Weihnachtspost

BriefmarkeWeihnachtspost

Der Postbote trägt weihnachtsschwer.
Da ist heut einiges im Verkehr.
Bei uns landet auch mancher Brief,
der Weihnachten zum Anlass rief.
Die Autofirma schickt mir Zeilen –
will mir dabei freundlich mitteilen,
dass sie mir wünscht Erfolg und Glück
Und zeigt dabei ihr neustes Stück.
Die Firmen, die Aufträge bekamen,
grüßen mich auch in Kindels Namen.
Wer gut bestellt in diesem Jahr,
für den besteht akut Gefahr,
dass diese Dienste höflich danken –
genauso gern tun dies auch Banken.

Als ich ein kleiner Junge war,
die Weihnachtspost anders aussah.
Tante Trinchen schrieb uns eine Karte,
wenn das Fest mal wieder nahte.
Die Schrift noch halb in Sütterlin –
Vorn Engel drauf, die Schlitten ziehn.
Die Mutter las den Kindern vor.
Viel Liebes ging dann in ihr Ohr.
Verwandtschaft, Freunde und Bekannte
manch netten Gruß zum Festtag sandten.
Die Schrift war oft kaum leserlich –
doch handgeschrieben jeder Strich.
Die Eltern waren darauf bedacht,
dass nur kein Fehler wurd gemacht.
Und war dennoch jemand vergessen,
dann hat die Scham oft tief gesessen.
Zu Neujahr wurde nachgeholt,
die Panne, die so ungewollt.

Heut fehlen mir die weißen Tannen,
die silberpulvrig noch gewannen-
Das Jesuskind nett süß drapiert
Ein Esel und ein Ochs, der stiert.
Heut ist mein Emailfach bald voll.
Gestylte Grüße ziemlich toll.
Die digitale Kommunikation
ersetzt das Schreiben lange schon.
Kaum sind die Grüße abgeschickt,
da werden sie schon weggeclickt.
Wer Handgeschriebenes verschenkt,
Gedanken öfter länger denkt.
Wie er in seinen Sinnen weilt,
nimmt er sich dabei wohl die Zeit
für hergeschenkte Aufmerksamkeit.

Die alten Karten sind Geschichte.
Sie waren oft nur Kurzberichte.
Die Schrift verriet die Grußperson –
so etwas fehlt mir heute schon.
Die Briefmarke – fünf Pfennig wert –
hat diese Sendung kaum erschwert.
Der Stempel zeigte mir den Ort –
Dort schickte man die Karte fort.
Und war die Marke frisch und fein,
wanderte sie ins Album rein.
Die Weihnachtspost war so begehrt,
hat Markenreichtum doch vermehrt.
Heut wird als Kitsch manches belächelt,
wenn Weihnachtsengel Silber fächelt.
Das Gemüt war damals einfach, echt.
Die alte Zeit war nicht nur schlecht.
Heut mach ich Schrift mit dem Gerät –
dabei ist nichts, was mich verrät.
Früher da formte noch die Hand,
was zuvor dachte der Verstand.

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