Eidechsenrendezvous

p1170214Eidechsenrendezvous

Fast schon wieder zwei Wochen her
mein Eidechsenbegegnungsverkehr.
Der Dezembermittag war sonnig und warm
fast gänzlich wolkenarm.
Hin und wieder huschte ein Cirruswölkchen vorbei.
Dann war der Himmel fürs Blaue nur frei.
Unten an der verlassenen Ramla-Bay
rauscht dieser unendliche See.
Die Küste hinauf will es bald überall blühen.
Leuchtende Farben sprühen
aus frischem Pflanzengrün.
Nur leichte Winde ziehn
vom rollenden Meer auf das versteinerte Land.
Ich nehme eine frische Blüte zur Hand
und denke: bald ist der zweite Advent
und die flach stehende Sonne brennt.

Ich verlasse herumstreifend den Strand.
Dort gab es tatsächlich viel Sand.
Nur ein paar Schritte den Weg hinauf
nimmt das Steinerne wieder seinen Lauf.
Die Insulaner bauen Mauern aus den Brocken.
Die bleiben warm – sind fast immer trocken.
Es gibt hier nirgendwo mauerlose Stellen.
Hinter vielen Hunde bellen.
An der Ramla-Bay sind viele Mauern verfallen.
Sie gehören jetzt wieder allen.
Die kleinen Gartenflächen scheinen lange verwaist.
Die einstigen Besitzer abgereist-
vielleicht in die Neue Welt.
Da gibt es mehr Geld.
An solch einer Mauer mache ich halt.
Im Mittagslicht erblicke ich bald
eine Eidechse längs auf dem Stein
wärmt sich im Sonnenschein.
Ich möchte sie gern näher sehen.
Doch wie sollte das nur geschehen?
Sie huschte sekundenschnell fort,
verschwand tief im Ritzenort.
Zwei Meter weiter das nächste Tier –
dunkelgrün und voller Neugier.
Ich näherte mich einen Schritt.
Das Reptil teilt mir flüchtend mit,
dass es vor mir fürchtend weicht.
Sein Versteck findet es sehr leicht.
So geht das viele Male auf die gleiche Weise
Nun werde ich vorsichtig und ganz leise.
Ich schiebe die Füße nur Zentimeter nach vorn
Heran zu kommen, ist mir Ansporn.
Ein prächtiges Tier hockt breit auf dem Stein.
Ich bin schon so nahe – seh das Züngelein.
Auch der Kopf bewegt sich hoch zu mir hin.
Die Eidechse schaut nun, wer ich wohl bin.
Sie beäugelt mich ganz ohne Scheu.
Dieses Gefühl für mich ist völlig neu.
Ich kann sogar noch ein Stück weiter gehen.
Noch mehr von ihrer entzückenden Schönheit sehen.
Auch das Fotogerät scheint wenig zu stören.
Wir beide den Auslöser klacken hören.
Das Tier hat Vertrauen sucht den Augenkontakt.
Wir sind beide freundlich – das ist und bleibt Fakt.
Nach Minuten der Nähe, der Vertrautheit auf Zeit
bin ich zum Aufbruch nur ungern bereit.
Ich mache einen Schritt zur Seite und gehe zurück.
Auch meine Eidechse beendet huschend das Glück.
Wir gehen unsere Wege – doch wir waren vereint.
Auf Gozo die Sonne immer noch scheint.

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