Im Märzen der Bauer…

ScharbockskrautIm Märzen der Bauer…

Heut wird die Landschaft zugeschissen.
Im Garten blühen die Narzissen.
Der Trecker schleppt den Gülletank.
Er schenkt uns schweinischen Gestank.
Wie schön blüht doch das Lungenkraut,
wär nur die Luft nicht so versaut.
Auch leuchten zart die Märzenbecher.
Wann wird der Ammoniakduft denn schwächer?
Die Gülle fliegt im hohen Bogen,
als Kraniche am Himmel zogen.
Im kurzen Takt rollt braune Flut.
Im Krokusmund lockt Pollenglut.
Die Wiese, die Grün neu entdeckt,
ist flächendeckend kotbefleckt.
Das Scharbockkraut lässt Sonnen strahlen.
Solch Blütengelb kann keiner malen.
Wenn dann der letzte Tank geleert,
der Bauer stolz nach Hause fährt. Weiterlesen

Ein Bach

Werther QuelleEin Bach

Ein Bach
wird aus der Tiefe wach.
Aus irdenem Schoß
Wasser abfloss –
die offene Stelle
eine Quelle.
Kalt und klar
seit 10 000 Jahr
rinnt ein magerer Strahl
stetig ins Tal.
Aus der Unterwelt
da hält
sich kaum ein Tier
im ersten Lichte hier.
Wer hier lebt
am Moos oder Steine klebt,
ist mit Wenigem zufrieden.
Kieselalgen werden abgerieben.
Ein morsches Blatt wird verdaut,
Totholz zerkaut.
Die Lebensraumstube
ist oft eine kühle Wassergrube
ausgewaschen aus dem Stein
aber ungemein rein. Weiterlesen

Zwölf Jahresringe

P1130806Zwölf Jahresringe

Heut hat der Reif
mit Eis schön eingedeckt
Neugierde wird kalt geweckt.
Der feine Frost
zeichnet perfekt,
hebt zart hervor,
was sonst versteckt.
Bei jedem Reif kristallisieren
die kleinsten Tröpfchen
sie verlieren
die Formarmseligkeiten
von Flüssigkeiten.
Durch das Erstarren
verharren
winterkühle
Moleküle
in gläsernen Gebilden –
manchmal mit wilden
Architekturen.
Frostspuren,
die meist nur –
so will es die Natur –
bald vergehen.
Wir sehen
schon ihr Ende bald.
Es bleibt ja nicht kalt.

Heut hat der Reif
zwölf Jahresringe ausgeschmückt. Weiterlesen

Möhren

P1110643Möhren

Von Möhren
ja da hören
wir, sie seien gesund.
Aus diesem Grund
macht das kleine Kind
z. B. mit Karotten und Rind
frühe Kunde
im Munde.
Das Carotin – wie man weiß –
löst sich am besten heiß
in goldiger Butter.
Meine Mutter
das erlernte sie:
mit Petersilie
können die Möhren
geschmacklich betören.
Für unterwegs –
viel besser als ein Keks –
werden Möhren geschält.
Das Knabbern das zählt
zu den Genüssen.
Doch das müssen
unsere Kinder erst lernen. Weiterlesen

Fastenzeit

P1120376Fastenzeit

Die Zeitung voll mit Foodgenüssen
Schokoladenhasen Ostern grüßen.
Die Einkaufkörbe berstend voll,
wo Fastenzeit doch seien soll.
Sehr lang muss ich nach hinten denken,
als Kind galt es, sich zu beschränken.
Süßigkeiten wanderten direkt
wurden ins Sammelglas gesteckt.
Solch Gefäß war Ostern gut bestückt
hat Kindermünder lang beglückt.
Auch heute will mancher verzichten.
Gute Vorsätze davon berichten.
Die Kirchen liefern kaum noch Grund.
Oft wölbt der Bauch einfach zu rund.
Der eine lässt Alkohol mal weg.
Der andre meidet fetten Speck.
Der dritte nährt sich ganz vegan,
fasst totes Fleisch vorerst nicht an.
Jegliches Naschwerk scheint verpönt,
obwohl manch Süßer dran gewöhnt. Weiterlesen

Es nieselt

WassertropfenEs nieselt

Heute haben sich die Regentropfen
in feinste Tupfer aufgeteilt.
Sie können kaum mehr nieder klopfen.
Viel Niesel in den Lüften weilt.
Es fühlt der Morgenwind sich an,
als ob ein feuchtes, kaltes Tuch
so schaurig streicht durchs Angesicht.
Auch wenn ich voller Sehnsucht hier
nach schönem Blau am Himmel such,
die Wolkenwand gönnt mir kaum Licht.
So frühlingsfrohe Krokusblüten
halten den Kelchmund arg verschlossen.
Die wassersatte Februarluft
klebt triefend nass am Violetten –
bis dann die Last dahin geflossen.
Heut herrscht nur Frühlingsmelancholie.
Von bunterfüllten Farbgesichtern
perlt dann und wann ein Sehwermutstropfen. Weiterlesen

Lebenslänglich

P1130707Lebenslänglich

Die Länge eines Lebens auf dieser Welt
ist mehr als nur ein Spiel von Zeiten.
Die kleine Art gerade nur die Stunden zählt.
Die andere kennt dafür fast Ewigkeiten.
Ein Bakterium, das sich des öfteren teilt,
lebt in seinen Nennern immer weiter fort.
Die Grannenfichte, die in Nordamerika verweilt,
5000 Jahre lang ist sie in Treue an ihrem Ort.
Lebenslänglich bekam wieder erst kürzlich
ein Mensch, der einem anderen Böses tat.
Doch seine Strafe, die ist nicht unendlich,
weil unser Rechtsystem auch Sühne innehat.
Manch einfach Tier kann fast nicht richtig sterben. Weiterlesen

Ephemere Eiskreationen

P1130673Ephemere Eiskreationen

Heute gab es kalte Kunst fast mit Ansage.
Regenwütig waren viele der letzten Tage,
dass überall Pfützen und Lachen
auf Wegentief mich feucht ansprachen.
Dann riss die Wolkenlast, bis Winterhimmel kam.
Die Luft war nicht mehr falsch – so milchig warm.
Ich wusste, heute Nacht beißt wieder einmal Frost.
In winterlosen Zeiten schon ein kleiner Trost.
Der Morgen zeigt sich pudrig voll mit feinstem Reif
Der neue Grashalm glitzert hell und ziemlich steif.
Der Matsch vom Feldweg gibt sich knochenhart.
Die Pfützen schmückt eine Eiseshaut so gläsern zart.
Schon öfter hab ich solche Kunst enorm bestaunt.
Auch heute Nacht war die Natur sehr gut gelaunt.
Ist solche Schöpfung eigentlich kreativ? Weiterlesen

Bodenfurchtbarkeiten

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

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Bodenfurchtbarkeiten

Wenn ich den Erdboden genauer betrachte,
bekomme ich es mit dem Fürchten zu tun.
Über lange Zeit im Leben ja da dachte
ich, das Erdreich würde noch gut in sich ruhn.
Luft wie Wasser schienen mir weit mehr bedroht.
Der Boden funktionierte in Wald und Feld – fast überall.
Doch die schleichende, zerstörende Bodennot
wird vielleicht zum bösesten Zukunftsknall.
Die schlimmste aller Furchtbarkeiten bleibt seine Versiegelung,
wenn Boden verschwindet für immer von der Oberfläche.
Ob stahlarmierte Betonierung oder Teerasphaltierung
jeder weiß, wovon ich so trostlos hier spreche.
Eine landesweite Furchtbarkeit offenbart ein Gewerbe,
das Boden bis an seine Grenzen belandwirtschaftet.
Aus dem mittelalterlichen, kulturell bäuerlichen Erbe
ist eine Großindustrie entstanden, die für Boden nicht haftet. Weiterlesen

Frühlingsgrüße

KrokusseFrühlingsgrüße

Schneeglöckchen läuten vornehm weiß
gedrängt fast als Orchester.
Die Krokusblüte lodernd heiß
brennt strahlend gelbe Nester.
Im gleichen Ton grüßt Winterling
lässt flattern Fransenblätter.
Vom Schneeglanz strahlt ein Blütenring.
verliebt ins Frühlingswetter.
Auch kühles Blau drängt jetzt ans Licht
gezeigt von Anemonen.
Im Hyazinthen-Traubengesicht
des Himmels Farben wohnen.
Im violetten Februarkleid
zeigt sich das Lungenkraut. Weiterlesen