Der Zahn der Zeit

SandsteineDer Zahn der Zeit

Ein Mauerwerk einst aufgesetzt
wirkt irgendwie heut zeitverletzt.
Ein Steinmetz schuf exakte Quader
geschliffen wurde manche Ader,
die vom Sediment früher gelegt –
seitdem hat sich wohl viel bewegt.
Der Zahn der Zeit hat am Gemäuer
gefräßig wie ein Ungeheuer
geknabbert hier und dort gefressen.
Den Schaden kann man richtig messen.
Wer hier am Steine hat genagt,
hat mancher Zeuge sich gefragt.
Der Zahn der Zeit das war der Wind.
Der lose Staub wurde sein Kind.
Der Zahn der Zeit war auch der Regen.
Er konnte Körner stets bewegen,
die aus der Oberfläche brachen.
Nur hörte man davon kein Krachen.
Zähne der Zeit waren Frostattacken.
Sie konnten Hartes immer knacken.
Vereinigt man all diese Täter,
bringt Unheil hier das täglich Wetter.
Die tiefe Spur der langen Zeit
zerbröselt einfach Ewigkeit.
Nicht jeder Stein ist gleich betroffen.
Beim einen ist die Wunde offen.
Der andre scheint noch jung und frisch,
als käm er grad vom Steinmetztisch.
Die Mauer lebt sich ein Gesicht.
Der Zahn der Zeit aus ihr raus spricht.
Vergängliches macht hier Geschichte.
Auch Härte geht einmal zunichte.
Der Wind, der Regen und das Eis
zermürben Granit, Basalt und Gneis.
Am Ende bleibt dann nur noch Sand.
Er rieselt leicht aus meiner Hand.
Die alte Mauer steht noch fest –
wenn man sie unbehandelt lässt,
wird weiter ihr Gestein erweichen.
Ich sehe das als Lebenszeichen.
Am Fuße steht ein Löwenzahn.
In ein paar Tagen fängt er an,
ein gelbes Blütenlicht zu zünden –
aus Mauerblümchensfrühlingsgründen.

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