Geknickt

Geknickt

Was mein Auge im Schnee erblickt,
ragt einsam aus dem Teich – total geknickt.
Ich ahne kaum, was es mal war.
Doch spätes Schicksal kommt mir nah.
Stolze Blätter im prallsten Grün
gab es im Mai wohl hier zu sehen.
Doch lang vorbei sind Wonnezeiten –
der Rest so leer von Eitelkeiten.
Im späten Sommer ging es los,
war einstige Stärke nicht mehr groß.
Das Blatt hing schlaff mit gelber Spreite
Bald knickte es einfach zur Seite.
Bleich wartet es auf den Zerfall.
Zersetzer gibt´s noch überall.
Frost bremst den Abbau wie das Ende
mit Eis stärkt er marode Wände.
So schau ich auf das kalte Blatt,
das durch viel Schnee ein Bett nun hat.
Was wird nicht alles mal geknickt?
Wenn Klimawandel Stürme schickt,
dann knickt auf mal ein ganzer Wald,
weil sich die Kraft zusammenballt.
Geknickt wird manchmal auch ein Herz.
Da schickt das Schicksal lauter Schmerz.
Enttäuschung knickt so manchen Traum,
der fällt so hart wie schwerer Baum.
Auch Blüten werden zu früh geknickt,
wenn zu viel Wind die Zartheit drückt.
Bevor sie duftend bunt erstrahlen,
müssen sie geknickt ihr Los bezahlen.
Zwei Blätter stecken fest im Eis.
Um sie herum malt Schnee nur weiß.
Mich hat das Stillleben interessiert:
Wie sich fast nichts im Nichts verliert.

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Ein Kommentar zu “Geknickt

  1. Du bist nicht nur ein Poet, sondern auch ein Prophet, also ein Lehrer im besten Sinn.

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