Das Korn ist reif

KornfeldDas Korn ist reif

Das Korn wird reif, der Erntetag
ist wohl zum Schneiden nah.
Ein Schatten auf dem Felde lag
deutet nur an, was hier geschah.
Kornblumen fehlen wie Kamillen
auch Ackerwinde klettert nicht.
Seit Herbizide lautlos killen,
ist roter Mohn nicht mehr in Sicht.
Was waren Kornfelder so fröhlich
im bunt durchtupften Sommerkleid.
Das Ernteholen machte selig.
Die Garben standen griffbereit.
Wenn Korn wurde dann eingefahren –
stapelt die Ladung schwindlig hoch –
ich half schon mit in jungen Jahren
und fürchtete mich etwas doch.
Für harte Arbeit gab’s gut Essen.
Auch klarer Korn war nicht sehr weit.
Ich werde die Zeiten nie vergessen.
Man schaffte viel in Einigkeit.

Mähdrescher beernten heut das Feld –
im Cockpit turnen nur zwei Hände.
Ist Bordcomputer eingestellt,
geht Gerstenernte rasch zu Ende.
Das Stroh wird gleich schnell auch gepresst
Zu schweren Ballen oder Rollen.
Nach gut zwei Stunden da verlässt
die Supertechnik diese Schollen.
Von Handarbeit bleibt keine Spur.
Maschinen müssen alles richten.
Dem Acker fehlt Kulturnatur
muss auf Lebendigkeit verzichten.
Kornblumenblau – das war einmal
Waren das damals gute Zeiten?
Körner gibt’s heut in Überzahl,
die endlos in das Silo gleiten.
Das Korn ist reif – mir fehlt die Empathie.
Gewichen ist die bäuerliche Kunst.
Das Feld schaut traurig wie noch nie.
Den Blütenfarben fehlt hier jede Gunst.

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