Auf Draht sein…

P1110929Auf Draht sein…

Auf Draht sein wollen hier Kristalle.
Der Nachfrost der erschuf sie alle.
Der Stacheldraht – sonst böse schaut –
zeigt glitzernd seine Winterhaut.
Was spitz verletzend scharf abwehrt,
ist von feinem Eise kalt begehrt.
Gläserne Plättchen dicht an dicht
fügen zusammen Raureifschicht.
Heut zeigt die Kälte Zauberkräfte
macht auf dem Draht kühle Geschäfte.
Wie fast in Zucker eingetaucht,
hat Frost sein Silber aufgehaucht.
Auf Draht sein, war einst Revolution:
der heiße Draht hieß Telefon. Weiterlesen

Ernteausfälle

P1130220Ernteausfälle

Da liegen sie die reifen Quitten,
die am Boden noch um Kundschaft bitten.
Kein Mensch, kein Tier zeigt Interessen.
Wohl niemand will ihr Fruchtfleisch essen.
Die Amsel, die sonst obstverliebt,
im Herbst auch öfter Kohldampf schiebt,
die schenkt der Quitte keinen Blick –
schon gar nicht erst den Schnabelpick.
Auch Mäuse nagen nicht an Quitten
als Mahlzeit ziemlich ungelitten.
Kennen die Früchte kein Erbarmen –
nicht mal als Speise für die Armen?
Kein Apfel der bleibt unverzehrt –
denn dieser ist und bleibt begehrt.
Auch Kirschen, Erdbeeren und Trauben
werden – wenn reif – selten verstauben. Weiterlesen

Himmlisches

P1130098Himmlisches

The sky is red –
ein feuerrotes Himmelbett.
Seit ewig färbt der Sonnenball
die Erde rot beim Niederfall.
Gefühleglut wird ausgelöst,
wenn Untergang die Sinne stößt.
Ist alles wieder grau in grau,
dann fühlen wir wieder genau
oft Schwermut oder gar Tristesse.
Grau liefert selten Farbenstress.
Der Himmel heut wölkchenbetupft
im Feuerlicht Sehnsüchte ruft.
Im warmen Ton vom Wolkenbauch
mischt sich viel Wasserdampf wie Rauch. Weiterlesen

Endlich!

ChristroseEndlich!

Willkommen erster kalter Frost –
eher weiter Wintersommer sprosst,
räumst du mit deiner Eiseshand
den bunten Unsinn aus dem Land.
Endlich vorbei die falschen Blüten,
die sich zur Unzeit hier bemühten.
Der Blumentisch wird demontiert,
seit Winterhauch mit Nachtfrost schnürt.
Geranien sind im Schock entzaubert.
Die Ringelblume schlapp nun trauert.
Das Rosenherz zerbricht im Eise.
Das letzte Gingkoblatt löst sich leise.
Ein Maisfeld, das ganz welk noch stand,
die späte Ernte endlich fand. Weiterlesen

Vergilbt

P1120658Vergilbt

Ihr Grün ist überall ihr Stolz.
Das Gemüt ist weich ohn jedes Holz.
Weil sie so hübsche Blätter spreiten,
im Leben lieben Schattenseiten,
sind sie im Garten sehr begehrt
in vielen Sorten gut vermehrt.
Ihre Heimat liegt östlich weit weg
Sie reiste einst im Handelsgepäck.
In unserer Flora kam sie an.
Die Erfolgsgeschichte dann begann.
Der Funkiensammler gibt es viele.
In der Züchtung liegen neue Ziele.
Ich finde keinen Garten mehr,
der heute noch ganz hostaleer.
Im Herbst da weicht das satte Grün.
Die Pflanze will sich nicht mehr mühen.
Sie stellt das Wachstum schließlich ein –
lässt Blätter gelb und gelber sein. Weiterlesen

novembergelb

Löwenzahnnovembergelb

gehe schon seit tagen an ihm vorbei
sehe sein anmutiges konterfei
er zeigt sich mir aufgeblüht im gelben chic
deshalb gehört ihm auch mein augenblick
was will er noch vor der winterfront
sein antlitz wird nur schwach besonnt
es fehlt ihm am geschlechtsverkehr.
eine bestäubende biene kommt wohl nicht mehr her
zur falschen zeit am rechten ort
ist löwenzahn hier – die anderen sind fort
sommerpflanzen blühen jetzt ziemlich doof
kein schmetterling macht ihnen den hof
blüten hinken in der saison zurück
unendlich erscheint der weg ins glück
der löwenzahn bleibt so keusch allein
sein blütengelb spiegelt sonnenschein
die wetterlaune lockt noch einige pflanzen
vergeblich spät aus der reihe zu tanzen Weiterlesen

Kanonenfutter

KanonenfutterKanonenfutter

Fast wie ein kleines Kunstwerk
liegt dieser Kugelberg
auf der saftig grünen Wiese.
Spielte hier ein Märchenriese
einst mit Murmeln aus Granit?
Wer spielte damals sonst noch mit?
Fünfhundert Jahre sind sie etwa alt.
Die meisten sind an den Mauern zerknallt.
Seit die Kanonen damals erfunden,
begann man Granit hierfür zu runden.
Da es den Steinkugeln an Durchschlagskraft fehlte,
man später gegossene Eisenkugeln wählte.
Diese Kugeln blieben bis heute ungebraucht.
Der Pulverdampf der Kanonen ist längst verraucht.
Keiner wird diese Munition mehr verschießen.
Gänseblümchen in ihrer Nähe jetzt sprießen.

Kanonenfutter einer ganz anderer Art
das waren viele Soldaten in der Tat.
Die ersten Angreifer einer Kriegesfront
blieben von Kugeln selten verschont.
Es waren die einfachen, kaum ausgebildeten Krieger,
die machte der Schusswechsel zuvorderst nieder.
Der Feind sollte sich an ihnen aufreiben.
Da konnten geschulte Experten hinten bleiben. Weiterlesen