Bücherfegefeuer

alte BücherBücherfegefeuer

Als Kind lernte ich, Bücher zu ehren und zu schützen.
Vor jedem Lesen erst die Kernseife zu nutzen.
War durch Leichtsinn ein Eselsohr entstanden,
die Elternhände schneller zur Backe fanden.
Schulbücher ob gebraucht oder buchladenneu
wurden zum Schutz vor Schmutz und Flecken
mit papiernen Umschlägen versehen
zugeklebt innen an allen Ecken.
Ganz besonders viel – man sagte bei uns – Bohei
wurde betrieben mit Büchern aus der Leihbücherei.
In diesen Objekten mit Stiften herumzumalen –
dafür mussten die Eltern richtig Strafe zahlen.
Auch beim Buch – vom Freund ausgeliehen –
wurde eine Verunzierung nur selten verziehen.
Zwar waren Bücher nicht alle heilige Schriften –
sie konnten aber einigen Ärger zu Hause stiften.

Zum Abitur war es zu meiner Zeit noch Tradition,
Bücher zu verbrennen mit viel Spott und Hohn.
Man hatte sich durch die Schule gequält.
Nun wurde ein Freudenfeuer
für ausgediente Bücher gewählt.
Fürs Studium konnten sich Studenten – davon die meisten –
teure Lehrbücher einfach nicht leisten.
Der superreiche Kommilitone hatte Freunde satt,
wenn er seine einsamen Bücher verliehen hat.

Mitten im Leben konnte ich mir endlich etwas leisten,
weil Einkünfte wuchsen, regelmäßig das Konto speisten.
Schöne Buchantiquitäten wurden mein eigen,
bis dass die Böden im Schrank sich neigen.
Jetzt , wo ich Bücher zwingend nicht mehr brauche –
seit Jahrzehnten keine Pfeife dabei mehr rauche –
werden mir die tollsten Bücher billigst nachgeschmissen –
Bücher, die ihren früheren Wert nicht mehr wissen.
Was einmal schier unerschwinglich war,
liegt nun im Flohmarktstaub einfach so da.
Gelegentlich werde ich heute zum Buchkauftäter.
Der Verlockung erliege ich früher oder später.
Doch was mache ich am Ende mit meiner Bibliothek?
Sie zu vererben, gilt als unzumutbare Hypothek.
Was da tagtäglich auf Flohmärkten
an Büchern kleinstpreisig verramscht wird,
und was dennoch dabei nicht zum Verkauf führt,
das wandert am Ende in die Papiersammeltonnen-
vielleicht wird Zellulose zurückgewonnen.
Oder nicht nachgefragte Lektüre wird schlussendlich verbrannt,
weil kein Mensch das Buch irgendwie noch nützlich fand.
Ein Taschenbuch, ein Weltroman oder Fachliteratur
die wechseln Besitzer durch Verschenken oft nur.
Für Nobelpreisträger mit der besten Art zu schreiben,
dafür brauchst du nur ein paar Cent aus der Tasche zu treiben.

Die Zeit des Buchdruckens scheint endgültig vorbei.
Heute hat bald jeder allerorten sein Tablet dabei.
Für neue Bücher braucht es keine Seite Papier.
Neuerscheinungen herunterladen das können wir:
Ein paar Klicks und ich habe alle Weltbestseller
So fix wie nie – aber bald geht es noch schneller.
Unendliche Tonnen früh beschrieben später bedruckt
das ist nur noch Abfall – was niemanden mehr juckt.
Bücher waren früher von deren Besitzern ihr ganzer Stolz.
Wände wurden verzimmert aus prächtigem Holz.
Illustrationen altfarben handcoloriert-
das Buch von dem Freunde hochachtungsvoll signiert-
der Buchschnitt vergoldet, der Einband aus Leder
eine Widmung des Autors mit spitzer Feder:
das war in alten Zeiten geschätzt und viel wert –
da wusste noch keiner, was dem Buch einst widerfährt.
Ich stöbere immer noch gern in uralten Bänden
halte sie sorgsam verliebt in den Händen.
Sie sind sehr gebrechlich vor allem im Rücken –
doch ihr Inhalt kann fesseln, noch immer verzücken.

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