Frühlingsblau

Frühlingsblau

Wenn ich jetzt in den Garten schau,
färbt früher Lenz manch Blüten blau.
Eine Irisgruppe liebt das Azur
Gelbe Zungen stören wenig nur.
Vom Leberblümchen ist das Blau milder,
doch zaubert es sehr schöne Bilder.
Buschwindröschen im hellhimmelblau
zeigen sich vornehm am Waldrand zur Schau.
Wo jetzt Traubenhyazinthen blühen,
kann man ein Meer an Blauheit finden.
Ein Blau, das oft Violett schon grüßt,
zeigen die Veilchen – ihr Duft versüßt
die Frühlingsluft. Weiterlesen

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Wie ein Komet am Horizont

Ein Flieger zeichnet weiße Streifen,
die bald zu Wattebäuschen reifen.
Sehr rasch löst sich der Zauber auf.
Das Flugzeug nimmt nur seinen Lauf.
Immer wieder bin ich fasziniert,
was dort oben gerade passiert.
Jedes Fluggerät braucht Kerosin.
In den Abgasen steckt manches drin,
was unser Weltklima zerstört.
Kaum jemand ist deshalb empört. Weiterlesen

Ein Schiff wird kommen…

Ein Schiff wird kommen – ein anderes geht
Über beiden ein dunkles Wölkchen weht.
Gleich liegt das Monster ruhig am Kai
Doch mit der Ruhe ist es dann schnell vorbei.
Abertausend Touristen quellen von Bord,
überschwemmen gewaltig den Anlegerort.
Der Ansturm wird erwartet – alle Geschäfte sind offen
Souvenirläden können auf gute Umsätze hoffen.
Doofe Andenken von der Insel – in China gemacht
sind nun verkäuflich, bis die Kasse lacht. Weiterlesen

Lungenkraut

Lungenkraut

Im Wäldchen vorn unter den Buchen
brauch ich nicht lang nach ihm zu suchen.
Hier find ich reichlich Lungenkraut,
das gerade jetzt am schönsten schaut.
Seit zwei Wochen in zarten bunten Farben
die Blüten hier vom Boden ragen.
Wenn eine Knospe neu aufgeht,
diese in rotem Kelche steht.
Zwei, drei Tage später zeigt diese Blüte
ein blaues Violett von feinster Güte. Weiterlesen

Verflechtungen

Verflechtungen

Wenn Algen auf Pilze,
Pilze auf Bakterien zugehen,
kann etwas Neues
aus ihnen entstehen.
Irgendwann wurden diese Liaisonen perfekt,
haben Flechten für sich
diese Welt entdeckt.
Die neuen Wesen wachsen nun
an fast allen Stellen.
All ihre Zellen
stammen aus zwei verschiedenen Quellen.
So sind Flechten
irgendwie halbe Pflanzen.
Als halbe Pilze besitzen sie Zwitterformat.
Manche Grün- oder Blaualge hat
sich über eine Pilzbekanntschaft
zur Flechte vereint. Weiterlesen

Entfaltung

Entfaltung

Frühlingszeit
ist nicht mehr weit.
Bald geht es ans Entfalten.
Dieses Farnkrautblatt
noch eingerollt
wird sich
von Tag zu Tag
allmählich erst gestalten.
Schneckenhausähnlich
spiralisiert
sind zunächst die Blattanlagen.
Was wachsend später daraus wird,
zeigen tiefere Etagen.
Hier sind die Spreiten ausgestreckt
zeigen zarte Fiederreihen.
Jedes Blatt sich hin zum Lichte reckt.
So kann der Farn gedeihen.

Entfalten möchten sich
auch Menschen gern.
In ihnen schlummern Talente.
Dem kleinen Kind sind Zeiten fern –
unnahbar scheint die Rente.
Was jeder kann,
wie er sich zeigt,
entwickelt sich beständig.
Wozu der Mensch im Innern neigt,
wird mehr und mehr lebendig.

Entfalten möchte die Industrie
dem Gesicht die Altersfalten.
Hyaluronsäure
die bietet sie
gern weiblichen Gestalten.
Die Haut wird straff,
Jugend ewig bleibt.
So kauft man sich die Schönheit.
Kosmetikwerbung
täglich schreibt,
wie sich die schnöde Eitelkeit
mit Salben lässt entfalten.
Früher gab es echte Alte noch,
für die Naturgesetze galten.
Die Entfalteten aber
zeigen mir doch:
Mancher Mensch
fühlt sich bestraft
im Alter durch die Falten.
Kosmetik ihn dabei entlarvt –
will uns den Spiegel halten.

Zur Ewigkeit erstarrt

Zur Ewigkeit erstarrt

Selten habe ich eine derart lebendige Felswand gesehen.
Ein Vulkan musste bersten – wie auf Madeira geschehen.
Millionen Jahre sind seither verstrichen.
Das Gestein ist nur wenig in seiner Farbigkeit verblichen.
Kein Grashalm, kein Mooskissen, kein Flechtenbart
kann ich aus der Ferne erkennen
– der Fels scheint zu hart.
Selbst der raue Wind und die tosende Gischt
haben keine Weichheit in die Steilwand gewischt.
Wie hat an dieser Stelle damals die Lava nur pulsiert –
drei Schlote aus der Tiefe das Relief nun verziert.
Was damals glühend, heißere wie flüssiger Stahl,
steht seitdem erstarrt als Naturdenkmal. Weiterlesen

Türgesichter

Türgesichter

Sie ist oft die Visitenkarte von einem Haus
sieht – vom übrigen betrachtet – besonders aus.
Wer auf ein Haus zugeht,
stößt meist auf eine Tür aus Holz.
Manche eine ist schlicht, eine andere eher stolz.
In alten Städten bleib ich häufig vor Türen stehen,
will ihre Geschichte und Eigenart sehen.
Der Stil der Zeit spiegelt sich in der Herstellungsart.
Der Reiche will sie prächtig,
der Arme an allem Überflüssigen meist spart.
Eichentüren öffneten mehreren Generationen.
Die Beständigkeit des Holzes sollte sich lohnen.
Die Türen der mittellosen Leute
waren aus Weichholz gezimmert
und sind seltener erhalten bis heute. Weiterlesen

Ein Bach in buntem Farbenkleid

Ein Bach im bunten Farbenkleid

Viele Bachläufe habe ich bisher schon betrachtet –
was der Mensch ihnen oft angetan hat, verachtet.
In Betonbett gezwängt, im Freilauf eingeengt
oder sogar ins Abwassersystem zugemengt:
manchem urbanen Fließgewässer
ging es ursprünglich bei Leibe viel besser.
In meiner Nähe wird zur Zeit die Emscher renaturiert,
auf dass sich die hässliche Sünde
eines Abwasservorfluters wieder verliert.
Der Wasserkörper ist fast wieder rein
und auch die Flussgestalt darf wieder etwas krummer sein.
Der Mensch modelliert sich den Fluss wieder neu.
Ein wenig Eigenleben ist auch wohl dabei. Weiterlesen

Wenn Licht versinkt

Wenn Licht versinkt

Wenn Licht versinkt am Horizont,
sich weiter Blick minütlich lohnt.
Goldwarmes Rot tönt die Kulisse
schwärzt dabei alle Schattenrisse.
Wie anders zeigt nun sich das Bild.
Wenn Morgensonne hier früh spielt,
lockt Farbenfülle sie hervor.
Manch Vogel singt dann gern im Chor.
Jungblüten werden wachgeküsst,
wie sie ein warmer Strahl begrüßt. Weiterlesen