Hochstapler

WurmkotHochstapler

Die Höhe von dem Eifelturm
Erreicht beileibe nie ein Wurm.
Er kann sich noch so kräftig regen –
Den Kot in tollste Schleifen legen –
So hoch hinaus da kommt er nicht.
Sein Haufen ist aus seiner Sicht
dennoch ein kleines Meisterwerk –
Steilwändig als Verdauungsberg.
Wurm hat am Humus wohl entdeckt,
dass nur das Beste in ihm steckt.
Zu allem, was den Darm verlässt,
er feinen Schleim dazu verpresst.
So bleibt sein Kot stets gut in Form –
Ein Wahrzeichen für den earthworm.
Hat es geregnet über Nacht,
der Lumbricus dann Dienste macht.
Gestapelt wird ums Röhrenende.
Der Wurm hat dazu wenig Hände.
Sein Anus ist enorm geschickt – Weiterlesen

Reifliche Überlegungen

ReiflichesReifliche Überlegungen

Novembernächte tief vernebeln.
Nasse Luft will uns fast knebeln
Licht entschwindet ganz diffus.
Ein jedes spürt den kalten Kuss.
Wenn sich der Dunst ganz spät noch löst,
Das Wasser fein zu Boden stößt,
Wie Klarheit Kälte mit sich bringt,
der frühe Tau als Raureif blinkt.
Kristalle wachsen ganz wie Zauber
Erscheinen diamantensauber
Mit völlig unverletzten Spitzen,
die hoch auf Blätternerven sitzen.
Die Reifeshaut zieht maskengleich
Starr über Rosengesichter.
Was vorher noch gewebeweich,
Ist eishart voll Lichter.
Die Morgensonne spiegelt grell –
Das Reifliche erstrahlt so hell. Weiterlesen

Jagdaussetzer

StockentenJagdaussetzer

Wenn ich es zeitlich richtig checke,
Bringt Mann wohl Enten grad zur Strecke.
Rechtzeitig vor dem Weihnachtsfest
Manch Schnattertier sein Leben lässt.
November kalt mit Abendrot
Da knallt die Luft bald voller Schrot.
„Vom Himmel hoch da komm ich her
Ich bring die Entenbrust und mehr.“
Da waren viele Jägersleut,
die solch ein Schießen hoch erfreut.
Von hundert Enten nur geschätzt
War wohl die Hälfte ausgesetzt.
Zuchtenten kamen im schönen Mai
In großer Zahl plötzlich herbei.
Mit Erbsen, Mais und Weizenkorn
haben Menschennäh sie nie verlorn.
Sie bleiben ihm und Teich so treu;
Denn Futter gibt es täglich neu.
Das Entenvolk wird gut ernährt,
bis es die Wahrheit spät erfährt. Weiterlesen

Zwei Spitzschlammschnecken

SpitzschlammschneckenZwei Spitzschlammschnecken

Zwei Spitzschlammschnecken auf dem Blatt
Die fressen sich an Algen satt.
Sie sind der Wasserwelt entflohn
Ein Trockenurlaub ist ihr Lohn.
Nebelfeuchte Novembertage
Versetzen die Tiere in die Lage,
die Lungen luftig aufzufüllen
Sauerstoffhunger lässt sich stillen.
Die meiste Zeit seh ich sie gleiten.
Sie brauchen manchmal Ewigkeiten,
das andre Ufer zu erreichen –
im Schneckentempo ohne gleichen. Weiterlesen

Glückspilze

FliegenpilzGlückspilze

Wie aus dem Nichts da schießen
Pilze aus Erdenschichten.
Bis Blumen üppig sprießen,
Muss Sonnenschein viel richten.
Was sich im Wald ganz pilzlich zeigt,
hat Röhren, oft Lamellen.
Sie dienen nur der Fruchtbarkeit
bis Sporen sich einstellen.
Wird jemand Glückspilz hier genannt,
lächelt Fortuna immerzu.
Sorgen sind ihm meist unbekannt.
Das Pech lässt ihn in Ruh.
Wer Pilze gern in Speisen mag,
sollte sie bestens kennen.
Sonst kommt für ihn der Jüngste Tag
Und der wird qualvoll enden.
In manchem Pilz steckt stärkstes Gift
Man darf ihn niemals pflücken.
Das Ende ist sonst schnell verbrieft
Denn Leben wird missglücken.
Warum sind Pilze so gemein,
Dass sie selbst Tod uns bringen? Weiterlesen

Der Brummer

BrummerDer Brummer

Er kann gar nichts dafür –
Zu offen steht die Küchentür.
Der Braten kühlt grad auf dem Tisch,
Ist knusprig, lecker, noch ganz frisch.
Es strömt herum der Fleischesduft
Zu denen, die man lockend ruft.
Der Brummer lässt sich nicht lang bitten,
Sitzt bald ganz tief und zwar inmitten
Der eng verschmorten Bratenspalten,
die langsam immer mehr erkalten.
Der Brummer versteckt dort die Eier.
Die Maden sind demnächst die Geier
Von diesem guten Bratenstück
Das wär des Brummers höchstes Glück.
Kulinarisch schlimmes Missgeschick
Für den, der dieses hat gekocht –
Auf Sauberkeit er stets gepocht. Weiterlesen

Alltagskunst

JadegefäßAlltagskunst

In Vielem denk ich rational:
Wie können Dinge nützen?
Mein Urteil fälle ich mental –
Will mich vor Schaden schützen.
Lieber bin ich emotional –
Lasse Gefühle wildern.
Ob ich nun schreibe oder mal
Ich träume oft in Bildern.
Ich brauche Brot so wie die Kunst
In beiden steckt mir Leben.
Ich wechsel ständig meine Gunst
Im Nehmen und im Geben.
Ich hole mir manch schönes Stück
Von Märkten meiner Nähe.
Es streichelt mich vielleicht mein Glück,
Wenn ich dort was erspähe.
Zu Hause steht es nicht allein.
Ich war schon mehrfach Täter.
Die Kunst soll mir gefällig sein –
schon früher und auch später. Weiterlesen

Blattgold

AhorngoldBlattgold

So monoton grün waren die Blätter
Im Frühlings- und im Sommerwetter.
Der Ahorn braucht sein Chlorophyll
Photosynthese bleibt das Ziel.
So sammelt er für sich die Kraft,
die Wachstum immerzu dann schafft.
Im Herbst da endet die Saison.
Das Sonnenlicht sinkt früher schon.
Die Nächte länger und taukalt
Erwarten ersten Raureif bald.
Der Ahorn wechselt sein Gesicht
Gelbgolden strahlt er nun im Licht. Weiterlesen

So lang kann doch kein Bein sein…

WeberknechtSo lang kann doch kein Bein sein…

So lang kann doch kein Bein sein
Dabei ganz super schlank und fein –
Wer braucht denn solche Extremitäten,
wo kleinere es längst schon täten?
Es ist hier wohl der Weberknecht –
der Name klingt schon ziemlich schlecht,
Der seine Beine und zwar acht
Unendlich lang und dürre macht.
Wer solch abnorme Stelzen hat,
besitzt Beinfreiheit im Spagat.
Vom Weberknecht der Körper ist –
wie ihr sicher schon lange wisst –
kompakt, gedrungen und fast rund
und selten nur ein wenig bunt.
Zwei Augen lugen aus dem Rücken –
Sie können Helligkeit nur blicken.
Manch Weberknecht mag Häuser gern.
Die Hausfrau hält sie lieber fern. Weiterlesen

Abendrot

AbendrotAbendrot

Was zündet diese Sonne Feuer! –
eh sie am Horizont versinkt.
Das Licht ist ziemlich ungeheuer
So glühend rot und wärmt doch nicht.
Novemberabend ganz zum Schwärmen
Ein Farbenmeer im Spiegelbild.
Es gibt kein Hasten und kein Lärmen
Nur Sonnenglut erscheint uns wild.
Wir halten dies oft für romantisch –
Sitzen am Meer versunken da.
Ob nun ästhetisch oder Kitsch
Das nehmen wir kaum richtig wahr.
Wie oft schon wollt ich die Untergänge
Verewigen auf Zelluloid.
Da waren Bilder fast schon Zwänge
Die Sucht zum Sehnen kam erneut. Weiterlesen