Tote Blüten

Tote Blüten

Unterm Birnbaum regnet es beträchtlich.
Ein schwacher Windhauch wirkt so mächtig,
dass tote Blütenstiele brechen –
wie brauner Schnee sind all die Flächen,
wo tagelang hier Leichen fallen.
Doch dieses Schicksal droht nicht allen.
Vielleicht eine aus tausend ist befruchtet
Ihr Blütenbauch scheint rund gebuchtet.
Da wächst nun eine kleine Frucht.
Die Biene hat sie gut besucht.
Was hat der Birnbaum toll geblüht!
Die ganze Krone grell geglüht
vor lauter Weiß wie lang nicht mehr.
Sah ich je zuvor solch ein Blütenmeer?
Doch diese Pracht ist nicht von Dauer.
Ich fühlte fast ein wenig Trauer,
als runter fiel viel weißer Schnee.
Die Kronenblätter sagten ade.
Dann dauerte es fast noch zwei Wochen,
bis dass die Blütenstiele abgebrochen.
Wenn ich im Herbst eine Birne esse,
ich dabei dennoch nicht vergesse,
dass von der riesigen Blütenzahl
nur wenige gehören zu der Auswahl,
die Birnenfrüchte werden durften –
obwohl so viele Bienen kurvten
zur schönsten Frühlingsblütenzeit.
Da entschied sich heimlich Fruchtbarkeit.
Nun fege ich die toten Blüten fort.
Bringe sie zum Kompost einem Ort,
wo ihre Blütenleiber dann vergehen
und sich im Humus wiedersehen.
So werden sie nach ihrem Ende
noch fruchtbar in der Rottespende.

Ein Kommentar zu “Tote Blüten

  1. sehr schön umschrieben – und gut beobachtet 🙂
    lg zuzaly

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