Im Palmenherzen

Im Palmenherzen

Im Palmenherzen brodelt ein Vulkan.
Aus der Tiefe schießt die Lava hoch.
Da hab ich mich doch glatt vertan.
Am Ende sind es Blätter doch.
Was ich dort seh, macht mich perplex.
Verworren sieht das Chaos aus.
Aus diesem bräunlichen Komplex,
da wachsen glatte Blätter raus.
Zusammengerollt, vielfach gedreht
sind sie am Anfang wie verhext.
Wenn die Entwicklung weiter geht,
aus diesem Wust dann Klarheit wächst. Weiterlesen

Zaun-Eidechse

Zaun-Eidechse

Am tropischen Garten oben in Funchal
hockte eine Echse wohl öfter schon mal.
Mitten im Zaun am Brückengeländer
sonnte sie sich samt ledriger Gewänder.
Sie schaute mich an, verharrte in Ruhe
wartete wohl, was ich nun bald tue.
Doch ich blieb bewegungslos weiter stehen,
machte kein Anzeichen irgendwie zu gehen.
So blieb ziemlich lange der Augenkontakt,
bis in der Nähe ein Ästlein leise knackt. Weiterlesen

Ponta de Sao Lourenzo

Ponta de Sao Lourenzo

Im Landeanflug auf das ferne Inselziel
sah ich bereits vom Spannenden sehr viel.
Aus dem Guckloch des Fliegers
auf den Auslöser gedrückt
hat mich der Anblick mehr als verzückt.
Von Wellen umtost, zerklüftet im Kliff
hat das Meer dieses Inselstück
fast wütend im Griff.
Tage später liefen meine Füße gerade hier,
wo ich im Schwindel meinen Mut fast verlier.
Steifschroff die Wände aus Lavagestein
stürzen oft senkrecht vor meinem Gebein.
Nichts läuft hier gerade, immer nur auf und ab
unzählige Stufen halten den Kreislauf auf Trab.
Grandiose Buchten , in denen die Gischt zerstäubt
haben meine Sinne minutenlang betäubt.
Wie anders ist diese Erde doch hier nur gebaut –
wenn zu Hause mein Blick in die Landschaft schaut,
seh ich Wiesen, Äcker und schon mal auch Wald.
Das Auge, das kennt das, Erstaunen bleibt kalt.
Hier bin ich fast plötzlich in einer neuen Welt.
Jeder Lavakrümel, jedes Pflänzchen mir sichtlich gefällt.
Meine Blicke sind gierig den Schritten voraus.
Eigentlich will ich schon längst nicht mehr
wieder zurück nach Haus.
Ich fühl mich wie im Kino mit
Cinemascope, Dolby-Surround
Ponta de Sao Lourenzo
im wogenden Meeressound.

Ertrunkene Tälern

Ertrunkene Täler

Von oben herabschauen sollte man oft nicht –
doch manches erscheint dort in einem anderen Licht.
Ich war mal wieder einer von vielen Überfliegern
mit Wanderschuhen an den unteren Gliedern.
Die Insel Madeira war das fernbegehrte Ziel.
Doch die flache Februarmorgensonne fiel
kurz nach dem Abflug auf eine bizarre Wasserfläche,
über die ich aus luftiger Höhe an dieser Stelle spreche.
Ein eher kleiner Stausee wurde gerade überflogen.
Er war wie mit Silberglanz überzogen.
Frühe Wolkengeburten oder duftige Nebelschlieren
sich etwas im Spiegelbild schmutzig verlieren.

Drei ertrunkene Täler wurden zum Stausee gezwungen –
erstickt sind hier die atmenden Lungen
der springenden Bäche,
die eilig den Quellen entfliehen.
Im Stausee nur müde Wellen vom Winde her ziehen.
Naturoriginalität der Wasserläufe ist hier entstellt.
Trinkwasser oder Wasserkraft das bringt nun Geld.
Drei Täler bilden einen See – Touristen finden das schön.
Sie können sich an der Idylle
immer wieder kaum satt sehen.
Was einst hier zehntausend Jahre ohne Kummer lebte,
genau wie wir in eine glückliche Zukunft strebte,
das ertrank abrupt in einem See,
den ich von oben herab gerade seh.

Als ob vom Himmel Farben regnen

Als ob vom Himmel Farben regnen

Unser Nachbar ist sehr kreativ
Was hier zu sehen – etwas schief
ist ein in den Raum gestelltes Objekt,
das sich befreit zum Himmel reckt.
An sich verkörpert es nur Glas,
hat von der Tür etwa das Maß.
Dann nahm der Künstler Acrylat
ließ Farben fließen bunt und satt.
So stand die Wand auf grüner Au –
wenn dann der Himmel auch mal blau –
dann war der Garten kunstbestückt
etwas aus der Konvention entrückt.
Der letzte Winter war verregnet.
Dem Werk ist da kein Schnee begegnet.
Der Hintergrund blieb herbstlich grau. Weiterlesen

Eisvogel

Eisvogel

Einen Eisvogel wollte ich schon
immer einmal aus der Nähe sehen.
Heute sollte dies geschehen.
Sein stahlblaues Gefieder
zeigt sich leider aus keramischem Ton.
Das wusste ich aber vorher schon.
Doch mit einer Schneekrone geschmückt
war der Anblick irgendwie verrückt.
Am Schnabel hing ein eisiger Ball,
der stand kurz vor seinem Fall –
als sei der komische Vogel auch noch verkühlt.
Die Fantasie wieder mit mir spielt.
Lassen wir diesen Eisvogel einfach zurück. Weiterlesen