Novembernesseln

Novembernesseln

Als wäre es aus allerreinstem Blau
So sonnklar zeigt sich das Morgenkleid.
Zuvor war es noch diesig nebelgrau
Wie traurig oft in der Novemberzeit.
Doch heute ist die Welt wie ausgetauscht.
Die Luft so warm mit heitrem Blättertanz.
Ich hab fast noch dem Vogelton gelauscht,
Doch fehlte er mit seinem Liederglanz.
Ich ging den Weg – wie oft mit unsrem Hunde
Am Feldessaum entlang durch grüne Flur.
Ich blickt verträumt hinab zum Bodengrunde
sah plötzlich lauter weiße Blüten nur.
Vom Sonnenlicht waren sie hell durchflutet.
Taubnesselnblatt wuchs dazu saftig grün.
Ihr Blühmoment kam gänzlich unvermutet,
Gebannt blieb ich hier länger stehn.
Die weißen Mäuler standen ganz weit offen.
Sie boten sich den letzten Bienen feil.
Vielleicht gab es so spät ja noch ein Hoffen,
eh Winterfrost erhebt sein kaltes Beil.

Heut ist der Tag, da schlossen wir den Ehebunde –
Knapp vierzig Jahre ist das nun schon her.
Auch damals zu der Hochzeitsstunde
Erfreute uns die volle Sonne sehr.
So nehm ich nun die weiße Nesselblüte
Vereine sie mit purpur Rosenrot,
Dass dieser kleine Strauß das Glück behüte,
das uns geschützt bisher vor echter Not.
Weiße Novembernesselblüten
werfen ihr feines Licht in dunkle Zeit.
Auch wenn sie sich um Frucht umsonst bemühten –
Sie gaben heute so viel Leichtigkeit.

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