Netzhäute

NetzeNetzhäute

Wenn Gärten heimischer doch wären,
gäb es dort weniger Koniferen.
Beim Nachbarn langweilen sie seit Jahren:
Nadelgehölze die Pflege ersparen.
Wie ein Haufen dauergrüner Biomasse
verschönern sie das Bild zur Straße.
Über manchen Vorgarten brech ich den Stab.
Er hat den Charme vom Reihengrab.
Gestern gab es fast zehn Stunden Regen.
Da wollt ich mich heut früh bewegen.
Die Morgensonne stand noch tief,
was flaches Licht durchs Grüne rief.
Vor Nachbars Garten blieb ich stehen.
Es gab was Tolles dort zu sehen.
Ein breiter, plumper Nadelstrauch
war wie ein eingehüllter Bauch.
Silbrige Netze als Häute gespannt –
ich schaute lange wie gebannt
auf diesen Verbund verwobener Netzhäute
wie ein Wunderwerk erschien es mir heute.
Was ein Spinnenkollektiv in kurzer Zeit
gemeinsam investiert in die Netzarbeit,
das war ein Kunstwerk feinster Fäden,
bringt Fliegen, Mücken Bewegungsschäden.
Wie Baldachine schirmen die Netze.
Wassertröpfchen glänzen wie Schätze.
Verwunschen, verzaubert wirkt nun der Ort,
wo gestern gewünscht der Pflanzenmord.
Das Zusammenspiel der Webkunst der Spinnen
mit dem Regen der Nacht kann Schönheit gewinnen.
Was einem Christo am Reichstag so gefällt,
ist für Spinnen die normalste Sache der Welt.
Geheimnisse werden oft reichlich umhüllt –
doch hier ist die Hülle,
die alle Wünsche erfüllt.Netzwerk

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