In der Westruper Heide

In der Westruper Heide

Morgenröte deutet lieblich sich an.
Vorm Horizont erhellen flache Dünste.
Als meine Wanderung heut früh begann,
erlebte ich einsam verwunschene Künste.
Vor mir hauchte die Westruper Heide.
Ihr Nebelhemd deckte sie blößend zu.
An tausend Netzfäden allerfeinster Seide
baumelt der Morgentau in stillster Ruh.
Die Heide blüht noch an den meisten Stellen.
Wo Schatten fehlt, sind Blütenköpfe herbstlich braun.
An Wachholderbeeren Tropfen glitzernd quellen.
Die Sonnenstirn beendet lugend Morgengrauen.
Mein Weg steigt sanft zum schlanken Birkenbaum.
Tropfnass lädt eine Ruhebank zum Pausen ein.
Vor mir liegt lila blühend ein Landschaftstraum –
gerade geadelt durch den ersten Sonnenschein. Weiterlesen

Mineralienverzauberung

Mineralienverzauberung

Totes Gestein kann nur wenig erregen.
Lebendige Materie spricht Fühlendes an.
Wenn sich Elemente ordnend verlegen,
wachsen Minerale zu Ewigem heran.
Manches Ergebnis zeigt Langeweile in Grau.
Silbersand spiegelt gar Farben ins Leer.
Doch wenn ich ihn im Sonnenlichte beschau,
strahlt er brillantweiß – neben dem blauen Meer.
Jeglicher Farbton, der Blüten reich schmückt,
den find ich verfestigt herrlich im Stein.
Was der Natur in Mineralien so glückt,
will manchmal bunter als bunt nur sein. Weiterlesen

Im Frühtau

Im Frühtau

Im Frühtau funkeln tausend Tropfen.
Feinnebel haucht durchs Spinnennetz.
Wenn Winde an die Perlen klopfen,
da bangt die Schönheit hier und jetzt.
Die erste Sonne lässt brillieren
so wundervoll die Kugelzahl.
Das Kunstwerk wird schon bald verlieren
Jed Spinnennetz hängt wieder kahl.
Um diesen Moment hier zu gewinnen,
muss aus dem Bett ich zeitig fliehn.
Da schlafen noch wohl alle Spinnen,
die aufgewärmt die Fäden ziehn. Weiterlesen

Kornblumenblau

Kornblumenblau

Kornblumenblau,
wohin ich auch schau,
sind die Feldraine geschmückt,
wenn es mir glückt,
sie noch zu finden.
Denn Blühsäume schwinden
schnell wie das Gletschereis –
denn das Klima bleibt heiß.
Als kleiner Knirps waren die Felder noch bunt.
Schnell hielten meine Hände einen Bund
aus Kornblumen, Kamille und Mohn.
Er war als kindlicher Lohn
für die liebe Mutter gedacht.
Sie hat so dankbar gelacht.
Heute finde ich das Kornblumenblau
umglitzert vom Morgentau
leider nur noch sehr selten
in den Agrarwelten. Weiterlesen

Nach dem Sonnenuntergang

Nach dem Sonnenuntergang

Der Feuerrand der Sonnenscheibe
sucht sinkend eine neue Bleibe.
Am Horizont schwindet viel Glut
Äther verliert minütlich Blut.
Solch Untergang wirkt wie ein Ende –
als gäbe es nunmehr die Wende.
Der Tag verliert sein Sonnenlicht.
Zum Dunklen letztes Rot zerbricht.
Am Himmel treiben Wolkenketten
als ob sie keine Heimat hätten.
Gemächlich ist heut ihre Flucht.
Doch jede wohl das Weite sucht.
Zur Ruhe kommt hier diese Welt,
nur Mondenlicht bescheiden fällt
auf schlafend Feld und schwarzen Wald,
wo nur der Eulenruf mal hallt. Weiterlesen