Klein aber fein

Klein aber fein

Ein kleines Kästchen vier mal drei
Zentimeter darauf zeigt sich Malerei.
Ich nehme eine Lupe schnell zur Hand
für diese Kunst aus dem Russenland.
Unglaublich fein, was hier dargestellt:
Das Bild zwei ältere Menschen enthält.
Zwei Hähne picken vor deren Füßen
und schöne Blumen ringsum grüßen.
Vielleicht kennt ein Märchen diese Szene.
Der Baumstamm besitzt gar keine Lehne
für beide Männer, die hier gern sitzen –
ihre wachen Augen lebhaft sich anblitzen.
Der Maler, der braucht gute Augen
und Pinsel, die fürs Kleinste taugen.
Mit Eichhörnchenhaaren – hab ich gelesen –
schafft man solch winzige Fabelwesen.
Dass es heut solche Kästchen gibt,
rührt daher, dass das Orthodoxe unbeliebt
nach der Zarenzeit und der Revolution
da kamen Künstler nicht mehr zu Lohn,
die fromme Ikonen malten sehr detailliert.
Ihr Markt vollkommen sich danach verliert.
Die Maler suchten nach neuen Objekten,
bis dass sie Kästchen glücklich entdeckten ,
die sie nun bemalten in Miniatur.
So entstand ein Stück neuer Malkultur.
Staunend betrachte ich dieses Kunstwerk.
Gemalt hat es kein Zauberzwerg,
sondern eine Hand, die der meinen gleich.
Wer das hier getan hat, ja ich verneig
mich heute vor solcher Leistung tief.
Das Kunstwerk ist für mich wie ein Brief,
der heute erst mich nach langem erreicht
und der mir ganz andere Grenzen aufzeigt,
als die ich hatte von der großen Malerei.
Ich dachte an Rubens und da Vinci dabei.
Für mich war das riesig Pompöse relevant
Nun hatte ich wohl das Kleinste in meiner Hand.
Was reicht doch für eine Fläche für eine schönes Bild
für herrliche Szenen – verspielt oder wild.

Das Kästchen kommt weit hinter Moskau her.
Erworben hat es einst irgendwer.
Es landete später in einem kleinen Museum,
in dem lag von allem ein wenig herum.
Die Besitzerin verstarb – wie ich zu hören bekam
und am Ende landete ihr gesamter Kram
bei einem Wohnungsauflöser, der versuchte sein Glück.
verkaufte auf Flohmärkten dann Stück für Stück.
Ich erwarb zwei Döschen – eins war schon defekt –
alles war ein wenig alltagsverdreckt.
Für das intakte Kästchen war ein Euro der Preis.
Das andere eben – sei es, wie es sei –
kostete nichts, es wurde mir geschenkt,
weil man dafür keinen Wert mehr erdenkt.
So bin ich um zwei für mich kostbare Stücke
reicher und fühl mich beschenkt vom Glücke.

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