesen

… ist Gras darüber gewachsen

Wenn man irgendwann etwas aus den Augen verliert,
was eben nicht selten passiert –
oder man hat etwas Unschönes vergessen,
kann man dies an den Zentimetern messen,
die zeigen, wie viel Gras darüber gewachsen ist –
wie weit du vom Ereignis heute entfernt bist.
Über dieses gewellte Dach wuchs kein Gras.
Doch das schöne Moos erfüllt auch gerade das,
was die Redensart uns in die Köpfe legt.
Das Untere wird aus der Wahrnehmung bewegt.
Das hübsche Gründach ist ein Werk aus Eternit.
Seine Gestalt ist nach vielen Jahren noch fit.
Doch im Inneren steckt fasertief Asbest,
das Lungen oft tödlich verletzt.
Reichlich Gras hat viele Sünden begrünt.
Manches Gift wird so nicht mehr gesühnt. Weiterlesen

Alter Mann, was nun?

Alter Mann, was nun?

Zwei Tage sitzt er nun schon hier.
Er bettelt zwar nicht um ein Bier,
sieht trotzdem alt und müde aus –
hat wohl zur Zeit kein Heim, kein Haus.
Ich traf ihn auf dem Trödelmarkt,
hab im Vorbeigehen gefragt,
ob er nicht Lust und Laune hätte,
Platz zu nehmen an andrer Stätte.
Das Lösegeld war kein Problem.
Der Alte konnte kaum mehr stehn.
Nun hockt er im Garten leicht erschöpft.
Sein Mantel nicht mehr zugeknöpft.
Auf tönernen Füßen – das von Geburt
hat oft sein Magen laut geknurrt.
Almosen gab`s in seinen Hut.
Wermut erwärmte dann sein Blut. Weiterlesen

Spektralanalyse

Spektralanalyse

Eigentlich nur ein Stück Glas
rundzylindrisch ist das,
bis es oben schräg endet
und im Licht blendet.
Das Glasteil ist Durchsicht pur
von Farbe keine Spur –
wirkt eher wie klarstes Eis.
Doch Sonnenlicht macht es heiß.
Im November steht dieses flach,
macht im Prisma das Spektrum wach. Weiterlesen

Vor dem Fall

Vor dem Fall

Das meiste ist längst weggefegt.
An manchem Ast wird noch bewegt,
was lang den Baum in Grün bekleidet,
sich mehr und mehr nun unterscheidet
von einstiger, frischer Jugendzeit.
Zum Fallen ist das Blatt bereit.
Das Sonnenlicht dunstweich getönt
den Abschied heute sehr verschönt.
Blätterleiber sanft durchstrahlt
werden im Leuchten bunt durchmalt.
Ob Orangengelb oder lichtes Braun
die Blätter sind hübsch anzuschauen. Weiterlesen