Galläpfelchen

Galläpfelchen

Wie Hexenwerk erschien mir das,
was ich als Kind schon oft entdeckte.
Die Unterseite eines Blattes zeigte etwas,
das meine Neugierde ziemlich weckte.
Da klebten Kugeln rund und grün,
wie von Geisterhand dort hin fixiert.
Im Herbst fingen sie sogar an zu glühen.
Ein Scharlachrot die Bäckchen ziert.
Heut nahm ich Herbstlaub in die Hand,
wollte Farbenvielfalt blicken.
Was ich dann plötzlich darin fand,
ließ Inneres bald wieder ticken.
Eine Eichengallwespe war der Grund
für das Kügelchen am Blatte.
Die Kinderstube wuchs ganz rund. Weiterlesen

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Wie eines in dem anderen steckt

Wie eines in dem anderen steckt,
das weckt
Neugierde beim Betrachten.
Messerschnitte machten
den Blick aufs Innere so frei
eigentlich ganz nebenbei.
Jetzt sah ich plötzlich Dinge
wie Porreeblätterringe,
die sich so schön umgreifen,
wenn sie im Herbst nun reifen.
Ganz ähnlich bei der Zwiebel:
sie legt enorm penibel
ihre Schalen dicht an dicht
bis zu der siebten Schicht. Weiterlesen

Kapuzinerkresse

Kapuzinerkresse

Kapuzinerkresse
esse
ich erst seit ein paar Jahren.
Da habe ich erfahren,
dass die schönen Blüten
nicht nur Salate vergüten.
Zuletzt durfte ich auf Tagetes kauen.
Ihre Bitterstoffe helfen verdauen.
Wenn man erstmals
die gelben Blüten schmeckt,
entdeckt
das Zungenepithel Geschmäcker
jenseits von einfach und lecker.
Auch Gänseblümchen sind ein Genuss
nicht nur als Frühlingsgruß.
Ich kenne kaum das Pflanzenreich.
Es bietet mir trotzdem so reich
an vielfältigen Aromen,
die in Blatt und Blüte so wohnen. Weiterlesen

Libellenende

Libellenende

Vorige Woche da flogen sie noch
beschwingt voller Lust am Teichhimmel hoch.
Ihre Flugkreise waren voller wildem Elan.
Für Nachkommenschaft wurde reichlich getan.
Als ich diese Tiere in der Luft jagen sah,
da wusste ich gleichwohl: Ihr Ende ist nah.
Auch wenn sie heute vor Leben nur so sprühen,
wird solch ein Tag wohl nicht mehr ihnen blühen.
Das Wetter fand doch dann zu seinem Herbst zurück.
Jäh endet in Kälte Libellenliebesglück. Weiterlesen

Herbstliche Blütenquelle

Den mörderischen Trockensommer überlebt
hat eine bodendeckende Aster an steiniger Stelle.
Spät im Oktober- wenn das Herbstlaub windgefegt
schäumt diese Pflanze blütenvoll wie eine Quelle.
Blätter sind kaum noch zu erkennen.
Zu dicht ist hier der Blütenfluss.
Man könnte dies fast einen Gletscher nennen.
Vom Stein herab ergießt sich weißer Blumengruß.

Im Blütenmeer sperren sich alte, braune Blätter.
Sie warten nur noch auf den modrigen Zerfall.
Doch heute ist noch sonnig, warm das Wetter.
Kleine Aster lädt ein in einen Blütenwasserfall. Weiterlesen

Tropfenküsse

Tropfenküsse

Ewig und drei Tage her ist der Tag,
an dem am Himmel etwas Graues lag.
Heute am Morgen war es endlich so weit
Feiner Nieselregen beendet die Trockenheit.
Ich spürte den ersten Regenstaub –
Noch raschelte knisternd vergängliches Laub.
Am Tage zuvor hatten die Winden gelacht
In der milden Brise haben sie gedacht,
der Sommer würde wohl nie vergehen.
Sie haben auch muntere Bienen gesehen.
Im Morgengrauen kam die Kaltfront daher
hatte Wolkendickicht gar regenschwer. Weiterlesen

Späte Winden

Späte Winden

Zehn Tage noch dann der November graut
Doch wenn mein Blick in den Vorgarten schaut,
dann glaube ich nicht an düstere Tristesse
Ein Windenmeer lockt vielmehr mein Interesse.
In wunderbar pastellierten Tönen
wollen hier Ranken die Augen verwöhnen.
Ganz groß, dabei hauchzart sind die Trichter,
in die fallen hinein nun die Sonnenlichter
Man glaubt, man schwebt im Sommertraum.
Doch herbstlich ist ja schon längst der Raum.
Wie kommt es nur zu den so späten Blüten?-
Sie müssen ein besonderes Geheimnis hüten.
Fürwahr da gibt es eine kurze Geschichte,
über die ich heute hier gern berichte.
Beim Aufräumen von einem maroden Bienenhaus
kam Liegengebliebenes wieder heraus. Weiterlesen

Nebeltücher

Nebeltücher

Wer webt hier nächtens weiße Bänder?
Wer haucht den Atem durch die Luft?
Wer schafft solch schwebende Gewänder?
– die feine Kunst, die jäh verpufft,
wenn Sonnenstrahlen sie durchdringt.
Der Schleier dann zusammenfällt,
als würd der Nebel ausgewringt –
und wieder blank wird diese Welt.

Nebel erfüllen weich den Raum.
Dass Wasser schwebt, man sieht es kaum.
Wie klein muss erst ein Tröpfchen werden,
das es nicht fällt gleich auf die Erden? Weiterlesen

Hühneraugen

Hühneraugen

Wer an Hühneraugen denkt,
meist seine Blicke auf die Zehen senkt.
Hier entstehen böse Reibungsflächen,
rote Beulen, die nur so vor Schmerzen stechen.
Ich denke an alte Zeitungsreklame
vom Hühneraugenpflaster stand da der Name.
Auch gab es Tropfen zur Linderung
Die gab es aufs Auge zur Besserung.
Nach ein paar Tagen löste sich dann die tote Haut.
Das Hühnerauge war pellig abgebaut.

Eigentlich sind Hühneraugen doch recht munter.
Tausende Male geht der Kopf tagsüber runter,
weil der Vogel etwas Interessantes sieht
und mit dem Schnabel bald etwas geschieht. Weiterlesen

Dahinter?

Dahinter?

Zum wievielten Mal stand ich da
und sah
zum klaren Sternenhimmel empor
diesem riesigen Tor
vom Horizont zum Zenit.
Eine endlose Weite
Länge und Breite
sind irdene Maße
für eine Milchstraße
verlieren sie ihren Gebrauchswert.
Wem das All gehört,
wissen wir nicht.
All das Sternengelicht,
das ich in dieser Nacht sehe,
ist vielleicht eher noch Nähe.
Kein Mensch erreicht je einen Stern. Weiterlesen