Pilzragout

ZiegenbartPilzragout

Im September sprießen sie, wenn
Regenfeuchte auf Spätwärme trifft.
Nun kommt die Pilzezeit, denn
Fruchtkörper locken mit Aroma und Gift –
Pilze überall gegenwärtig
und doch die unbekannten Wesen,
mit glattem Hut oder bärtig
oder im Kreise als Hexenbesen.
Gestern auf der Wanderung
durch den Siebengebirgswald –
es war weder warm noch kalt,
waren sie aus dem Boden geschossen:
die ganz kleinen und die megagroßen.
Nur ein paar kannte ich wieder.
Bei einem bückte ich mich nieder.
Sah dort ein zartes Pilzindividuum,
das machte mich freudig und stumm.
Fast wie ein Korallengeflecht
ragten sie dort – ich staunte nicht schlecht.
Die richtige Buchseite hat gesagt:
Der schöne Pilz war ein kammförmiger Ziegenbart.
Im Löwenburger Hof gab es Mittagessen.
Ich hatte meine Pilze nicht vergessen.
Semmelklöße mit Waldpilzragout
ein dunkles Hefeweizen dazu –
der Tag nahm einen erfreulichen Verlauf.
Ein paar Regentropfen nahm man billigend in Kauf.

Doch noch einmal zu unseren Pilzen zurück.
Manche bringen sprichwörtlich wohl Glück.
Wenn ein anderer den Magenraum trifft,
entlässt er sein tötendes Gift.
Sehen wir grünen Schimmel im Brot,
ist manche Küche in höchster Not.
Blauschimmel würzt Weichkäse gut.
Schwarzer Schimmel an Wänden erzeugt Mieterwut.
Mit Hefepilzen geht der Kuchenteig auf.
Ohne Hefen gäbe es keinen Bierverkauf.
Was wären Weintrauben ohne Hefen wert?
Wie wunderbar doch die Maische so gärt!
Als letztes sind auch noch Pilze zu nennen,
die möchte man eigentlich gar nicht kennen.
Ein Pilz, der dem Baume die Fäulnis bringt,
bis dass er geschwächt zu Boden sinkt,
das müssen wir irgendwie akzeptieren,
obwohl wir dabei manchmal viel verlieren.
Hautpilz und Fußpilz sind ziemlich verpönt.
Manch anderer ist noch Übleres gewöhnt.
Den schlimmsten Pilz, den die Menschheit erblickt,
hat die Atombombe zur Erde geschickt.
Ein Strahlenpilz über Hiroshima entzündet
in eine Tragödie hunderttausendfach mündet.

Damit dieser Text nicht so tottraurig endet,
sich die Betrachtung noch einmal wendet.
Unzählige Pilze im Boden die Streuschicht zersetzen.
Wir können ihre Dienste nicht hoch genug schätzen.
Eine Welt ohne diese Pilze kann nicht existieren.
Sie helfen den Pflanzen genau wie den Tieren.
Auch der Mensch, der die Schöpfung tagtäglich verdrängt,
in so vielen Bereichen an den Pilzen fest hängt.
Pilze zu kennen, nicht nur für das Ragoutgericht,
ist für unser Zusammenleben Aufgabe und Pflicht.

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