Beziehungslos

KrokusBeziehungslos

Da stand sie nun die Frühlingsblume
Am Uferrand von einem Bach.
Aus einer blattbedeckten Krume
Wird schönstes Violett hier wach.
Fünf leuchtend bunte Krokussterne
Stehn einsam hier auf weiter Flur.
Ich verweil, betrachte gerne
Die bunte Laune der Natur.
Beziehungslos erscheint die Pflanze.
Ihr Standort mutet ziemlich fremd.
Doch dieser Krokus nutzt die Chance,
Weil er die Gegend länger kennt.
Vorfahren wohnten wohl in Gärten.
Erfreuten dort manch Menschenherz.
Aus Abfällen ja da vermehrten
Sich diese Pflanzen dann auswärts.
Gerad an Rainen oder Wegen
Blüht Fremdes auf im neuen Licht.
Natur hat scheinbar nichts dagegen
Sträubt sich der feinen Gäste nicht.
Verkehrte Welt – könnte man meinen.
Da wächst was nicht am rechten Ort.
Doch ärgern tut das auch wohl keinen.
Es fordert niemand Pflanzenmord.
Die Eichel keimt in meinem Garten.
Wer sie gebracht, steht nicht dabei.
Auf Birken, Kiefern kann ich warten,
Die Luftfracht bringt sie portofrei.
Beziehungslos ist heut so vieles.
Man lebt in Freiheit – doch allein.
Der Zufall ist der Gott des Spieles:
Denn fremde Blüte will hier sein.
Im Garten möchte Wildes sprießen
Im Wald ist Garten auf der Flucht.
Ein jeder kann beides genießen,
wenn er die Ordnung nur nicht sucht.
Beziehungslos sind die fünf Blüten
Im Ufergrund für mich heut nicht.
Ich möchte sie wohl fürder hüten.
Ich blickte tief in ihr Gesicht.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: