Wintergerstenährenmeer

In der warmen Juniluft
wiegen sich die Gerstenähren.
Ihre Blüten ohne viel Duft
nur der Wind hilft beim Vermehren.
Pollenwolken bringen morgen
all den Blüten später Korn.
Reiche Ernte nimmt die Sorgen
wenig Scheffel bringt oft Zorn.
Auf dem Feld reift nur noch Gerste
Kornblume, Mohn sind ackerfern.
Für den Landwirt gilt das Erste
Unkräuter früh abzuwehrn.
Drei Hektar: nur eine Pflanze
Auch der Tierwelt geht es schlecht.
Schnecke, Wurm, Käfer und Wanze
verlieren hier ihr Lebensrecht. Weiterlesen

Die Zikade

Die Zikade

Der Zikade
schmerzte heftig die rechte Wade.
Vom vielen Springen
da fingen
die Muskeln schrill an zu singen.
Das war echt schade
für die Zikade.
Herumspringen war sonst ihr Ding
denn daran hing
der Faden zum Glück.
Doch schnell zurück
zur schlimmen Wade
Keine Gnade
kannte der Befund
aus orthopädischem Mund.
Sechs Ruhewochen –
obwohl nichts gebrochen –
braucht schon ein Faserriss
solange bis,
die Wade rehabilitiert,
ein erster Sprung ausprobiert. Weiterlesen

Junileuchten

Junileuchten

Der komische Käfermann kennt genau
den Zeitpunkt für die Schau
nach einer Frau –
jetzt, wo die Nächte lau.
Abends um zehn
muss noch viel Zeit vergehen.
Erst gegen Mitternacht,
wenn die Dunkelheit wacht,
zünden die Käfer ihr Licht –
das nach Sekunden wieder zerbricht.
In warmer Juninacht
wird ein Spektakel angefacht.
Immer mehr Fackeln kreisen
an Säumen, Rändern und Schneisen.
Sie knipsen nur kurz ihre Lampe an
beleuchten im Fluge ihre Bahn.
Was da die Juninacht erhellt,
ist allesamt nur Männerwelt. Weiterlesen

Balkenschröter

Balkenschröter

Nur mal eben
zugegeben:
mit Balkenschrötern habe ich –
nicht wunderlich –
eher sehr selten zu tun
aber nun –
wo ich auf ihn gestoßen bin,
macht es Sinn,
ihn zu respektieren
auf ihn zu reagieren.
Dass ich ihn sofort erkannte,
seinen Namen nannte,
liegt an der Studienzeit,
die eine Ewigkeit
zurückliegt
Manche Erinnerung fliegt
ins Gedächtnis zurück
Finderglück.
Beim Aufräumen
vom toten Holz von Bäumen
saß das schwarze Tier
im Mulme hier.
Die Balkenschröter sind –
wie ich find –
fast unverwechselbar-
aber selten nah.
In meinem Leben
habe ich neben
unzählig vielen Insekten,
die mein Interesse weckten,
nur zwei- oder dreimal
Balkenschröter gesehen.
Solch ein Geschehen
war gestern genau.
Zufällig schau
ich in Holzfaserreste.
Nicht das Allerbeste
denke ich mir:
doch dann kam das Tier.
Es kreuzten sich unsere Wege.
Ich lege
Das robuste Tier
vor die Augen mir.
Wie different ,
wenn man es so nennt,
sind unsere Leben gelaufen:
Hier reicht ein Haufen
modriges Holz
zum Glück ohne Stolz. Weiterlesen

Seerosenrot

Seerosenrot

Jeden Tag mehrt sich die Blütenzahl
der Seerosen – beim ersten Sonnenstrahl
da öffnen sich prachtvolle Kronenblätter
Staubfadenbeutel zeigen sich erst später,
wenn der Tag erstrahlt im hellsten Mittagslicht
die Wasserrose herrlich uns anspricht.
Im Ursprunge war Nymphaea blütenweiß
Die Krone schmückte schön ein großer Kreis
von Blütengeschmeide in bräutlicher Zier.
Nichts Ebenbürtiges fand sich im Weiher hier.
Wenn jede Seerose immer im Weiß erblüht,
sich keineswegs um andere Farben je bemüht,
dann kommen Gärtner bald auf den Plan. Weiterlesen

Heurig

Heurig

Bald liegt was in der Luft:
ein ganz besonderer Duft.
Eine abgemähte Wiese
gerade so wie diese
ist nicht die Naturidylle pur
sondern nur,
das Ergebnis von Mensch und Gerät
wenn es darum geht
Heu zu ernten.
Das hat nicht im Entferntesten
zu tun mit Ökologie
nirgendwie.
Und doch bin ich an dieser Stelle
an der Quelle
von einem herrlichen Duft,
der aus der Kindheit ruft. Weiterlesen

Pfingstrosenglück

Pfingstrosenglück

Verinnerlichte Schönheit zu beschreiben
und dabei in Worten zu bleiben,
fällt bisweilen recht schwer:
denn das Anmutige ist des Geschriebenen mehr.
Zu Pfingsten stehe ich vor einem kleinen Beet,
in dem die Päonie seit Jahren nun steht.
Je länger sie an dieser Stelle wohnt,
die Pfingstrose es mit Blütenreichtum belohnt.
Eher enttäuscht war ich noch vor einigen Jahren,
wenn da zwischen dem Blattwerk nur einzelne Knospen waren,
die sich bald als Rosenschönheiten zeigten
und sich zu Pfingsten so edel verneigten.
In diesem Jahr kann ich die Blüten kaum zählen.
Die Pflanze will mich damit fast schon quälen.
Viel Sonne mit Wärme haben die Pfingstrosen verwöhnt.
Das hat ihre Ausstrahlung nochmals verschönt.
Leider bleibt dieses Meisterwerk nur für kurze Zeit.
Dann welkt alle Pracht durch die Endlichkeit.

Mir fehlen eigentlich die Worte für die Farbeneleganz,
für den edlen Duftstrom und den feinsilbrigen Glanz,
der das Blütengesicht so herrlich verzaubern will
Was bring ich da nur für Worte ins Spiel? Weiterlesen

Am Tag, als der Zünsler kam…

Am Tag, als der Zünsler kam
weltweit gereist, voller Fressenslust
er jedes Buchsbaumblatt zu sich nahm
vor nimmersatte Larvenbrust.
Wenn kaum noch Blatt am Strauche hing,
knabberten Raupen auch die Rinde.
Scheusale machten ihr fieses Ding,
bis ich vom Buchs
nur Totes finde.

Am Tag, als der Zünsler kam,
das war wie eine Gartenwende.
Weil er sich allen Buchsbaum nahm,
war dies für ihn das jähe Ende.
Ob Heckensaum, ob Solitär
nichts schonte die Raupenfresse.
Der Garten wurde fürchterlich leer –
als hielt ein Satan hier die Messe

Beete verlieren Rand und Form.
Buchsleichen reißen bald Lücken.
Der Wandel im Garten ist mehr als enorm –
wird er ohne Buxus wohl glücken?
Ein Zünsler sorgt für Katastrophen
zerstört viel geliebtes Gartengesicht.
Mit Ilex kann man ein wenig hoffen.
Doch die Schönheit des Buchses
erreicht er wohl nicht.

Am Tag, als der Zünsler kam,
schrieb pflanzenmordend er Geschichte.
Was Raupenfraß uns für immer nahm,
machte Gestaltung
historisch zunichte.
Ob Schlosspark, Friedhof, Klostergarten
der Buchs war grüner Gartenfreund.
Ein neues Kapitel wird nun starten –
derweil man noch um den Buchsbaum weint.

Am Tag, als der Zünsler kam,
da schien im warmen März die Sonne.
Dem Schmetterling wurd glücklich warm.
Buchsbaumschlaraffenland –
was für eine Wonne.
Zu Ostern legte er Ei um Ei.
Bald würden Raupen schmatzen.
Lang war der Garten zünslerfrei.
Doch für Meisen und die Spatzen
sind Zünslerraupen kein Genuss.
Denn wer den Buchs massenhaft frisst,
der sammelt all die Giftigkeit.
Den Vögeln macht das bald Verdruss –
wenn jeder ekelnd nur noch speit.

Die Kunst der Landwirtschaft

Die Kunst der Landwirtschaft

Auf dem Kartoffelacker sind Häufefurchen versprungen.
Ist hier altes Ackerhandwerk misslungen?
Sonst sind die Reihen doch bäuerlich akkurat
bei Spargel, Erdäpfeln und Getreidesaat.
Oder war am Ende der Bauer irgendwie high –
zauberte im Wahn diese Zacken herbei?
War ihm die Geradlinigkeit einfach zuwider
oder schoss ein Krampf durch die ackernden Glieder.
Hier bleibt der Augenblick länger gefangen.
denn die gewohnte Symmetrie geht abhanden.
Landwirtschaft und Kunst sind ein ungleiches Paar.
Die mittelalterliche Bewirtschaftung, wie sie einst war,
brachte dem Menschen eine eigene Kultur
im Einklang – eher ungewollt – mit der Natur. Weiterlesen

Schnabulieren

Schnabulieren

Seit drei Jahren kommen sie wieder
mit schwarzweißem Gefieder –
ihre hohen Stelzen wie der Schnabel in rot
ein Anblick, der sich nur kurze Zeit bot.
Kaum hatte der Bauer die Wiese gemäht,
das Schnittgut mit dem Kreisel locker verweht
da landeten drei Adebare im frischen Gras.
Sie kamen nicht nur so zum Spaß.
Die Störche wissen scheinbar genau,
ist der Himmel ein paar Tage himmlisch blau,
dann hofft der Landwirt auf trockenes Heu.
Diese Erfahrung ist keinesfalls neu.
Beim Schnitt wird einiges Getier gestört
Manche Maus trifft dabei das scharfe Schwert.
So ist der Tisch bald reichlich gedeckt.
Das Gute im Schnittgut am Boden versteckt.
So stochert der Schnabel eifrig nach Beute
doch wirklich ausschließlich gerade heute.
Nur der frühe Storch verschlingt die Maus.
Er bringt sie bald danach nach Haus.
Dort betteln im Nest die Storchenkinder
recken hungrig empor die Schnabelmünder. Weiterlesen