Fundstück – von Rosa Cota

Rosa CotaFundstück
von Rosa Cota

Ein merkwürdiger Trödelfund
wirkte naiv und ziemlich bunt.
Er sah aus wie ein plumpes Boot
Der Boden innen feuerrot.
Im Boot da knieten zehn Gestalten –
die meisten ihre Hände falten.
Da waren alte Männer, Frauen,
die ernsthaft in die Weite schauen.
Ein junger Engel in der Mitten
und Kinder, die die Ohren hielten.
Dazu stand auch noch ein Altar –
ob dies wohl eine Kirche war?
Ein Kreuz lag vorne in dem Boot
darauf ein Christus leiblich tot.
War dies ein Höllenfegefeuer?
Das Ganze reichlich ungeheuer.
Das Kunstwerk war geformt aus Ton.
Am Boden lag hier Gottes Sohn.
Was sollten die Gestalten hoffen?
Für mich blieb alles ratlos offen.
Seitlich vom Werk las ich den Namen –
eingraviert fein in den Rahmen.
Die Besitzer meinten, das alte Teil
käme wohl aus Mexiko, ja weil
die Eltern hätten es mitgebracht
irgendwann als Touristenfracht.
Die Recherche bei Google blieb ergebnislos.
Doch mein Interesse war so groß,
dass ich ganz emsig weiter suchte
und schließlich auch Erfolg verbuchte.
Rosa Cota das war eine Frau,
die töpferte im Stil genau,
der mystisch Religiöses nimmt
und daraus Volkkunst echt bestimmt.
Was ich beim Trödeln kürzlich fand,
im Internet etwas doch stand.
Ohne das weltenweite Netz
da wäre ich noch ratlos jetzt.
Nun kenne ich die Künstlerin,
erfahre etwas von dem Sinn,
wie sie mit Ton gestaltet hat.
Die Aufklärung, die fand nun statt.
Die Kunst stammte aus Portugal
christlich geprägt wohl dazumal.
Rosas Vater war richtig bekannt
Keramik kam aus Meisterhand.
Er schuf den roten Hahn aus Ton.
Er ist seitdem Maskottchen schon.
Auch Rosas Tochter formt seit Jahren
Figuren mit seltsamen Gebaren.
Sie sind verrückt und herrlich bunt
Gestaltungfreude macht sich kund.
Auch Julia Cota ist längst alt
und ähnelt dabei in Gestalt
ihrer Mutter, die mich spät beschenkt,
wenn man den Weg der Kunst bedenkt.
Wie ausdrucksstark sind die Gesichter!
Stehen sie bald vor ihrem Richter?
Ein Engel hockt in ihrem Kreis.
Ihm sind die Füße höllenheiß.
Ich bin vom Fundstück sehr entzückt.
Die Realität ist zwar entrückt.
Die Szene wirkt so ausdrucksstark
als eine Idee vom Jüngsten Tag.
Der Zeitgeist existiert heut kaum.
Das ganze scheint fast wie im Traum.
Des Künstlers Wirken das bleibt frisch.
Es steht bei mir hier auf dem Tisch.

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