Dem Erdboden gleich machen

P1130594Dem Erdboden gleich machen

Alles dem Erdboden gleich machen,
zeugt oft von purer Zerstörungswut.
Leider sind es nicht immer nur leblose Sachen.
Zwischen den Trümmern fließt manchmal auch Blut.
Hier wird nur ein altes Haus abgebrochen.
Es stand längst leer und war lange verwaist.
Das Steinwerk liegt da wie tote Knochen.
Der Bagger am Ende alles niederreißt.
Ein Haufen Schutt den Boden bedeckt.
Er bleibt dort kaum länger liegen.
Der Schaufelmund sich zum Kipper reckt.
Der wird bald tonnenschwer wiegen.
Dem Erdboden gleich – das ist bald geschafft.
Nichts bleibt von dem Bau noch bestehen.
Im Boden eine tiefe Lücke klafft.
Heut Frühlingswinde hier wehen.

Dem Erdboden gleich machen – ist eigentlich so gut.
Schaue ich tief in den wilden Wald hinein –
was sich dort alles in der dünnen Erdenhaut tut,
bewegt 4,6,8 ja tausendfach das Bein.
Dem Erdboden gleich machen –
das ist eine unendliche Humusgeschichte.
Immerwährende Fruchtbarkeit wie ein Perpetuum
Sie wächst im Wald mit Eiche, Buche, Ahorn und Fichte.
Es dem Erdboden gleich machen heißt:
Bodenentwicklung als lebendiges Kontinuum.

Bald ist auch der letzte Stein des Alten weg geräumt .
Die neu gewonnene Freiheit in ein paar Wochen ausgeträumt.
Aus dem Erdenleib wuchern wieder Beton und Stein.
Ein neues Gebäude wird bald wieder hier sein.
Um das neue Haus herum wird Boden getauscht und verfüllt,
bis auch der letzte Gestaltungswille ist gestillt.
Dem Erdboden es gleich machen, das bleibt eine Illusion.
Bald blühen im Garten Margerite und Mohn.

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