Rettichrosen

GemüseblumenRettichrosen

Man glaubt es erst, wenn man es sieht.
Gestaltungsfantasie scheint grenzenlos.
Was da so zart zu Markte blüht,
ist blumenschön doch rosenlos.
Ein alter Mann weit aus Fernost,
den sah ich hockend sitzen.
In seiner Hand Gemüsekost
tat er kunstvoll beschnitzen.
Mit exaktem Maß und sicherem Schnitt
wird rote Beete fein seziert.
Die neue Form teilt sich bald mit,
weil sich das Knollige verliert.

Aus klobigem Rübengesicht
ganz plötzlich eine Rose bricht.
Im tiefstem Rot vom besten Wein
soll Blütenblatt voll Farbe sein. Weiterlesen

Plaque

FlusspferdPlaque

Das Nilpferd das hat Zahnbelag.
Seit hundert Jahren Tag für Tag
muss es hier Wasser speien
und das auch noch im Freien.
Am Zahnhals wuchern Algen grün.
Sie werden kaum im Maule blühn.
Doch wachsen sie schier immerfort
Viel Jugendstil am Bau ist dort.
Zahnpflege schaut wohl anders aus.
So ungepflegt das ist ein Graus.
Ganz paradox erscheint solch Bild.
Wär dieses Tier gar echt und wild,
würd es gern Grünzeug kauen
und es auch gut verdauen. Weiterlesen

Rattenstation

RattenkindRattenstation

Die Ratten am Zentralbahnhof
sind ziemlich schlau und wenig doof.
Wenn da wer Tauben füttern will,
dann halten Nager nicht mehr still.
Das Rattenvolk sonst nachtgewöhnt
den frühen Morgen schon verschönt.
Kaum wird mit Brotkrumen geschmissen,
da wittern Ratten Frühstücksbissen.
Die Taube, die sich gerad noch freut,
weil lieber Mensch ihr Futter streut –
der Vogel bald schon blöd ausschaut,
derweil die Ratte alles klaut.
Die Mutter lernt die Tochter an.
Die Kleine ist als nächste dran.
Grad wollen Tauben hungrig picken,
da lässt das Rattenkind sich blicken.
Es sprintet schnell zur Futterstelle
nimmt größten Brocken aus der Quelle. Weiterlesen

Die schmucke Schildkröte

SchildkröteDie schmucke Schildkröte

Mitten im Park an einem algigen Teich
lag sie in der Sonne wie in der Wüste der Scheich.
Der Körper im Panzer aus einem Guss.
So knackt wohl keiner die harte Nuss.
Die gelbbauchige Schmuckschildkröte
entledigt sich so aller Nöte.
In Mailands Park da geht sie fremd.
Trug früher sie ihr Kinderhemd,
da trieb sie sich noch anders rum
zum Beispiel im Aquarium.
Als Kind war sie im Zoogeschäft,
wo Katz miaut und Welpe kläfft.
Dort kaufte sie bald irgendwer.
Das Krötchen klein noch gar nicht schwer.
Im Wohnzimmer im kleinen Becken
ließ es sich Trockenfutter schmecken.
Auch gab es sonntags Mückenlarven,
die den Geschmack der Kröte trafen. Weiterlesen

EXPOsition

EXPOEXPOsition

Alle 2-3-4 Jahre wieder
herrscht allergrößtes Ausstellungsfieber.
Die Welt zeigt sich in Pavillonen
und lockt herbei viele Millionen.
Die Expo 2015 ist in Milano zu Gast.
Wer nicht da war, hat einen Gipfel verpasst.
150 Staaten zeigen eine grandiose Schau
„Feeding the planet“ – wie geht das genau?
Auch ist für alle Staaten die Frage hochreif:
Wie sichern wir künftig die „Energy for Life“.
Die Architektur ist mal klassisch, meist hypermodern.
Manch Bauplan erscheint wie vom anderen Stern.
Dazu trifft man Menschen aus jeglichem Land.
Alle Haufarben geben sich freundlich die Hand.
Die Gewürze der Welt liegen betörend in der Luft
verschwängern sich zu internationalem Duft.
Endlose Schlangen vor vielen Eingangsstoren
lassen Besucher in der Sonne schmoren. Weiterlesen

Wer auf Kraut baut…

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Sauerampfer

Wer auf Kraut baut…

Wer einen Garten nutzen kann,
der erntet auch mal dann und wann.
Meist glückt die erste Frühlingssaat.
Der Gärtner freut sich am Spinat.
Für den Frühlingsquark sind von Interesse
die zarten Sprosse von der Kresse.
Wenn Fischsalat gelingen will,
braucht Kompositeur wohl etwas Dill.
Ein Tomatensalat schmeckt gar nicht übel,
fügt man hinzu gewiegt die Zwiebel.
Für Backkartoffeln ein Gewinn
sind Blätter frisch vom Rosmarin.
Dem Fleischklops, dem wird gut getan,
schenkt man ihm etwas Majoran.
Wie doch die Bohne glücklich schaut,
vermählt man sie mit Bohnenkraut.
Fast jedes Fleisch liegt gut im Bauch,
fügt man ihm zu vom Knobilauch. Weiterlesen

Dauerregen

RegenrohrDauerregen

Seit siebzehn Stunden weint der Himmel immerzu.
Alle Regentonnen füllten sich im Nu.
Jedes Wasserfass wird nun zu einer Quelle.
Es flutet daraus eine Dauerwelle.
Der Boden dürstete schon lange Zeit
Des Todes Freund ist lange Trockenheit.
Dieser ewig lange Dauerregen
ist für die Natur wie Gottes Segen.
Nach so viel Qual durch Höllenhitzetage
da ändert tiefer Druck die Wetterlage.
Die heiße Luft wird derbe abgekühlt
und Sommerstaub in alle Welt hinweggespült.
Es sieht so aus, als fielen Tropfen ohne Ende.
Das Wolkenmeer zerfließt zu einer Riesenspende
Der Tag will nicht sein Wassergrau verlieren.
Manch steter Tropfen geht wohl an die Nieren. Weiterlesen

Kiefernkotsackblattwespen

KiefernwespenkotKiefernkotsackblattwespen

Wie doch manchmal das Leben so spielt:
Unsere noch so junge Kiefernbrut erhielt
wohl im Frühjahr Kiefernkotsackblattwespenbesuch
und ich fragte mich: Ist das Segen oder Fluch?
Auf unserem Gründach wachsen schöne Pflanzen.
Einige außerordentlich aus der Reihe tanzen.
Hierzu gehören ungefähr 26,5 kleine Kiefern,
die mir den Beweis ungehörigen Wuchses liefern.
Ich wollte sie neulich einfach alle ausreißen,
um sie zerpflückt auf den Kompost zu schmeißen.
Doch heute sah ich sie ziemlich elend abgefressen.
Überall hat alter Kot an den Stängeln gesessen.
Die jungen Kiefern schauten so erbärmlich aus
wegen des kahl abgenagten Körperbaus.
Kiefernkotsackblattwespen waren meine Retter.
Sie fraßen genüsslich als Larven die Nadelblätter. Weiterlesen

Netzhäute

NetzeNetzhäute

Wenn Gärten heimischer doch wären,
gäb es dort weniger Koniferen.
Beim Nachbarn langweilen sie seit Jahren:
Nadelgehölze die Pflege ersparen.
Wie ein Haufen dauergrüner Biomasse
verschönern sie das Bild zur Straße.
Über manchen Vorgarten brech ich den Stab.
Er hat den Charme vom Reihengrab.
Gestern gab es fast zehn Stunden Regen.
Da wollt ich mich heut früh bewegen.
Die Morgensonne stand noch tief,
was flaches Licht durchs Grüne rief.
Vor Nachbars Garten blieb ich stehen.
Es gab was Tolles dort zu sehen.
Ein breiter, plumper Nadelstrauch
war wie ein eingehüllter Bauch. Weiterlesen

Hornissen

HornisseHornissen

Was wir so über Hornissen
eigentlich so wissen,
sind eher Schauermärchengeschichten.
Wenn einige Schlechterwisser berichten:
dass sieben Hornissenstiche ein Pferd killen,
um dabei ihre Bösartigkeit zu stillen.
Hornissen sind wahrlich stolze Tiere,
die ich im Verhalten gern studiere.
Sie sind aus der Wespengilde die größten.
Im XXL-Format aber da lösten
sie bisher Angst, Panik und Schrecken aus
Man jagt sie aus Heim, Stall und Scheune hinaus.
Hornissen sind im Verhalten eher scheu.
Das ist für viele hysterisch nervöse Menschen neu.
Hornissen machen um uns gern einen Bogen.
Das glättet im Umgang mit ihnen die Wogen.
Sie sind oft aktiv bis tief in die Mitte der Nacht –
fangen Beute und bringen die Eiweißfracht
in ihr papiernes Nest zu ihrer Brut
Hier wogt nur mütterliche sorgendes Blut.
Hornissen haben große Wohnungssorgen.
Für ihr Asyl müssen sie sogar Nistkästen borgen. Weiterlesen