Kanonenfutter

KanonenfutterKanonenfutter

Fast wie ein kleines Kunstwerk
liegt dieser Kugelberg
auf der saftig grünen Wiese.
Spielte hier ein Märchenriese
einst mit Murmeln aus Granit?
Wer spielte damals sonst noch mit?
Fünfhundert Jahre sind sie etwa alt.
Die meisten sind an den Mauern zerknallt.
Seit die Kanonen damals erfunden,
begann man Granit hierfür zu runden.
Da es den Steinkugeln an Durchschlagskraft fehlte,
man später gegossene Eisenkugeln wählte.
Diese Kugeln blieben bis heute ungebraucht.
Der Pulverdampf der Kanonen ist längst verraucht.
Keiner wird diese Munition mehr verschießen.
Gänseblümchen in ihrer Nähe jetzt sprießen.

Kanonenfutter einer ganz anderer Art
das waren viele Soldaten in der Tat.
Die ersten Angreifer einer Kriegesfront
blieben von Kugeln selten verschont.
Es waren die einfachen, kaum ausgebildeten Krieger,
die machte der Schusswechsel zuvorderst nieder.
Der Feind sollte sich an ihnen aufreiben.
Da konnten geschulte Experten hinten bleiben.
So wurden Menschenleben zu Kriegsmaterial
Ihr Tod kalkuliert selbst in höchster Zahl.
Das Kanonenfutter von zwei Weltkriegen
in unzähligen Massengräbern überall liegen.

Die steinernen Kugeln zeugen noch von besseren Zeiten
von Kriegen mit niedrigeren Grausamkeiten.
Kanonenbeschuss dauerte oft wochenlang,
bis der Angreifer in die Festung eindrang.
Der Nachschub an Kugeln der brauchte seine Zeit.
Solange schwiegen die Rohre – fast eine Ewigkeit.
Die Festungen, Kastelle sind heute Museen.
Dort informiert man, was früher geschehen.
Besonders die Kriegsgeschichte füllt manchen Raum.
Gelernt daraus hat die Menschheit kaum.
Kanonenfutter der heutigen Zeit –
der Weg dahin ist nicht allzu weit.
Viele flüchten aus der Schusslinienfront –
Kriegsstätten zerbombt und unbewohnt.
Auf der Suche nach einem Stückchen heiler Welt
sich dann der Egoismus der Friedfertigen entgegenstellt.
Zurückgewiesen aus dem gastunfreundlichen Land
werden die Unglückseligen wieder verbannt.
Der Teil, der vielleicht nützt, der scheint willkommen,
der wird aus dem Elend dann aufgenommen.
Der Rest, für den man dann Opfer bringen muss,
sitzt schnell wieder im Abschiebebus.
Wir wollen nur unseren Wohlstand retten –
da brennen schon mal die Aufnahmestätten.

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