Losing my religion

P1130946Losing my religion

Als wehrloses Kind
legte man mir allzu früh
den lieben Gott
ins unreife Hirn.
Schablonenhaft
wurde um mich herum gebetet
insbesondere zur guten Nacht
dann gab es meist noch
ein Kreuzzeichen auf die Stirn.
In der Volkschule regierte Religion
als ein ernstes Unterrichtsfach.
Schlechte Noten in der Glaubenslehre
brachten unweigerlich Ungemach.
Als Höhepunkt der frühen Jugendzeit
galt der Empfang der heiligen Kommunion –
gleichzeitig ein pompöses Familienfest:
religiöser Gehorsam schenkte mir reichlichen Lohn.
Damit der Glaube noch mehr gefestigt,
spendete man mir
später noch ein Firmungssakrament.
Manch junger Mensch bekleidete da
bereits ein empfohlenes Kirchenamt.
Jeder demütige Messdiener kannte
bald die gesamte Liturgie.
Messlatein wurde auswendig gelernt -.
am Altar synchron gemurmelt irgendwie.
Am schlimmsten waren wohl Exerzitientage –
meist abgeschirmt hinter Klostermauern.
Das Sündhafte kam dort auf die Gotteswaage
ließ Höllenqualen und
pubertierende Ängste erschauern.
Die spätkindliche Seele
wurde früh bevormundet.

All diese Manipulationen liegen weit zurück.
Heute bilde ich mir ein religionsloses Glück.
Die konfessionelle Kirche in mir ist tot –
zerbrochen jedes Traumbild von irgendeinem Gott.
Eine Kirche, die keine Gleichberechtigung kennt –
eine Kirche die sich moralisch ewig verrennt,
eine Kirche regiert von einem Heiligen Vater,
der in einem museal monströsem Vatikan
mit einen Haufen Kardinälen
nur konservativ weiter machen kann –
wo eine Welt aus Dogmen Vergangenheit beschwört
und eine Zukunft in freiem Geiste die Kirche empört.
Losing my religion
– das war wie eine Wiedertaufe in offenen Wassern;
eine Taufe, die aus der Ge- und Befangenheit befreite.
Reste meiner vorherigen Angebundenheit,
Attribute aus der erzwungenen Christenzeit
finde ich überall noch in meinem Umkreis –
doch nun wie Züge auf dem falschen Gleis.
Meine Wertewelt ist nach der religiösen Scheidung geblieben.
Alles wird diesseitiger und realitätskonformer geschrieben.
Auch ohne imaginären Gott macht der Tod einen Sinn.
Heut weiß ich viel mehr, wer ich eigentlich bin.
Auf dem First des Daches singt am Morgen ein Star-
wieder ist ein Frühling meinem Leben ganz nah.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: