Dankbarkeit wächst

Dankbarkeit wächst

Jetzt, wo das Leben nur so sprießt,
wo grünes Blatt die bunte Blüte grüßt,
frag ich mich selbst, wie lang mag`s gehen –
wie oft darf ich vorm Frühling noch stehen?
Vor Jahren waren diese Gedanken fremd.
Das Leben lief nahezu ungehemmt.
Auch damals fühlte ich schon Frühlingserwachen –
konnte mit Osterglocken fröhlich lachen.
Sah wilde wie fromme Bienen Blüten bedrängen
und den Morgentau am Krokus hängen.
Zur Innerlichkeit blieb nur wenig Zeit.
Nächste Schritte drängten zur Eiligkeit.
Nur selten blieb mal das Auge stehen,
um das Besondere sich hier anzusehen.
Im Alter wächst dann die Dankbarkeit. Weiterlesen

Vor dem Erblühen

Vor dem Erblühen

Manchmal dauert es schon Tage,
manchmal doch nur Stunden
dann haben Blüten ihr Gesicht gefunden.
Wenn grüne Knospenhüllen brechen,
öffnet sich Münder fast zum Sprechen.
Verborgenes kommt zögerlich ans Licht
Mein Auge in die Tiefe sticht.
Das Blütenkleid ist noch gefaltet.
Mein Blick sich in die Teile spaltet,
die diese Blume mir grad gewährt.
Der Rest bleibt züchtig noch versperrt.
Geheimnisvoll und doch schon offen
lässt die Kuhschelle vieles hoffen. Weiterlesen

Vom letzten Jahr

Vom letzten Jahr

Wie spannend zeigt sich Frühlingszeit.
Knospen sind täglich platzbereit.
Blüten beherrschen nun das Bild
von schlehenweiß bis tulpenwild.
Das Gras, das ewig stumpf erschien,
ist binnen Tage jugendgrün.
Nicht alles, was das Aug erspäht,
erscheint in frischer Qualität.
Der Frühjahrsputz quer durch den Garten
darf jetzt wohl länger nicht mehr warten.
Vom letzten Jahr blieb so viel liegen
Verstreute Blätterreste wiegen
windtrocken meist wenig nur an Gewicht.
Doch wenn die Märzwolke aufbricht,
dann wird die Laubschicht tonnenschwer
und klebt am Rechen fest wie Teer. Weiterlesen

Frühlingsblau

Frühlingsblau

Wenn ich jetzt in den Garten schau,
färbt früher Lenz manch Blüten blau.
Eine Irisgruppe liebt das Azur
Gelbe Zungen stören wenig nur.
Vom Leberblümchen ist das Blau milder,
doch zaubert es sehr schöne Bilder.
Buschwindröschen im hellhimmelblau
zeigen sich vornehm am Waldrand zur Schau.
Wo jetzt Traubenhyazinthen blühen,
kann man ein Meer an Blauheit finden.
Ein Blau, das oft Violett schon grüßt,
zeigen die Veilchen – ihr Duft versüßt
die Frühlingsluft. Weiterlesen

Ein Schiff wird kommen…

Ein Schiff wird kommen…

Ein Schiff wird kommen – ein anderes geht
Über beiden ein dunkles Wölkchen weht.
Gleich liegt das Monster ruhig am Kai
Doch mit der Ruhe ist es dann schnell vorbei.
Abertausend Touristen quellen von Bord,
überschwemmen gewaltig den Anlegerort.
Der Ansturm wird erwartet – alle Geschäfte sind offen
Souvenirläden können auf gute Umsätze hoffen.
Doofe Andenken von der Insel – in China gemacht
sind nun verkäuflich, bis die Kasse lacht. Weiterlesen

Verflechtungen

Verflechtungen

Wenn Algen auf Pilze,
Pilze auf Bakterien zugehen,
kann etwas Neues
aus ihnen entstehen.
Irgendwann wurden diese Liaisonen perfekt,
haben Flechten für sich
diese Welt entdeckt.
Die neuen Wesen wachsen nun
an fast allen Stellen.
All ihre Zellen
stammen aus zwei verschiedenen Quellen.
So sind Flechten
irgendwie halbe Pflanzen.
Als halbe Pilze besitzen sie Zwitterformat.
Manche Grün- oder Blaualge hat
sich über eine Pilzbekanntschaft
zur Flechte vereint. Weiterlesen

Entfaltung

Entfaltung

Frühlingszeit
ist nicht mehr weit.
Bald geht es ans Entfalten.
Dieses Farnkrautblatt
noch eingerollt
wird sich
von Tag zu Tag
allmählich erst gestalten.
Schneckenhausähnlich
spiralisiert
sind zunächst die Blattanlagen.
Was wachsend später daraus wird,
zeigen tiefere Etagen.
Hier sind die Spreiten ausgestreckt
zeigen zarte Fiederreihen.
Jedes Blatt sich hin zum Lichte reckt.
So kann der Farn gedeihen.

Entfalten möchten sich
auch Menschen gern.
In ihnen schlummern Talente.
Dem kleinen Kind sind Zeiten fern –
unnahbar scheint die Rente.
Was jeder kann,
wie er sich zeigt,
entwickelt sich beständig.
Wozu der Mensch im Innern neigt,
wird mehr und mehr lebendig.

Entfalten möchte die Industrie
dem Gesicht die Altersfalten.
Hyaluronsäure
die bietet sie
gern weiblichen Gestalten.
Die Haut wird straff,
Jugend ewig bleibt.
So kauft man sich die Schönheit.
Kosmetikwerbung
täglich schreibt,
wie sich die schnöde Eitelkeit
mit Salben lässt entfalten.
Früher gab es echte Alte noch,
für die Naturgesetze galten.
Die Entfalteten aber
zeigen mir doch:
Mancher Mensch
fühlt sich bestraft
im Alter durch die Falten.
Kosmetik ihn dabei entlarvt –
will uns den Spiegel halten.

Zur Ewigkeit erstarrt

Zur Ewigkeit erstarrt

Selten habe ich eine derart lebendige Felswand gesehen.
Ein Vulkan musste bersten – wie auf Madeira geschehen.
Millionen Jahre sind seither verstrichen.
Das Gestein ist nur wenig in seiner Farbigkeit verblichen.
Kein Grashalm, kein Mooskissen, kein Flechtenbart
kann ich aus der Ferne erkennen
– der Fels scheint zu hart.
Selbst der raue Wind und die tosende Gischt
haben keine Weichheit in die Steilwand gewischt.
Wie hat an dieser Stelle damals die Lava nur pulsiert –
drei Schlote aus der Tiefe das Relief nun verziert.
Was damals glühend, heißere wie flüssiger Stahl,
steht seitdem erstarrt als Naturdenkmal. Weiterlesen