Überflüssig

P1130411Überflüssig

Überflüssig erscheint der warme Januarregen.
Seit Tagen Wolkenfetzen über das Land her fegen
Regenrinnen die Fluten oft nicht mehr schlürfen.
Unzählige Tropfen nicht mehr in das Erdreich dürfen.
Der Ackerboden mag gar kein Wasser mehr trinken
Mit jedem Schritt beginne ich, tiefer im Schlamm zu versinken.
Im Boden herrscht überall große Überschwemmungsnot
Überflüssiges Wasser bringt manchem Bodentier den sicheren Tod.
Sind alle Porenkanäle restlos gefüllt und getränkt,
ist bald aller Sauerstoff, jede Luftblase verschenkt.
Wer aus kalten Bodenwassersein O2- Bedarf bezieht,
so vor dem Erstickungstode entflieht.

Auch Mohrrüben gibt es auf diesem Felde im Überfluss.
Die Erntemaschine war wohl nicht richtig in Schuss.
Der Regen hat die Rüben seit Wochen fein sauber gewaschen.
Doch keiner will dieses Gemüse essen – nicht einmal naschen.
So liegen diese leckeren bunten Erntegaben
Überflüssig herum – denn niemand möchte sie haben.

Überflüssig wird, wenn es weiter vom Himmel schüttet, der kleine Bach.
Im Sommer fließt er als Rinnsal – seine Wassertiefe handflach.
Die Menschheit hat dem Bach viel von seinem Körper weggenommen.
Er ist zu einem schnurgeraden Kanal seit langem verkommen.
Wenn nun all das überflüssige Wasser aus den Flächen ihm zufließt,
der Bach gewaltig aus seinem so verkürzten Verlaufe schießt.
Die Menschen sind dann über das Hochwasser zu tiefst empört.
Doch bis an die Ufer Häuser zu bauen – darüber hat sich kaum jemand beschwert.

Überflüssig wird erst recht der dringend geforderte Wohnungsbau.
Die weitere Versiegelung wird zum Bumerang zum Bodenflächenklau.
Regenwasser kann nicht genügend ins Erdreich versickern.
Das muss man der Baulobby immer wieder verklickern.
Wer in die uralte Natur des Wasserhaushaltes eingreifen will,
bringt den Überfluss an Wasser viel zu schnell ans Ziel.
Es werden immer wieder hoch aufgetürmte Schutzdämme brechen,
die vor dem Jahrhunderthochwasser Sicherheit versprechen.

Auch manche Bemerkung, manches gesprochene Wort
gilt als überflüssig – soll zurückgenommen werden – oft sofort.
Sicherlich wird entsetzlich viel Überflüssiges, Banales ausgetauscht.
Es wird untertrieben, übertrieben und maßlos aufgebauscht.
Mancher Satz sucht verzweifelt irgendeinen Sinn.
Mancher Dialog bringt keiner der Seiten sichtlichen Gewinn.
Das Richtige aussprechen im gerade rechten Moment,
wer diese Tugend der Sprache sein eigen nennt,
der weiß sich vom Überflüssigen in dieser Welt noch zu trennen.
Der wird auch den wilden Fluss ein wenig besser schon kennen.

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