Umwölkt

P1130603Umwölkt

Kaum etwas ist veränderlicher
als eine Wolke auf der Flucht.
Ihre Körperform immer unsicher
die Endgestalt wird stets gesucht –
ohne dass sie je gefunden wird –
weil sie sich ständig selbst verliert.
Zwischen dem, was mancher Himmel nennt,
und unserem Boden, wo wir stehen,
ein Wolkenmeer die Sonne trennt,
die wir milchglasig dann nur sehen.

Die Geburt der Wolke liegt im Meer.
Da kommt unendlich Wasser her.
Verdunstet hebt es in den Äther
die Wolke wächst ein wenig später.
Aus Kleinem schwillt was Riesengroßes
und aus dem Inneren dieses Schoßes
entleert sich all die Wolkenflut.
Das tut der Erde mehr als gut.

Heut ist eine Wolke nah am Schwarz.
Hier endet meistens dann der Spaß.
Die Nachbarwolke strahlt noch weiß.
Die Juniluft drückt schwül und heiß.
Bald werden Wolken explodieren.
Eh sie ihr Wasser schwer verlieren,
da schießen Blitze durch die Luft –
ein jeder lauten Knall nur sucht.
Sind diese Wolken bald verbraucht,
ein zarter Nebel später raucht.
Die Erde atmet nass durchtränkt,
was neuen Wolken Hoffnung schenkt.
Keine Wolke sieht ihr Spiegelbild.
Ihr Temperament ist windbestimmt.
Im Licht der Sonne wie vom Mond
wird Wolkenschönheit erst belohnt.
Heut sehe ich leider Wolkenbrei-
ein Himmelsuppeneinerlei.
Alle Wolken sind in sich vereint.
Die Sonne heute kaum noch scheint.
Irgendwann bricht jede Wolke auf.
Das war schon immer im Verlauf.
Dann seh ich wieder Wolkenränder –
manchmal geformt wie fremde Länder.
Dann finde ich in ihr fast ein Gesicht –
das reisend schnell wieder zerbricht.

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