Tintenfischtragödien

Tintenfischtragödien

Auf Mittelmeerinseln Fischmärkte locken:
Frutti di mare so weit das Auge reicht.
Manche Tierschicksale jedoch Seelen schocken,
noch bevor der Tod ihre Augen bleicht.
Nachtgefangener Fisch frisch gegrillt serviert –
davon träumt manch Reisender – er verliert
sich dabei ganz in seinen besonderen Genuss.
Die tausende Fischleichen machen kaum Verdruss.
Dass Fischer nachhaltig Fischerei betreiben,
das will niemand ihnen an ihrer Stelle verneiden.
Viele Besucher des Marktes erleben Artenvielfalten,
die sie zuvor wohl für unmöglich haben gehalten.
Mancher Fang erzeugt auch Ekelreaktionen,
die die Gefühlsetagen wenig schonen.
Als Meeresbiologe war mir vieles seit langem bekannt.
Doch was ich in Marsaxlokk vor Tagen fand,
das machte mich sehr zornig und empört.
Für mich war das hier einfach extrem unerhört.
Alle gefangenen Fische lebten nicht mehr.
In viel gecrushtem Eis warteten sie auf ihren Verzehr.
Bei den Weichtieren sah das Ganze schon anders aus.
Manche Schnecke oder Muschel schaute aus ihrer Schale heraus.
Die Tiere werden meist lebendig der Kundschaft geboten.
Hier möchte keiner erwerben erst die Toten.
Tintenfische sind auf Malta wohl ziemlich begehrt.
Sie sind hier auch einen guten Marktpreis wert.
Loligos, Sepien und kleine Kraken gab es reichlich zu erwerben.
Diese Tiere mussten vor dem Handel alle sterben.
Dann sah plötzlich drei große Octopusse in einem Becken.
Ihr Anblick ließ mich zu tiefst erschrecken.
In wenig Wasser krochen die Kraken übereinander her.
Bewegungen fielen ihnen in der Enge nur schwer.
Laut wurde ihr Preis den Käufern zugeschrien.
Doch die geforderte Summe, sie erschien
für die unglücklichen Tintenfische noch zu teuer
so ging diese Tierquälerei stündlich weiter – immer mit neuer
Leidverlängerung dieser doch so klugen Tiere.
Ihre Tentakelsaugnapfarme zwei mal viere
waren in sich verschlungen – fast zu einem Knoten verengt.
Kaum ein potentieller Käufer an irgendein Mitleid denkt.
Wer die Kraken schon einmal näher beobachtet hat,
der weiß wie intelligent diese Weichtiere sind in der Tat.
Die Krakenfänge gehen in den letzten Jahren merklich zurück.
Das ändert wohl wenig an diesem traurigen Geschick.
Wenn ich den nächsten Teller Frittura di mare bestelle,
denke ich bestimmt wieder an diese grausame Stelle,
wo die Tintenfische sich vor ihrem Ende sich in Becken quälten
vor so vielen Menschen, die kaum irgendein Mitgefühl wählten.

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