Gestandene Frau

Gestandene Frau

Auf was ich gerade eben schau,
ist eine durchgebrochene Frau.
Aus Ton ist die Figur gemacht.
Beim Windstoß hat es dann gekracht.
Der Körper brach so in zwei Teile.
Ich klebte sie schnell wieder heile.
Irgendwie zerrissen bleibt der Korpus doch.
Ihren Ausdruck den verstärkt dies noch.
Die Frau besteht fast nur aus Beinen,
die mehr als Baumstämme erscheinen.
Ihr Kopf bleibt dafür ziemlich klein.
Auch Weiblichkeit soll züchtig sein.
Standfestigkeit ist hier das Zeichen.
Sie wird kaum von der Stelle weichen,
auf der sie steht mit aller Kraft.
Ein kleines Kunstwerk solches schafft. Weiterlesen

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Buchenrotschwanz

Buchenrotschwanz

Beim Quittensammeln auf der Gartenwiese
saß eine Raupe – so gelb wie diese.
Nur ein hinteres Haarbüschel war leuchtend rot
ein schöner Anblick, der sich mir bot.
Eine gelbe Raupe auf gelber Quittenfrucht –
hat die Larve den Aufenthalt so gesucht?
Oder war es nur Zufall, dass sich die zwei
begegneten eigentlich nur nebenbei.
Für mich war die Raupe echt spektakulär.
Ich fragte mich sogleich. Wo kommt die nur her?
War sie wohl selten, vielleicht Sensation?
oder krabbelt die Raupe hier immer wohl schon. Weiterlesen

Septemberfrühling

Septemberfrühling

Der Tag, als endlich doch der Regen kam –
nachdem die Dürre fast schon alles Leben nahm –
liegt nun gut drei, vier Wochen wohl zurück.
Das ersehnte Wasser war wie purstes Glück.
Auch Tage später fielen noch etliche Tropfen
Sie konnten den Mangel zwar nicht richtig stopfen.
Doch eine Handbreit Tiefe wurde vom Boden wassergetränkt
Das hat uns danach wieder Schöpfung neu geschenkt.
Der Weg zum Wäldchen hin schien längst nur tot zu sein.
Die Gräser strohtrocken, superwelk der Brennnesselrain.
So schlimm hab ich Natur verdurstet nicht gesehen.
Doch sollte hier fast Wundersames dann geschehen. Weiterlesen

Leinkraut

Leinkraut

Spät im Sommer, im Herbst aber früh
treffe ich Löwenmäulchen – ich kenne sie
schon aus den ersten Kinderjahren.
Von diesen Blüten ja da waren
schnell kleine Sträußchen zusammen gepflückt.
Schon war die Mutter wieder etwas beglückt.
Überall an Wegrändern
standen sie oft dicht gedrängt,
aus steinigem Schutt heraus gezwängt,
suchten die Blumen gern das wärmste Licht.
Schattiges Dasein das mochten sie nicht.

Gestern fand ich auf einiger sonnigen Brache
dieses echte Leinkraut in üppigster Sprache.
Zwei große Kreise zwar nicht zirkelrund
machten die Wiese vieltausendfach bunt.
In ein helles Zitronengelb sind die Blüten getaucht.
Ein orangeroter Fleck wird scheinbar gebraucht,
um wilde Bienen und Hummeln anzulocken,
die zahlreich nun an den Mäulchen hocken.
Der Nektar und Pollen ist in der Tiefe verborgen.
Den kann man sich so einfach nicht besorgen.
Das Maul muss geöffnet werden
und zwar mit viel Kraft. Weiterlesen

Kastanien blühen am 11. September

Seit wenigen Tagen
wird es zaghaft wieder grün.
Fast Aufgegebenes fängt noch mal an zu blühn.
Schier endlose Dürre hat die Natur irritiert,
dass sie ihre eigene Ordnung verliert.
Der fehlwüchsige Mais, längst siliert,
ist verschwunden.
Nun klaffen am Boden landwirtschaftliche Wunden.
Vorgestern radelte ich in die Stadt.
Die Langsamkeit der Bewegung hat
mir schon oft den Blick
für Randständiges geweitet,
so dass mich vieles im Kopf länger begleitet.
An diesem Tag sah ich plötzlich
einen schneeweißen Baum.
Erst dachte ich, das wäre nur ein Traum.
In Gedanken tief versunken
tauchen Bilder oft auf –
jenseits vom aktuellen Zeitverlauf. Weiterlesen

Die alte Stadt

Die alte Stadt

Nach Soest ging gestern kurz die Reise.
Die Stadt war voll und wenig leise
Wenn sonntags hier die Sonne scheint,
ist Menschliches hier dicht vereint.
Der alte Ort hat viel zu bieten.
Man kann sich eine Führung mieten,
die erzählt dann viele der Geschichten,
die alte Bauten stumm berichten.
Besichtigt man gern solche Stätten,
kann jeder sorglos darauf wetten,
dass Kirchenhäuser vorne stehen,
will der Besucher Altes sehen.
Auch in entfrommter, neuer Zeit
sind Glaubenslose gern bereit,
sakrale Bauwerke anzuschauen
zur Architektur so Brücken bauen.
Im Soester Kern viel Fachwerk steht. Weiterlesen

Rabenkrähe

Rabenkrähe

Neulich saß in meiner Nähe
furchtlos eine Rabenkrähe.
Wir beäugten uns minutenlang
Dem Sperlingsvogel war nicht bang.
Ich durfte ihn fotografieren.
Das tu gern bei schönen Tieren.
Der Vogel, der vor mir so saß
von Kopf bis Fuß war rabenschwarz.
Erst, als ich bis auf einem Meter
herankam, krächzte mit Gezeter
das Federvieh und flog von dannen –
zuerst mal hoch bis auf die Pfannen
vom Dach – er schaute von oben,
hat seine Stimme laut erhoben,
damit ein jeder ihn auch hörte,
dass diese Krähe sich beschwerte. Weiterlesen

Die Birne ruft!

Die Birne ruft!

Die Birne ruft –
fast alle Wespen kamen.
Der tiefe Fall durch Morgenluft
kannte am Ende kein Erbarmen.
Am Boden lag frischgelber Brei.
Die Form war sturzzerstört.
Das Birnenfleisch lockte herbei,
als hätten sie den Plumps gehört:
Wespen, Hornissen wie auch Fliegen.
Sie hocken nun ganz dicht gedrängt
am süßen Tische ja da kriegen
sie kaum Futterneid – so reich beschenkt.
Es fallen wieder fast minütlich
die Birnen; denn es hängt enorm.
Der Baum ist dieses Jahr zu gütig.
Auch Bienen waren echt in Form. Weiterlesen

Streifenwanze mit Langeweile

Jeden Tag kann ich sie wiedersehen
bleib ich am Engelwurz nur stehen.
Auf dem längst verblühten Doldenteller
da geht die Zeit nur langsam schneller.
Schon in der zweiten Woche da sitzt
eine Streifenwanze – vielleicht ritzt
sie an jungen Samenstielen,
um süßen Saft dort zu erzielen.
Warum bleibt sie dem Ort so treu?
Die Welt ist anderswo doch neu.
Sie braucht nur ihre Flügel schlagen.
Dann könnte sie woanders nagen.
Doch diese Wanze die bleibt stur –
bewegt sich gerade eben nur
auf ein paar dieser alten Blüten.
Will sie Geheimnisse wohl hüten? Weiterlesen

Schlüsselerlebnis

Schlüsselerlebnis

Wer hat das nicht schon längst erlebt,
dass was ins Nirgendwo entschwebt.
Mir ist das gestern gerad passiert;
Denn da auf einmal sich verliert,
die Existenz vom Schlüsselbund
und das zu unbekannter Stund.
Was ist das nur für ein Gefühl
Die Finger finden nicht ihr Ziel.
Die rechte Hosentasche war leer
Sonst liegen hier die Schlüssel quer.
Schnell ging die Suche weiter fort.
War andre Kleidung neuer Ort,
wo nun die Schlüssel träge liegen-
keine Beachtung dort wohl kriegen?
Im Haus war alles bald abgesucht
Wie oft hab ich in mich geflucht!
Wo find ich nur die Schlüssel noch?
In mir klafft innerlich ein Loch.
Sind sie verschwunden gar für immer?
Wird das Problem vielleicht noch schlimmer? Weiterlesen