Lauter Früchte

P1120905Lauter Früchte

Der hohe Strauch hängt rappelvoll.
Die Früchte scheinen reif und prall.
Doch niemand will sie ergreifen.
Das Sonnenlicht schien Tage toll,
dass Mispeläpfel goldig glänzen.
Laue Winde kosend streifen
und Himmelblau kennt keine Grenzen.
Blätter mussten Abschied feiern
verklumpen feucht im Untergrund.
Ein paar wollen noch Grün erneuern
aus frischem späten Knospenmund.
Die Früchte wirken so auf mich:
als bestellt aber nicht abgeholt.
Kein Hungervogel interessiert sich.
Die Frucht bleibt unbegehrt und ungewollt.
Die letzten Boskoop schauen verbissen,
sind fast schon gänzlich ausgehöhlt.
Ihnen wird das Fleisch herausgerissen.
An Schnabelhieben es nicht fehlt.
Die Mispelfrucht findet keinen Gefallen
Sie bleibt von Bissen unverletzt.
An kahlen Ästen Früchte ballen
und hängen dort wohl bis zuletzt.
Erst muss der Frost ganz in sie dringen,
dann weicht recht schnell der harte Kern.
Wenn Vögel lang schon nicht mehr singen,
da fressen sie die Mispeln gern.
Wenn es an Futter richtig mangelt,
spendiert die Mispel weiches Fleisch.
Manch Meise durch die Zweige hangelt
und Futternot führt zu Gekreisch.
Bis alle Mispeln sind gefressen,
da ist im Strauch mächtig was los.
Hier wird der Hunger mal vergessen.
Am Ende steht er nackt und bloß.
Natur sorgt auch für Winterzeiten.
Manch Gutes steht erst spät bereit.
Der Hunger preist dann Köstlichkeiten.
Denn mancher Wert der steigt im Leid.

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