Ertrunkene Tälern

Ertrunkene Täler

Von oben herabschauen sollte man oft nicht –
doch manches erscheint dort in einem anderen Licht.
Ich war mal wieder einer von vielen Überfliegern
mit Wanderschuhen an den unteren Gliedern.
Die Insel Madeira war das fernbegehrte Ziel.
Doch die flache Februarmorgensonne fiel
kurz nach dem Abflug auf eine bizarre Wasserfläche,
über die ich aus luftiger Höhe an dieser Stelle spreche.
Ein eher kleiner Stausee wurde gerade überflogen.
Er war wie mit Silberglanz überzogen.
Frühe Wolkengeburten oder duftige Nebelschlieren
sich etwas im Spiegelbild schmutzig verlieren.

Drei ertrunkene Täler wurden zum Stausee gezwungen –
erstickt sind hier die atmenden Lungen
der springenden Bäche,
die eilig den Quellen entfliehen.
Im Stausee nur müde Wellen vom Winde her ziehen.
Naturoriginalität der Wasserläufe ist hier entstellt.
Trinkwasser oder Wasserkraft das bringt nun Geld.
Drei Täler bilden einen See – Touristen finden das schön.
Sie können sich an der Idylle
immer wieder kaum satt sehen.
Was einst hier zehntausend Jahre ohne Kummer lebte,
genau wie wir in eine glückliche Zukunft strebte,
das ertrank abrupt in einem See,
den ich von oben herab gerade seh.

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