Bodenzersetzungsorchester

Ringelwürmer 098Bodenzersetzungsorchester

Damit unsere Erde immer fruchtbar sei –
Ein Wonnemonat erblühet im Mai,
damit uns der Herbst mit Früchten beschenkt,
muss Boden zersetzen – uneingeschränkt.
Was das Erdreich in dunkler Stille vollbringt,
bleibt nahezu unfassbar, weshalb es uns zwingt,
diese unglaubliche Leistung erdlich zu begreifen,
damit späte Einsichten hoffentlich noch reifen,
wie wir mit diesem so perfektem System
zukünftig nachhaltig sorgsam umgehn.
Ein Bodenorchester spielt das Lied vom Leben.
Alle Zersetzer wollen ihren Beitrag geben.
Sie spielen die Ode ohne Pause synchron.
Die Melodie der Zersetzung die kennen sie schon:
von den Anfängen der Erde, von der Bodengeburt –
das Orchester auf allen Erdteilen tourt.
Wer macht die Musik im dunklen Milieu? –
Akteure, die ich erdhaftig kaum seh.
Da sind die Bakterien in unglaublicher Zahl.
Ihrer Gesichter sind oft mikroskopisch egal.
Doch im Wirken sind sie fein ausdifferenziert.
Ein jedes hat seine Rolle studiert.
Sie bringen Moleküle zu Nährstoffen zurück –
sind für den Boden wohl das größte Glück. Weiterlesen

Sellerieekel

SellerieknolleSellerieekel

Ob Speisekarte, Hausmannsküche
Das Essen schmeckt mir immer.
Ganz faszinierend sind Gerüche
Von Bratenduft im Zimmer.
Heut kann ich alles gut verspeisen.
Die Zunge selten protestiert.
Zu Hause oder auch auf Reisen
Wird vieles Neue ausprobiert.
Doch wenn ich an die Kindheit denke,
da war der Frieden oft gestört.
Da ging ich über Tisch und Bänke,
wurde mein Bitten nicht erhört.
Was auf den Tisch kam wurd gegessen.
Da gab es nirgends ein Pardon.
Manch Ohrfeige hat bald gesessen
Und ziemlich rau wurde der Ton.
Als kleiner Dotz gab es Gerichte,
da krampfte Magen Übelkeit.
Mir stand der Ekel im Gesichte
Stand Sellerie mir essbereit.
Er schwamm in deutlich großen Stücken
Besonders oft in Suppen rum.
Konnt Abscheu selten unterdrücken –
Zog meine Nase mehr als krumm. Weiterlesen

Das Eichhorn

EichhörnchenDas Eichhorn

Wie Tarzan schwingt sich das Eichhorn
von Ast zu Ast im Baum.
Den Gärtnern schwillt enorm ihr Zorn
Nussdiebe sind Albtraum.
Das Eichhorn sammelt messihaft
die Nüsse ohne Ende.
Es nimmt sie frech und ungestraft
in seine Diebeshände.
Der erste Hunger wird gestillt
Die Nagezähne kreisen.
So wird der Magen aufgefüllt.
Bald Schalenreste weisen,
dass solcher Kern wohl lecker ist,
frisch aus dem Haselstrauch.
Das Eichhorn so viel davon frisst,
dass sich bald wölbt sein Bauch.
Dann wird versteckt den ganzen Tag.
Nuss um Nuss verschwinden.
Denn, was das Tier heute nicht mag,
möchte es später finden.
Wie merkt sich Eichhirn all die Orte,
wo es versteckt die Vorratsnuss? Weiterlesen

Schwimmen

Meer,GomeraSchwimmen

Überall in Stadt und Land
der Mensch Badehäuser erfand.
Will dort seinen Körper trimmen –
besonders gut geht das durch Schwimmen.
Badehose schnell ins im Gepäck
ruckedizuck schon ist man weg.
Badehäuser sind schön groß
warmes Wasser reizt famos.
In dem blau gefliesten Becken
schwimmen Schwimmer ihre Strecken.
Wasser ist dort höchst steril,
weil man keine Keime will.
Eh man in die Fluten steigt,
jeder sich ganz sauber zeigt.
Unter der Dusche wird geschrubbt,
dass kein Schmutz im Wasser suppt.
Blitzeblank geht’s dann ins Nass
Bewegung macht nun richtig Spaß.
Badewasser temperiert,
dass kein Kleinkind bloß nicht friert,
Wasser wird ständig filtriert,
mal mit Chlor auch ausstaffiert,
oder O2 oxidiert. Weiterlesen

Wolfs Wiederkehr

Heulwolf, BrehmWolfs Wiederkehr

Aus dem Radio kam die frohe Kunde:
Ein Schaf wurde als Beute gejagt.
Wiedereinwilderung der ersten Stunde?
Haben es einige Wölfe gewagt,
über die Landesgrenze zu dringen?
DNS- Spuren am Beutetier testieren,
dass bald ein heulendes Singen
durch Wölfe kann melodieren.
Endlich mal gute Nachrichten,
dass wir auf ein fabelhaftes Tier
nicht länger bei uns verzichten:
Isegrim ist heim – wieder hier.
Nun wird in Wald und Flur
Wieder natürlich gejagt.
Jetzt fehlt eigentlich nur
Meister Petz – wie gesagt:
Alle wilden Räuber sollten
Doch unsere Jäger ersetzen. Weiterlesen

Hausblumen

KaktusHausblumen

Seit Kindheitstagen kenn ich sie
Standen vor Fensterscheiben.
Konnt einige doch irgendwie
von ihnen gar nicht leiden.
Grüne Lilien wucherten allerorten
Sogar im Klassenzimmer.
Sie gab es lebend in zwei Sorten –
Ich kenn sie heut noch immer.
Die eine war gleichmäßig grün,
wie Gras – nur groß gewachsen.
Die andre weiß gestreift erschien
Farbwechsel in den Achsen.
Vermehren konnten sie sich gut,
trieben Ableger so reichlich,
Wer diese in die Erde tut,
hat Nachkommen dann leidlich.
Eine zweite Pflanze unvergessen
War ewig Schmuck von gestern.
Die Eltern haben sie besessen.
Heut darf ich drüber lästern. Weiterlesen

Schweinische Träume

SchweinSchweinische Träume

Im zweiten Schlaf hat ich den Traum,
dass mir im Bach – man glaubt es kaum –
ein rosarotes Ferkelkind
im Wellentempo sehr geschwind
ganz munter in die Arme schwamm –
triefnass ich in Empfang es nahm.
Es äugelte mich freundlich an.
Ein helles Grunzen ich vernahm.
Da war es schon um mich geschehn –
Wie sollte das nur weitergehn?
Sollt ich jetzt Schweinchenmutter werden?
Das Ferkelwohl nur nicht gefährden,
das war Devise für die Zeit,
Zur Flüchtlingshilfe war ich bereit.
Ich dachte erst: Was trinkt es nur?
H-Milch verdünnt oder doch pur? Weiterlesen

…und es ist Fleisch geworden

Truthahn… und es ist Fleisch geworden

Wie ich so vor dem Teller sitze,
Ein Stückchen Fleisch in guter Hitze
Gegart, dass es recht mürbe ist –
Den Spender man dabei vergisst.
Vielleicht war es ein Truthahntier,
Von dem ich gerade esse hier.
Wie ist dies Fleisch entstanden nur –
Ist es so zart ganz von Natur?
Der Vogel eben aus dem Ei
Der piept noch leise, ist dabei,
die Mutter zu sich hin zu locken,
um im Gefieder warm zu hocken.
Dies wird ihm leider ganz verboten.
Die Wärmelampen, infraroten
übernehmen ganz den Gluckenjob.
Die frühe Kindheit wird zum Flop.
Das Futter klebt zum Granulat,
das jede Struktur verloren hat.
Was sich darinnen wohl befindet,
die Rezeptur die Mastart bindet.
In Nahrung steckt auch Medizin
Antibiotik mittendrin.
So etwas frisst das kleine Tier –
Drei Monate später sind es wir. Weiterlesen

Stickstoff

MaisackerStickstoff

Wir müssen Felder gut bestellen.
Dort wachsen unsere Nahrungsquellen.
Kartoffeln, Roggen und der Weizen
Sollen uns mit Energie beheizen.
Auf Weiden grasen Küh und Rinder.
Das ist auf jeden Fall gesünder,
als Schweinemast in großen Ställen,
wo Tiere sich sehr eng gesellen.
Auch Puten, Hähnchen, Suppenhuhn
Haben mit Fleischkonsum zu tun.
Da ganze nennt man Landwirtschaft,
die Qual(n)itäten täglich schafft.
Wer vom Getreide möglichst viel
Zur Reifezeit dann ernten will,
der braucht dazu erst ein Rezept,
welch Dünger seine Flächen peppt.
Der Mais freut sich stets über Gülle
Und dieses gar in satter Fülle.
Getreidesaat, wenn sie gelegt,
findet sich gleich im Düngerbeet. Weiterlesen