Gulliauge

P1110985Gulliauge

Die funkelsterneklare Nacht
hat klirrenden Frost vorbei gebracht.
Was gestern Pampe, Schlamm noch war,
ist heut wie Stein unendlich starr.
Die Pfütze, die ich weit umquerte,
zeigt eisbespannt ganz neue Werte.
Der Weidenpfahl durch Zeit gegerbt
hat sich mit Reifkristall bewehrt.
Das frühe Januarmorgenlicht
durch Schornsteinqualm zartrosa bricht.
Die Welt erscheint überall verfremdet,
wenn sich das Wasserschicksal wendet.
Ich will gerade wieder ins Haus gehen,
da bleib ich mitten auf der Straße stehen.
Der Gullideckel
mit vielen Lüftungslöchern bestückt
hat mich auf einmal ein wenig verzückt.
Jede Öffnung zeigte einen weißkristallinen Kreis
wie tiefgefrorener Abwasserschweiß.
Solche Gulliaugen hatte ich niemals entdeckt:
blütenweiße Iris – überhaupt nicht verdreckt.
Der Blick in die Tiefe blieb mir verwehrt.
Das schwärzeste Schwarz hat ihn versperrt.
Im Untergrund sammelt sich – von uns gespendet –
was sauberes Wasser so leidvoll schändet.
Die trübe Fracht wird später geklärt
Ist Wasser dann wieder fast unversehrt?
Heut sah ich das Auge zur Unterwelt.
Es war vom Eisesring weiß umstellt.
Der Gulli bald schon wieder lebhaft stinkt,
wenn Barometerwert tiefer sinkt.

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