Es quillt

Dia 03

Es quillt

Aus dem Unsichtbaren
Aus den dunklen Tiefen
Aus imaginären Räumen
Quillt Durchsichtigkeit,
Restlose Aufgeklärtheit hin zu
Vollendeter Reinheit.
Wasser wagt sich ans Licht
Beginnt seine Tagesreise.
Die zarten Wellen
Überküssen den ersten Stein.
Lassen losen Schwemmsand
Lautlos und immerzu tanzen.
Durch fein aufgestellte Mooswälder
Kräuseln sich ziehende Wasserfäden.
Vor einem modrigen Asttrümmer
Stapeln sich vorjährige Buchenblätter.
Eine filmdünne Welle zeichnet
Flackernde Spiegelbilder
Im noch baumoffenen Frühlingswald.
Die kleine Quellflut
Stöbert in organischem Brei
Zerrissener Pflanzenreste.
Überall und doch eher verstreut
Lebt es im ersten Wasser.
An den Steinen schmiegen sich –
Fürs Auge unauflösbar – Kieselalgen.
Ihre weichbraune Koloniefarbe
Deutet auf ihre Gegenwart.
Opalschimmernde Quellschnecken
Weiden auf kühlen Algenwiesen.
Die flachen Leiber von Alpenstrudelwürmern
Gleiten schwerelos unter den
Durchströmten Steinen.
Zwei Augen sind immer dabei,
Beute zu erspähen.
Mit kunstvollen Eigenbauten
Trippeln kleine Köcherfliegen
Zwischen aufgequollenem Falllaubresten.
Das tote Blattwerk ist bescheidene Nahrung
Und bevorzugte Baustoff für die
Permanente Hauserweiterung.
Über die Dunkelmücken, Stelzmücken,
Tastermücken und Zuckmücken zu berichten,
wäre schon fast des Guten zuviel.
Die kleine aber feine Tiergesellschaft
Der Quellen hat ein sehr stimmiges Verhältnis
Zum Ursprung des Wassers.
Manche Quellen sind auch heute
immer noch Orte der Schöpfung.

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