Bärenmärchen

Fünf BärenBärenmärchen

Vor meinen Augen liegt ein Bild
vom Wesen her ein wenig wild.
Fünf Bären trotten durch den Schnee
suchen etwas, was ich nicht seh.
Das Bild ist jüngster Trödelfund.
Die Märkte sind ja ach so bunt,
dass man etwas nach Hause nimmt,
wo Preis und Leistung einfach stimmt.
Der Bilder habe ich genug.
Doch da ist dieser Selbstbetrug.
Da möchte man doch längst verzichten
und nicht die Schätze noch verdichten.
Die Bären haben mich reingelegt.
Das Bild naiv und sehr gepflegt –
die Szene spannend angelegt –
das hat zum Kauf mich angeregt.
Sehr sauber war der Pinselstrich
ob Baum, ob Strauch, ob Bär an sich. Weiterlesen

Schlüsselblumen

PrimulaSchlüsselblumen

Bald find ich feucht im Ufersaum
dich zierlich feine Schlüsselblume.
Nackt ragen Erle, Eschenbaum.
Nur zögernd wärmt sich Bodenkrume.

Im Märzen pocht am Frühlingstor
die Primula elatior.
Zitronengelb – orange im Schlund
zeigt Blütenkrone sich leicht bunt.
Die Blätter strahlig eingestellt
Rosette grüßt die junge Welt.
Tief aus den Mitten treibt ein Stiel.
Aufblühen heißt sein höchstes Ziel.
Primeln schmücken sehr dezent
dem Auenwald sein Jugendhemd.
Sind sie die ersten, die hier blühn –
die sich mit süßem Duft bemühn,
dass Bienen finden erstes Brot
nach langer, dunkler Winternot? Weiterlesen

Hast du Töne?

AbendröteHast du Töne?

Die ach so stumme Winterszeit
nimmt lenzend bald ein Ende.
Die Vögel putzen Frühlingskleid
schmücken sich für die Wende.
Wenn abends sinkt der Sonnenball
mit Purpurfeuerröte
da stimmt die Amsel wieder mal
die wonnigliche Flöte.
Im Dämmerlicht wellt Melodie.
Die Sehnsucht möchte singen.
Töne schmelzen zur Symphonie,
die viele Strophen bringen.
Der Buchfink schmettert kurz und hart
Die Meise rufend flötet.
Braunellen tirilieren zart,
wie sich die Stimmung rötet.
Ein jeder spielt sein Lied voll Lust.
So klingt im Ton die Sprache. Weiterlesen

Ein Haufen Holz

HolzhaufenEin Haufen Holz

Im Wald da liegt ein Haufen Holz.
Der Besitzer ist wohl mächtig stolz.
Als Nutzholz war es ohne Wert,
weil krummes Wachstum es entehrt.
Kein Mensch wollte es warm verbrennen.
Es lernte keine Spaltaxt kennen.
Mann schob es einfach hoch zum Haufen
und ließ das Schicksal beißend laufen.
Am toten Holz klebt grünstes Moos.
Die Rinde bröckelt sterbend bloß.
Wer hier sein Auge offen hält,
sich diesem Haufen näher stellt,
der wird letztendlich nur noch staunen
über den Boden beglückende Faunen.
Da ist der an sich morbide Ast
alles andere als eine Last
für diesen schönen Buchenwald.
Im toten Holz explodiert recht bald
ein wirres Leben – unbemerkt,
das alles fördert und bestärkt. Weiterlesen

Vernebelt

NebelgeburtVernebelt

Der Tag wollte nicht wach werden.
Eine Nebellast erdrückt die Erden.
Durch grauen feinsten Tröpfchenstaub
Wird blindes Licht zum Wetterraub.
Am Boden trieft so kalter Schweiß.
Die Welt erscheint heut schmutzig weiß.
Es schwebt viel Wasser durch die Luft –
gar niemand hier nach Morgen ruft.
Mein Sinn verfolgt die trübe Spur
gezwungen durch die Urnatur.
Vorsichtig treten erste Silhouetten
aus trügerischen Schleierbetten.
Ein februarnacktes Baumgerüst
als Scheme von dem Dunste grüßt. Weiterlesen

Ausgereift

P1080387Ausgereift

So sternenklar die letzte Nacht
hat sie den Frost zurückgebracht.
Der Wasserdunst vom Frühjahrshauch
hängt kristallin an Baum und Strauch.
Das welke Gras im Reifekleid
säumt Glitzerband fast wie Geschmeid.
Die Kapselschale fruchtentleert
scheint juwelenhaft beschwert.
Die ausgemergelten Jahresringe
des Weidepfahls mit Zickzackklinge
schärfen sich mit Eiseszahn
Wohl aufgestellt in runder Bahn.
Das flach versandte Morgenlicht
Sich hier und da im Reife bricht. Weiterlesen

Camellia – Kamelie

KamelieCamellia
Kamelie

In rosenmontagsbunten Zeiten –
dem Winter fehlt bald kalte Kraft –
sich ihre Knospen blutrot spreiten.
Das Blütenherz ist aufgeklafft.
Es scheint mir, als ob eine Rose
als Wintertraum im Februar lacht.
In aufreizender hübscher Pose
die Kamelie sich merkbar macht.
Was soll die pralle Lebenslust,
wenn Narren sich betäuben?
Hat dies Gewächs denn nicht gewusst,
es fehlt was zum Bestäuben.
Die Karnevalsblüte schön geschminkt
lässt Freude aus sich fließen.
Wie sie dann auf den Boden sinkt,
wird Samenfrucht nicht sprießen.
Das scheint Kamelie zu ahnen.
So blüht sie bis zum Osterfest.
Die lauen Märzenwinde bahnen
den Bienenflug zum Liebesnest. Weiterlesen