Herbstbuntes

rote ÄpfelHerbstbuntes

Wer malt seit Tagen knallrot Äpfel bunt?
Sie leuchten weit wie Weihnachtsschmuck.
Früchte so schwer und fast kugelrund,
dass bei jedem festen Daumendruck
mir frischer Saft spritzt feucht entgegen.
Nicht jede Sorte reift mit anderen zugleich.
vielwochenlanger Erntesegen
macht Gaumen froh, aromareich.
Birnen erröten dagegen seltener nur.
Sie lieben braune, gelbe Reifetracht.
Bei einigen bleibt immergrün die Fruchtkultur
Da knick ich ab mir zuckersüße Pracht.
Der Wilde Wein versinkt in purpurrote Töne
Der Ahornbaum verzaubert Blätter polychrom. Weiterlesen

Pilzragout

ZiegenbartPilzragout

Im September sprießen sie, wenn
Regenfeuchte auf Spätwärme trifft.
Nun kommt die Pilzezeit, denn
Fruchtkörper locken mit Aroma und Gift –
Pilze überall gegenwärtig
und doch die unbekannten Wesen,
mit glattem Hut oder bärtig
oder im Kreise als Hexenbesen.
Gestern auf der Wanderung
durch den Siebengebirgswald –
es war weder warm noch kalt,
waren sie aus dem Boden geschossen:
die ganz kleinen und die megagroßen.
Nur ein paar kannte ich wieder.
Bei einem bückte ich mich nieder.
Sah dort ein zartes Pilzindividuum,
das machte mich freudig und stumm.
Fast wie ein Korallengeflecht
ragten sie dort – ich staunte nicht schlecht.
Die richtige Buchseite hat gesagt:
Der schöne Pilz war ein kammförmiger Ziegenbart. Weiterlesen

Aasfliegenblume

StapeliaAasfliegenblumen

Monatelang fristen sie ein Schattendasein
inmitten vom prallsten Sonnenlicht.
Ihre Sprosse kakteenhaft weder groß noch klein.
stehen gern aneinander gerückt dicht an dicht.
Als Pflanze wirkt sie schmucklos in Aschenputteltracht.
Doch im Blühen entwickelt sie eine zauberhafte Pracht.

Stapelia heißt sie – auch Aasblume genannt
ist wegen ihrer aufregenden Blüten bekannt.
Doch wer ihr tief ins hübsche Antlitz blickt,
abrupt am üblen Geruche erstickt.
Pfui Teufel, das stinkt nach Kadavergeruch.
Das trübt Schönheit und Grazie allemal genug.

Was soll bei hübscher Blüte nur solch ein Gestank?
Der macht auf die Dauer die Nase fast krank.
Die Blume ist listig, man könnte sagen gar schlau.
Das Aroma lockt Fliegen an ziemlich genau.
So landen hier Aasfliegen vom Geruch ganz betört,
dass ihre Wahrnehmung wird reichlich gestört. Weiterlesen

Wurmstichig

madiger ApfelWurmstichig

Da ist ein Wurm drin!
Das Mädchen wirft den Apfel hin.
Da hat sich schon wer durchgefressen
und mitten in dem Obst gesessen.
Da ist ein Wurm drin –
welch ein Blödsinn!
Würmer sind kopflose Gestalten,
die sich im Boden gern aufhalten.
Mit lauter Ringeln dicht an dicht,
der Körper durch die Krume bricht.
Meist zeigt der Wurm sich blass bis rot.
Berühmt ist er wegen dem Kot.
Was da im Apfel nagt gerade,
das ist und bleibt ne kleine Made.
Wer sie betrachtet erkennt genau,
so zeigt sich kaum der Körperbau
von Würmern, die in Röhren hocken.
Nur Regen kann sie etwas locken.
Was Äpfel hässlich braun durchbohrt,
was kotet darin immerfort,
sind Apfelwickler derer Maden.
Sie können Ernte reichlich schaden. Weiterlesen

Ein Trauer(schnäpper)spiel

TrauerschnäpperFast ein Trauer(schnäpper)fall

Der Mensch liebt sein Haus mit viel Licht.
Das führt gern auch zu Mauerverzicht.
Deckenhohe Fenster, Türen aus Glas
machen beim Bauen mehr Freude und Spaß.
Man schaut panoramaweit ins Grüne
sitzt privilegiert auf einer Tribüne –
erblickt vielleicht direkt Natur.
Es braucht dazu – einen Wintergarten nur.

Heute morgen im grau nassen Septembertag
hörte ich an der Scheibe einen dumpfen Schlag.
Dies war leider nicht das allererste Mal.
Die gläserne Front brachte schon des öfteren Qual.
Am Boden lag wiederholt ein kleines Federtier.
Die Unfallstelle war die Glaswand hier.
Ich nahm das Opfer besorgt in die Hand.
Es war bewusstlos, ganz ohne Verstand.
Ein Trauerschnäpper erst ganz benommen
ist langsam zurück ins Leben gekommen.
Er schaute mich mit seinen schwarzen Augen an.
Gab mir zu verstehen, dass er nichts kann. Weiterlesen

Milbenrätsel

BodenmilbeMilbenrätsel

Heute stöber ich mal wieder im Filmarchiv.
Die Lebensgeister, die ich damals aus dem Boden rief,
kehren augenblicklich wie frisch zurück –
Ich hatte so viel Sammlerglück.
Bodenproben aus Wald, Wiese und Feld
habe ich unter die Berlese-Apparatur gestellt.
Wärme wie Trockenheit zwingen die Tiere zur Flucht.
Jeder sein Glück in der Auswanderung sucht.
Sie plumpsten allesamt in die Auffangbehälter.
Da war es schön feucht und auch etwas kälter.
Anschließend wurden die Akteure im Film dokumentiert,
damit man ihre Spuren bloß nicht verliert.
Was ich seit vielen Jahren vergrößert sehe,
was ich an neuen Arten mir erspähe,
hat mich oft vor große Rätsel gesetzt:
mein Unwissen hat immer wieder verletzt.
Vor allem die klitzekleinen Milbengesellen
wollten mich immer stets auf die Probe stellen.
Hatte ich irgendeine Ahnung, wer sie wohl sind?
War ich – wie sie selbst – mit beiden Augen nur blind? Weiterlesen

Krebse auf dem Holzweg

KellerasselnKrebse auf dem Holzweg

Was machen Krebse nur im Wald?
Sie lieben Wasser warm und kalt.
Ich finde sie an allen Küsten,
wo sie mit Scheren arg sich brüsten.
Auch Tümpel, Weiher das sind Stellen,
da schweben Krebse durch die Wellen.
Ob Hüpferling, ob Wasserfloh
sie schwimmen dort und sind sehr froh.
Doch auch im Wald am Fuß von Buchen
kann ich sehr viele Krebse suchen.
Dem Meer kehrten sie einst den Rücken
wollten an Land die Welt beglücken.
Sie wohnen gern in feuchter Erde
im Falllaub, Totholz hockt die Herde
von Kellerasseln dicht an dicht.
Sie scheuen nur das grelle Licht.
Morsches ist ihre Lieblingsspeise.
Im Asselmagen beginnt die Reise
vom Pflanzenrest zum Humus hin. Weiterlesen