Die zweite Blüte

BorretschDie zweite Blüte

Der Wind hat schon die meisten Blätter
Bei nass und kaltem Schmuddelwetter
Herausgefegt aus Baumeskronen –
Er wird den Rest auch nicht verschonen.
Der Gartengang zeigt mir Marodes
Manch Pflanzenleib – geweiht des Todes.
Es ist noch reichlich Arbeit hier –
Die Lust dazu – weigert sich mir.
Neben Vergreisten und dem Welken
Blühen am Rande noch Lichtnelken.
Die Schafgabe einst rückgeschnitten
Will späte Bienen nochmals bitten,
zu einem Trunk vom Nektarsaft –
kurz vor dem Winter etwas Kraft.
Der Borretsch zeigt ein Knospennest,
Will blühen, wenn man ihn noch lässt.
So manches blüht zum zweiten Mal.
Der Apfelbaum ist leer und kahl.
Die Gänseblümchen dicht an dicht
Öffnen heut gern ihr Blühgesicht.
Ein harter Schnitt setzt Kräfte frei –
Nicht ganz so üppig wie im Mai –
Doch vor dem Schnee und Bodenfrost
Ist zweite Blüte bunter Trost.
Auch meine Blüte liegt zurück
Vom Leben ging das größte Stück.
Was mir noch bleibt, kann ich nicht schätzen.
Ob Schicksalsschwerte sich schon wetzen,
dass weiß ich, gottlob, keine Zeit –
Bin noch zum Blühen ganz bereit.
Ein spätes Blühen kommt entspannt,
denn heiße Blüte ist bekannt.
Es wird nicht auf die Frucht geschielt.
Die zweite Halbzeit weiter spielt.

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