Matschmohn

Matschmohn

In kalten Nächten wuchs Novemberreif.
und später Tau erfror zu Eisestränen.
Die letzten Rosenknospen ragen steif
Bewaffnet fein mit kleinsten Glitzerzähnen.
Im morgendlich erwachtem Sonnenlicht
Da lösen sich vom Eis die starren Häute.
Der grad gehauchte weiße Zauber bricht.
Er tröpfelt nass und rinnt hinein ins Heute.

Die frühlingshaften noch so warmen Brisen
Sie haben Blüten hoffnungsfroh wohl nachgeschickt.
Marienblümchen lachen in den Wiesen
Ob wohl Novemberuhr noch richtig tickt?
Seit Wochen schon da glaubt der dicke Mohn,
er müsse sich noch einmal sündig schmücken.
Drei Knospen öffnen sich in Bälde schon.
Wollen mit rotem Feuer blühend uns entzücken.
Die letzte Nacht war klar – dabei so sternenkalt,
Ließ Blütenträume hart im Froste sterben.
Den stolzen Stielen fehlte plötzlich jeder Halt
Sie sanken tief und stürzten ins Verderben.
Zwar taute noch das Eis im weichen Mittagsfön.
Doch hilft dies nicht den schwer gefallnen Blüten.
Tauwasser wäscht sie nun auch nicht mehr schön.
Es rinnt und tropft gleichwie aus nassen Tüten.
Der Blütenmund versinkt in sich – liegt glasig schwer
Beklebt zerstört als Matsch die kleine Backsteinmauer.
Das Rot im Innern löst sich und läuft leer.
Aus später Freude wurde frostig Trauer.
Zwei Tage haben nur gefehlt
Im warmen Herbsteskleid.
Sie hätten so viel Rot beseelt
Nun zeigt sich Blütenleid.
Der alte Mohn
muss schlafen gehen-
soll schonen seine Kräfte.
Wenn wir im Mai
dann vor ihm stehen,
pulsieren feurig Säfte.

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