Milbenrätsel

BodenmilbeMilbenrätsel

Heute stöber ich mal wieder im Filmarchiv.
Die Lebensgeister, die ich damals aus dem Boden rief,
kehren augenblicklich wie frisch zurück –
Ich hatte so viel Sammlerglück.
Bodenproben aus Wald, Wiese und Feld
habe ich unter die Berlese-Apparatur gestellt.
Wärme wie Trockenheit zwingen die Tiere zur Flucht.
Jeder sein Glück in der Auswanderung sucht.
Sie plumpsten allesamt in die Auffangbehälter.
Da war es schön feucht und auch etwas kälter.
Anschließend wurden die Akteure im Film dokumentiert,
damit man ihre Spuren bloß nicht verliert.
Was ich seit vielen Jahren vergrößert sehe,
was ich an neuen Arten mir erspähe,
hat mich oft vor große Rätsel gesetzt:
mein Unwissen hat immer wieder verletzt.
Vor allem die klitzekleinen Milbengesellen
wollten mich immer stets auf die Probe stellen.
Hatte ich irgendeine Ahnung, wer sie wohl sind?
War ich – wie sie selbst – mit beiden Augen nur blind?
Ich entdeckte mit jeder Probe für mich neue Arten,
die auf eine Bestimmung vielleicht ewig warten.
Auch wenn ich die Milben namentlich nicht kenne,
sie einfach nach Äußerlichkeiten grob benenne,
freue ich mich über die enorme Artenvielfalt –
die lässt mein Forscherherz niemals kalt.
In einer Handvoll Waldbodenerde da leben
mitunter zwei Dutzend Milbenarten und das neben
einem Gewusel vieler sonstiger Bodeninsassen,
oft sogar in richtig großen Individuenmassen.
Vielleicht habe ich schon weit über 100 Milbenarten entdeckt –
weiß so langsam, was alles im natürlichen Boden steckt.
Milben gehören für mich zu den Wesen der Welt,
denen das Leben zwischen faulenden Blättern gefällt.
Ihr Outfit im düsteren Erdenort ist sehr verschieden
und sie leben dort selten im Krieg – eher in Frieden.
Manche ähneln im Äußeren ziemlich den Spinnen
mit acht langen Beinen – dabei äußerst dünnen.
Andere müssen mit kurzen Stummelfüßen laufen.
Manche ähneln einem kleinen Erdenhaufen,
der sich aber plötzlich krabbelnd bewegt,
weil die Milbe eine Dreckhaube als Calyptra gern trägt.
Dann gibt es Milben, die sind glänzend und glatt –
neben solchen, die haben Haare und Borsten satt.
Die eine ist durchsichtig und äußerst fein –
Die andere will eher ein rüstiger Raubritter sein.
Die Körperfarbe zeigt meistens ein mittleres Braun.
Andere sind knallrot auch anzuschauen.
Zeigt sich die eine farblos, transparent,
die andere im pechschwarzen Panzer rumrennt.
Auch die gesamte Milbenkörperform
wechselt von Art zu Art ganz enorm.
Mal rund, mal oval, mal langgestreckt
mal abgeflacht dann hoch aufgereckt.
Ich könnte sie immer noch weiter preisen –
Leider bewegen wir uns selten in ihren Kreisen.
Die Milben bleiben wohl lange noch rätselhaft,
weil ihr Wirken im Boden kaum Interesse schafft.
Ich rätsele auch weiterhin, welche Milbe das ist –
doch ihr schönes Aussehen wohl niemand schnell vergisst.
Ach hätte ich doch noch ein paar nette Silben,
die Freundschaft wüchse weiter zu den Milben.

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