Hexenbesen

MistelHexenbesen

Noch gibt sich mancher Baumkopf offen.
Der Mai lässt bald auf Blätter hoffen.
Der lichte Blick jetzt in die Kronen
zeigt mir, wo Mistelnkugeln wohnen.
Erst glaubte ich an Elsternnester –
Doch deren Bau ist grob und fester.
Ich ging zum Baum dann näher hin
und schärfte dort den Augensinn.
Im grauen Astwerk knospenschwanger –
daneben lag vom Dorf der Anger –
da sah ich hoch im Apfelbaum
so dicht gebündelt auf den Raum
gelbgrüne Kugeln luftig sitzen,
in denen weiße Perlen blitzen.
Als Schmarotzer suchen Misteln Bäume.
Die Fantasie bewegt uns Träume.
Mysterien sind bald erwacht –
Der Aberglaube heimlich lacht.
Unter dem Mistelzweig geküsst –
das junge Paar sein Glück begrüßt.
Auch schenkt die Mistel Medizin –
macht bösen Blutdruck wieder clean.
Wenn Zellen krebsartig entgleisen,
greift man in Not zu Mistelreisern.
Für manches kleine Zipperlein
hilft dieses Kraut oft ganz allein.
Die Mistel ist ganz streng geschützt.
Das hat grad hier nicht sehr genützt.
Gerodet wurde der Baumwirt –
die Mistel all ihr Glück verliert.
Ich glaube aber, dass ihr Samen
Am neuen Baum kennt kein Erbarmen.
Die Wurzel bohrt sich durch die Rinde,
damit die Pflanze Halt bald finde.
Die junge Mistel saugt vom Saft,
steigert auf diese Weise Kraft.
Der Baum wird meist nur schwach geschwächt.
Nur wenigen ergeht es schlecht.
Schmarotzer sind oft richtig schlau.
Sie wissen nämlich ganz genau,
wie viel sie ungestraft bekommen.
Mehr wird vom Wirt auch nicht genommen.
Die Mistel ist ein kluges Wesen –
weit mehr als nur ein Hexenbesen.

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