Inszenierte Idylle

Inszenierte Idylle

Attraktionen –
sie stehen im Reiseführer fett gedruckt.
Ein Besuch soll sich immer lohnen.
Im Halbstundentakt
eine Busladung Pauschalreisender guckt.
Ein Hordenführer sagt,
seinen Spruch zum tausendsten Mal
scheinbar ohne sichtliche Qual.
Hier in Santana werden typische Häuser besucht.
Jeder, der den Ausflug gebucht,
weiß bereits aus dem Prospekt,
die Häuschen sind reetgedeckt.
Sehr adrett wirken sie hübsch angemalt.
Alles hat die EU mit Fördermitteln bezahlt.
Hier entwickelt sich ländlicher Raum
zu einem neomusealen Idylletraum.
Eine Handvoll Häuser im Stil nachgemacht
und schon: der Tourismus lacht.
Nichts ist hier wirklich antik.
In jeder „ Handwerksstube“ da krieg
ich Souvenirs und traditionelles Gebäck.
Gleich fährt der Bus wieder weg.
Eine Sitzgruppe aus billigem Plastik gebaut
am Eingang in der Sonne vergraut.
Den Blumentöpfen fehlt irdischer Ton
Kunststoff reicht für die Illusion.
So einfach lassen sich Urlauber beglücken.
Sie kehren mit vielen Erinnerungsstücken
von der fernen Insel nach Hause zurück.
Bei der nächsten Reise klappt der gleiche Trick.
So rollen die Busse auch morgen wieder
zumeist für schwächelnde Seniorenglieder.

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