Bodenzersetzungsorchester

Ringelwürmer 098Bodenzersetzungsorchester

Damit unsere Erde immer fruchtbar sei –
Ein Wonnemonat erblühet im Mai,
damit uns der Herbst mit Früchten beschenkt,
muss Boden zersetzen – uneingeschränkt.
Was das Erdreich in dunkler Stille vollbringt,
bleibt nahezu unfassbar, weshalb es uns zwingt,
diese unglaubliche Leistung erdlich zu begreifen,
damit späte Einsichten hoffentlich noch reifen,
wie wir mit diesem so perfektem System
zukünftig nachhaltig sorgsam umgehn.
Ein Bodenorchester spielt das Lied vom Leben.
Alle Zersetzer wollen ihren Beitrag geben.
Sie spielen die Ode ohne Pause synchron.
Die Melodie der Zersetzung die kennen sie schon:
von den Anfängen der Erde, von der Bodengeburt –
das Orchester auf allen Erdteilen tourt.
Wer macht die Musik im dunklen Milieu? –
Akteure, die ich erdhaftig kaum seh.
Da sind die Bakterien in unglaublicher Zahl.
Ihrer Gesichter sind oft mikroskopisch egal.
Doch im Wirken sind sie fein ausdifferenziert.
Ein jedes hat seine Rolle studiert.
Sie bringen Moleküle zu Nährstoffen zurück –
sind für den Boden wohl das größte Glück.
Auch andre Mikroben leisten Schwerstarbeit-
sind bis zur letzten Zersetzung bereit.
Da wären auch unzählige Pilze zu nennen,
die wir aus dem Wald glauben zu kennen.
Für die kleinsten der Pilze sind wir dennoch zu blind,
weil unsere Augen dafür nicht geeignet sind.
Was wir nur vom Bodenorchester erblicken,
sind einige Elefanten – die Superdicken,
die Vorarbeiten leisten zum großen Konzert.
Ihr Beitrag ist wichtig trotz geringerem Wert.
Da sind die mit acht Beinen, millimeterklein
als Milben wuseln sie häufig, gemein.
Springschwänze hüpfen mitunter hohe Töne.
Zeigen im Bodenleben kurios uns das Schöne.
Asseln singen im Chor vom toten Holz.
Wie sie es zershreddern, ist ihr ganzer Stolz.
Tausendfüßer sind für den schnelleren Takt-
Manch einer als Räuber den Nachbarn mal zwackt.
Von den Käfern die Larven, von den Fliegen die Brut,
entwickeln im Boden für später ihr Blut.
Kleine Schnecken, die raspeln mit scharfer Zunge
organische Reste und atmen mit Lunge.
Nur die, die in feuchten Auen zersetzen,
die Vorteile von Kiemen höher einschätzen.
Ein Riese des Bodens spielt eine besondere Rolle.
Das ist der Regenwurm tief in seiner Scholle.
Er ist ein Solist mit Meisterklassenexamen.
Er gibt der Humussonate oft seinen Namen.
Was er auf dem Weg der Zersetzung auch macht,
ist bodengeschichtlich eine Ton-Humus-Pracht.
Ganz am Ende – nicht unbedingt der Dirigent –
steht ein pelziges Tier, das man Maulwurf gern nennt.
Er frisst Würmer am liebsten – doch schadet er nicht.
Als Bodeninspektor scheut er grelles Licht.
Sehe ich von ihm Haufen in Reih aufgewühlt,
weiß ich, dass im Erdreich das Bodenorchester spielt.
Der kleinste Teil davon ist mir vielleicht grad bekannt.
Der wunderbare Rest bleibt anonym ungenannt.

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