Mangoldreif

Mangoldreif

Nicht viel Gemüse überlebt,
wenn Frost sein Eis im Winter webt.
Den Sellerie kneift Kälte kaum.
Für Melde ist längs aus der Traum.
Der Grünkohl zeigt sich frisch im Blatt.
Ihn macht der Winter selten matt.
Was mich schon wundert, ist der Mangold –
eine Pflanze blieb, eher ungewollt,
im Beete stehen einsam verwaist.
Jetzt war ihr Outfit kühl vereist.
Die letzte Nacht brachte viel Reif.
Der Boden fror im Froste steif.
Heut trägt der Mangold zartes Kleid
von eiskristalliner Kostbarkeit. Weiterlesen

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Hinrichtung am Hansaring

Hinrichtung am Hansaring
(Eine Stadt entwickelt sich)

Bis zum nächsten Wochenende
dürfen zwei gesunde Platanen
vergeblich hoffen auf eine Schicksalswende.
Längst wurde ihr Todesurteil gesprochen
für die beiden stolzschönen Bäume –
endgültig der Stab über sie gebrochen.
Vor vierzig Jahren, als ich hier studierte,
wurden sie gerettet durch Transplantation.
Da Fernwärme nun zu mächtig expandierte,
müssen neue Leitungen durch den Erdenbauch.
Baustellenverkehrsinfarkte drohen.
Der Hansaring verengt zu einem Schlauch.
Damit der Verkehr bloß nicht stille steht,
sind die zwei einsamen, großen Platanen
der Umleitung im Weg und somit ergeht
die Vollstreckung des Urteils zum Tode:
Simultanhinrichtung der beiden: noch bevor die Woche schließt.
Ein Gnadengesuch ist kaum zu erwarten. Weiterlesen

Immer im Fluss

Immer im Fluss

Zaghaft tröpfeln, schüchtern fließen
Quellgeburt oft ärmlich klein,
aus der Tiefe kühl ergießen
Wasser will so flüchtig sein.
Kaum aus Finsternis entlassen
wird der Born im Stürzen schnell.
All die frischen Wassermassen
blinken jugendlich ganz hell.
Aus der Quelle wird der Quellbach
Sein Geschütt rinnt weiter kühl.
Leidenschaft wird langsam wach.
In den Wassern tanzt mehr Spiel.
Steine rollen, Blätter treiben
übern Ast die Welle springt.
Wasser will sich innig reiben,
wogenhaft es gerne singt.
Aus den engen Nachbarschluchten
gießt sich ein so mancher Bach. Weiterlesen

Eiskunstwerke

Eiskunstwerke

Den Winter hielt ich für vermisst.
Seit Tagen buntes Blühwerk sprießt,
als ständ der Lenz längst in der Tür
begleitet mit viel Fluggetier.
Doch über Nacht da kam die Kälte,
die plötzlich Eis in Räume stellte.
Die klare sternenreiche Nacht
hat Winterschönheit uns gebracht.
Ich lauf zum Teich hinten im Garten
und kann den Anblick kaum erwarten.
Vorm Jahr stand ich hier höchst verzückt,
war durch den Frost so hochbeglückt.
Ich hielt damals die Eiskunstwerke
als kaum zu toppen – denn die Stärke
und Vielfalt dieser Eisgestalten
wollten an Schönheit das entfalten,
was so nicht steigerungsfähig schien –
doch diesem Trugschluss sei verziehn. Weiterlesen

Koifliche Fische

Koifliche Fische

Was hier bunt schwimmt,
gern Futter entgegen nimmt,
sind bunte Kois in einem Teich.
Neugierig kommen sie sogleich,
wenn sich am Rand ein Mensch mal zeigt
den Kopf zum Wasser tiefer neigt.
Japanisch ist der Garten hier
Eleganz und Ordnung zeigen mir,
hier ist der Ort gänzlich verplant.
denn Wildnis wird hier abgemahnt.
Zurück zu buntgescheckten Fischen,
die turbulent das Wasser mischen.
Die Tiere sind bei uns eher fremd.
Zu bunt ist doch ihr Ausgehhemd.
Unser Karpfen trägt ein Silberkleid,
ist auch zu dunklem Braun bereit.
Knallbunt sind Kois erst recht begehrt.
Das steigert mächtig den Marktwert. Weiterlesen

Nebulöses

Nebulöses

Von Erlenhänden eingefasst
hält sich versteckt der kleine Weiher.
Als leichteste von aller Last
schwebt über ihm ein Nebelschleier –
weich über schwarze Spiegelhaut.
Wo feuchte Dünste flauschig küssen,
solange bis es Wasser taut,
wo Spinnenfäden lange wissen,
wie Tröpfchen hängen perlgesäumt,
da kann Natur verweilen.
Im fahlen Morgenschwaden klebt
manch nachtgekühlter Wassergruß.
Verschlafener Binsen wirkt verträumt.
Beträufelt schwimmt die Wassernuss. Weiterlesen

Verdammt lang her

Verdammt lang her

Verdammt lang her,
dass dieses altbizarre Stück –
kam irgendwann irgendwoher –
fand in meine Hand zurück.
Schier unvergänglich Schalenreste
verbacken sedimentär mit Kies.
Erhaltungszustand kaum der beste
aber bei weitem auch nicht mies.

Verdammt lang her,
seitdem Muscheln wie Schnecken
in diesem Konglomerat fest stecken.
Von weitem betrachtet da erscheint
das Ganze zerbrechlich – wie man meint.
Ich möchte alles in Schichten zerlegen.
doch von wegen!
Kein Krümel löst sich vom Verbund.
Höchst sonderbar bleibt dieser Fund. Weiterlesen

Schneeglanz & Co

Schneeglanz & Co

Ganz früh im Jahr
oft schon im Januar
erblüht unten am Mauerfuß
der weiße Schneeglanz so zum Gruß,
dass wohl der Frühling bald erscheint.
Die Hyazinthe sich vereint
mit Winterlingen gelber Pracht.
Manch Schneeglöckchen gerade macht
die erste Blüte züchtig auf,
bis dass im weiteren Verlauf
die zarten Glocken alle läuten
und damit überall bedeuten,
dass Winterruhe nicht mehr gilt.
Zu bunt erstrahlt das Gartenbild. Weiterlesen

Faules Ende

Faules Ende

Der Kürbis ist eine Beerenfrucht,
die wirklich seinesgleichen sucht.
Er rankt sich forsch durch seine Welt.
und was ihm besonders gut gefällt,
ist wohl ein Platz ganz in der Sonne
nur unweit von der Regentonne.
Die Pflanze hat enorm Appetit –
Ein Komposthaufen hält sie fit.
Da spreitet sie die rauen Blätter.
Die gelben Blüten kommen später.
Doch was am meisten imposant:
die Früchte, Beeren wohl genannt.
Hunderte Sorten zierlich bis phänomenal
Beim Kürbisfest fällt schwer die Wahl.
Wer ist der schwerste, welcher schmeckt
am besten, wenn man zu Tische deckt.

Ende Januar sind die Kürbisse weg.
Sie erfüllten zuvor so manchen Zweck.
Halloween brachte ihnen lustige Gesichter.
Innen brannten des öfteren Kerzenlichter.
Zu Erntedank waren sie die Stars beim Fest.
Danach der Hype immer mehr nachlässt. Weiterlesen

Körnerfresser

Körnerfresser

Jeden Tag meist zur gleichen Zeit
mach ich mich wieder zum Füttern bereit.
Der Hühnerstall liegt ein paar Schritte vom Haus.
Ich laufe zum Stall immer nur geradeaus.
Vom Federvieh werde ich gackernd empfangen
Denn da werd ich ins Kornfass tief hinein langen,
um dann Getreide weit zu verstreuen.
Hastiges Picken wird mich dann wohl erfreuen.
Da kein Mangel herrscht, fehlt jeder Futterneid.
Alle Hühner fressen voller Zufriedenheit.

Doch da sind noch zwei Haustiere der besonderen Art,
ein älterer Ganter, den das Schicksal traf hart.
Vor Jahren verlor er seine Frau durch Fuchsattentat
Eine Virus raubt ihm ein Auge – so dass er eines nur noch hat.
Den Theo füttere ich. Er meldet sich sehr laut.
Er wird erst wieder ruhig, wenn er Körner schnell kaut. Weiterlesen