Der müde Weiher

SpinnwebenDer müde Weiher

Was war das doch ein buntes Treiben:
Der Weiher lud täglich zum Tanztee ein.
Die Gäste wollten endlos hier wohl bleiben.
Doch heute bleibt der Wassersaal allein.
Herrlich geschmückt der sommerliche Uferrain
mit Felberich, Blutweiderich und Wasserdost.
Der Blütenduft lotst viele Flügeltiere ein –
versprach Besuchern reichlich süße Kost.
Seit Tagen bleiben Sommergäste aus.
Die Seerose verschließt ihr letztes Blütenweiß.
Spitzschlammschnecken kriechen tiefer in ihr Haus.
Im spröden Röhricht raschelt es ganz leis –
wenn gelbe Blätter aneinander reiben
und Binsen zittrig Kreise schreiben.
Libellen lassen sich seit Tagen nicht mehr blicken.
Jungfrösche sind fernab auf Wanderschaft.
Die alten Blumen samenschwer jetzt nicken
Den Blättern schwindet merklich Saft und Kraft.
Im Schachtelhalmwald haben viele Spinnen
Seidengespinst zu feinen Netzen aufgespannt.
Sie sind`s die nun im Herbst gewinnen.
Der Morgentau erzeugt ein Tröpfchenglitzerband.
Im Weiher zieht das Leben in den Keller.
Der weiche Schlamm bietet manch Schlummerbett.
In Baumeswipfeln wird es etwas heller –
macht spätes Morgengrauen wenig wett.
Bis dass die wollüstigen Kröten wieder laichen,
vergeht der Herbst mit Winter im Gepäck.
Jetzt setzt nur Abschied seine tristen Zeichen.
Ich freu mich schon auf Mandelzimtgebäck.

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