Junileuchten

Junileuchten

Der komische Käfermann kennt genau
den Zeitpunkt für die Schau
nach einer Frau –
jetzt, wo die Nächte lau.
Abends um zehn
muss noch viel Zeit vergehen.
Erst gegen Mitternacht,
wenn die Dunkelheit wacht,
zünden die Käfer ihr Licht –
das nach Sekunden wieder zerbricht.
In warmer Juninacht
wird ein Spektakel angefacht.
Immer mehr Fackeln kreisen
an Säumen, Rändern und Schneisen.
Sie knipsen nur kurz ihre Lampe an
beleuchten im Fluge ihre Bahn.
Was da die Juninacht erhellt,
ist allesamt nur Männerwelt.
Die Leuchtkäferdamen hocken am Grund
erwarten die Freier zu später Stund.
Solch ein Junileuchten gab es letzte Nacht.
Es hat mir große Freude gebracht.
Die Käfer sehe sonst eigentlich nie.
Ihr Leben ist versteckte Biologie.
In der Streuschicht des Bodens
suchen sie nach Schnecken,
die ihnen bis heute immer noch schmecken.
Noch ist für die Leuchter Lebensraum da.
Doch der Mensch kommt diesem gefährlich nah.
Der Leuchtkäfer braucht etwas Wildnis für sich.
Dann lässt er uns auch im Juni nicht im Stich.
Heute Nacht werde ich ihn wieder besuchen
am Waldesrand und älteren Buchen.
Dort kreisen die Männer in strahlenden Runden.
Es dauert jedoch nicht mal zwei Stunden.
Dann ist die Brautschau erst mal wieder vorbei.
Doch noch ein paar Tage da zünden sie neu.

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