Vieltriebig

Vieltriebig

Im späten Herbst nach der ersten Frostnacht
hat Eiseskälte sie umgebracht.
Von der Kermesbeere blieb nur der Stiel –
sein Blätterwerk ein Trauerspiel.
Der lange Schaft vertrocknete bald
und ohne große, körperliche Gewalt,
ließ sich die stolze Pflanze brechen.
Am Ende siegten ihre Schwächen.

Jetzt im April sehe ich den Stumpf,
wo abgebrochen einst der Rumpf.
Um den verblichenen Faserstiel
kommt reichlich Leben neu ins Spiel.
Ein Kranz von Trieben strebt ans Licht.
Sie sitzen dort ganz dicht an dicht.
Und täglich werden es mehr und mehr –
das Zählen fällt mir fast schon schwer.
Im letzten Jahr spross nur ein Trieb,
der später nicht alleine blieb.
Am hohen Stamm bildeten sich Äste
und später kam das Allerbeste.
An den Blütenähren der Kermesbeeren
sich die Früchte im Herbst fast endlos vermehren.
Das freut die Vögel – sie fressen sie gern
Den unverdauliche Samenkern
hat eine Amsel wohl ausgekackt.
Die Kermesbeere war danach Fakt.

Wenn ich nun die Vieltriebigkeit vor mir sehe
und meine Visionen in den Sommer vor drehe,
dann wird die Kermesbeere ein riesiger Strauch
Die Erde ist dafür der mütterliche Bauch.

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