Fischgrätmuster

Solnhofen Fische 2Fischgrätmuster

Im Solnhofer Schiefer der Jurazeit
haben Sammler die Gelegenheit,
Erdgeschichte aufzuspalten.
Was sie dann in den Händen halten,
ist stundenlang nur nackter Stein.
Suchen befriedigt dann allein.
Manchmal hat Sammler etwas Glück.
Da hängt im Jura doch ein Stück
von einem Tier – lang, lang ist’s her –
Da schwamm es munter hier im Meer.
Ich suchte selbst vor vierzig Jahren
mit damals reichlich dunklen Haaren.
Seelilienreste, Ammonitenschalen
belohnten mir die Spaltungsqualen.
Am Ende einer Tagesexpedition
waren zehn Kilo der Finderlohn.
Zu Hause sank das Sammelfieber.
Ich verstaute meine Schätze lieber
im Keller hinten ins Regal –
Da lag schon eine größere Zahl.
Im Alter gilt es aufzuräumen.
Besitzerstolz jetzt einzuzäumen.
Da wird vieles gar weggeschmissen,
was früher mal das Herz zerissen.
Alte Erinnerungen werden wach –
zum Beispiel an den Sammeltag.

Plötzlich sah ich noch eine Platte,
die ich so nie betrachtet hatte.
Zwei Fische waren darin gepresst,
was Gräten, Knochen übrig lässt.
Im Maul saßen noch spitze Zähne
und um die Fische wie eine Mähne
da wuchsen kleinste Bäumchen zart.
Am Kopf wirkte das fast wie Bart.
Dendriten nennt man die Struktur.
Da wachsen Manganoxide nur.
Fischgrätenmuster fein dekoriert –
das hat mich heute inspiriert.
Eine Foto noch ganz auf die Schnelle
ergänzt den Nachruf dieser Quelle.
Dies schöne Stück blieb lang verschollen.
Wenn Schicksalsgötter aber wollen,
dass dieser Fund ins Licht nun rückt –
dann bin ich irgendwie beglückt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: