Almequelle, 29.Mai 1991

Almequelle, 29. Mai 1991

Das Wetter ist so schön.
Es soll zu dir heut gehen.
Ich starte zu der Quelle
und stehe auf der Stelle.
Der Himmel ist ganz blau.
Doch ich steh hier im Stau.
In sengender Hitze
statt kühlem Antlitze
heißt es nur warten.
Bei solchen Fahrten
schimpft man in sich hinein –
muss das denn sein?
A 44 Standstreifen rechts
mal gedulden zunächst.
Dich zu besuchen
unter schattigen Buchen,
das war mein Ziel
eigentlich nicht viel.
Minuten vergehen
einfach nur stehen.
Bald ist es halb zwei.
Ist schon alles vorbei? Weiterlesen

Kreuzausverkauf

Kreuzausverkauf

Kirchen werden nun entsegnet.
Das Gottesvolk sich eher begegnet
in immer kleiner werdenden Kreisen,
die zunehmend noch stark vergreisen.
Kirchen werden sogar abgerissen
Nur sehr wenige die vermissen
den lang geschätzten würdigen Bau
Bald stirbt auch noch die alte Frau,
die jeden Tag noch treu her kam –
sich Zeit zum Beten reichlich nahm.
Friedhöfe müssen gleichsam weichen.
Manch braucht ja heute für die Leichen
kaum mehr ein großes Reihengrab –
wird doch verbrannt der ganze Sarg.
Die Asche findet künftig Stellen
manchmal in kühlen Meereswellen. Weiterlesen

Die alte Tür

Die alte Tür

Das Backhaus steht fast seit zwanzig Jahr
im Herzen von unserem Garten.
Es hatte eine Eingangstüre zwar,
die jedoch mit Reizen sparte.
Aus Aluminium gebaut mit Pressglas bestückt
sie war damals auch nicht neu,
aus einer Anzeige gepflückt.
Das Backhaus entwickelte immer mehr Charme
mit Requisiten alter Zeiten.
Doch der Eingang der blieb arm –
wollte wenig Freude bereiten.
Dann kam die Idee mit der alten Tür.
Feilgeboten wurde sie übers Netz.
Aus der Eifel kam sie zu mir.
Für wenig Geld gehört sie mir jetzt. Weiterlesen

Renaturierung

Renaturierung

Ein Baumstamm, zersägt und portioniert
am Ende dann zum Zaunpfahl wird.
Damit das Viehzeug nicht ausbricht,
macht Stacheldraht die Weide dicht.
Am Anfang ist der Pfahl ganz nackt,
bis die Natur ins Schicksal packt.
In Wind und Wetter nach vielen Tagen
fängt die Zersetzung an zu nagen.
Verwittert zeigt das Holz bald Risse
Manch Vogel hinterlässt hier Schisse.
Krempen aus Eisen rosten im Regen.
Doch Moose und Flechten bringen Segen.
Sie wachsen über morschigen Grund.
Der Weidepfahl wird lebensbunt. Weiterlesen

Tote Blüten

Tote Blüten

Unterm Birnbaum regnet es beträchtlich.
Ein schwacher Windhauch wirkt so mächtig,
dass tote Blütenstiele brechen –
wie brauner Schnee sind all die Flächen,
wo tagelang hier Leichen fallen.
Doch dieses Schicksal droht nicht allen.
Vielleicht eine aus tausend ist befruchtet
Ihr Blütenbauch scheint rund gebuchtet.
Da wächst nun eine kleine Frucht.
Die Biene hat sie gut besucht.
Was hat der Birnbaum toll geblüht!
Die ganze Krone grell geglüht
vor lauter Weiß wie lang nicht mehr.
Sah ich je zuvor solch ein Blütenmeer?
Doch diese Pracht ist nicht von Dauer.
Ich fühlte fast ein wenig Trauer,
als runter fiel viel weißer Schnee.
Die Kronenblätter sagten ade. Weiterlesen

Fast nichts im Wege

Fast nichts im Wege

Raues Gestein in allen Größen
liegt auf dem Weg mir tief zu Füßen.
Jeder Schritt der knackt und kracht,
weil meine Sohle Druck hier macht.
Wie anders fühlt der Weg im Wald,
wo gar nichts – nur ein Ast mal knallt,
wenn ich auf ihn den Fuß schwer setze
und sein Skelett brüchig verletze.
Sonst kann aus Moos und Blätterschichten
ein weiches Bett sich hier einrichten.
Doch schnell zurück zum harten Pfad,
der immerzu nichts Zartes hat.
Daneben ist die Pflanzenwelt
Nur sehr bescheiden aufgestellt.
Flaches Gesträuch im Felsenmeer
duckt lückenhaft, ist dornenschwer. Weiterlesen

Vor dem Abflug

Vor dem Abflug

Ein Maientag der besten Sorte
ich stehe fröhlich an dem Orte,
wo grüne Frösche quaken laut
und ein Insekt steigt aus der Haut.
Als es der Hülle dann entsteigt,
hab ich mich zu ihm hin geneigt.
Ich strecke ihm bald meine Hand.
Die Frischgeschlüpfte darauf fand
für sich einen Platz
schön an der Sonne
Für beide war es eine Wonne.
War es ein Plattbauch oder Vierfleck?
Bestimmungsroutine war leider weg. Weiterlesen