Rotes Kraut im Dünensand

Rotes Kraut im Dünensand

Wer seine Augen neugierig gebraucht,
seine Blicke bis aufs kleinere Erdreich taucht,
der findet auch im späten Lebenssegment
noch viele neue Dinge,
die der Sinn noch nicht kennt.
Auf Texel sind viele Wanderwege aus hellem Dünensand.
Nährstoffe im Boden sind nahezu unbekannt.
Der Regen wäscht den Humus in tiefe Bodenschichten.
Da kann er für viele Pflanzen nur wenig verrichten.
Wo Sand sich ziemlich verhärtet, fest verdichtet,
ein rotes Kraut von seiner Existenz zart berichtet.
Es wächst ultraflach, Stiele wagen sich nicht in die Höhen.
Von Blüten kann ich bislang leider nichts hier sehen. Weiterlesen

Grün nachgedacht

Grün nachgedacht

Fünfundzwanzig Jahre ist es nun schon her –
die Familie war gewachsen – Raum musste her.
Das Haus stieg in die Höhe –
auch drum herum gab es Not.
Dort entstanden überdachte Flächen
als mehr Wohnungsangebot.
Die Dächer der Nebengebäude blieben beide flach.
Da wurde der Wunsch nach Begrünung bald wach.
Schweißbahn, sandbeschichtet wollten wir so nicht sehen.
Es sollte mit dieser Fläche etwas besseres geschehen.
Ein Wachstumssubstrat mit recyceltem Schutt
war für die kleinen Pflanzen ausreichend und gut. Weiterlesen

Goldregen

Goldregen

Goldregen- was für eine märchenhafte Illusion –
dem braven Mädchen wurde er zum reichen Lohn.
Jetzt blüht die Pflanze üppig, ihr Gelb so richtig satt.
Ein schöner Strauch, doch der es böse in sich hat.
So verschwenderisch sich all die Blüten präsentieren
ihre inneren Werte sich in starkem Gift verlieren.
Hummeln und Bienen haben Goldregen richtig lieb.
Sie werden allzu gern hier zum Pollen- und Nektardieb.
Hier brummt und summt es morgens früh bis in die Nacht
Jede der Blüten Fluginsekten genusssüchtig macht. Weiterlesen

Einfach nur Sand

Einfach nur Sand

Ein falscher Griff meiner Hand
der fand
den Auslöser
am Fotoapparat.
Der macht
ein ungewolltes Bild,
dem nun meine Betrachtung gilt.
Es ist natürlich der Strand,
wo das Missgeschick entstand.
Der Sand am Meer
ist eigentlich ereignisleer.
Er wird durchspült
von Wellenkräften durchgewühlt.
Er wird verweht.
Manch Sandkorn geht
mal wieder auf die Reise –
und das so ziemlich leise. Weiterlesen

Der Weg ins Leben

Ein Weg ins Leben

Über den Flächenverbrauch will z. Z. keiner sprechen.
In der grassierenden Wohnungsnot brechen
Ziele des Bodenfreiflächenschutzes wie ein
Kartenhaus in sich zusammen.
Denn viel zu wenige Schaufelbagger rammen
ihre Zähne in noch intakte Bodenökosysteme hinein.
Wohnungsbau muss in Wirtschaftswachstumszeiten einfach nur sein.

Es gibt Orte, da rudert die Natur ein wenig zurück –
so wie bei diesem ungepflegten Wegesstück.
Die Betonplatten sind vom hohen Alter gegerbt.
Das freudlose Grau durch Moose und Pflanzen gefärbt.
Der anfangs leblose Weg bekommt eine atmende Haut,
die für die meisten Menschen unordentlich ausschaut.
Wie viele Arten sind hier bereits wieder angekommen? Weiterlesen

Gänseblümchenmeer

Gänseblümchenmeer

Eigentlich ist es nur ein Fusballspielfeld
vielleicht aber das schönste auf der Welt.
Im Vorbeifahren auf dem Weg zum nächsten Ziel
kamen urplötzlich wahnsinnig viele
Gänseblümchen ins Spiel.
Ich sah, vom satten Maiengrün umrahmt,
was ich niemals zuvor wohl so geahnt,
ungewarnt eine große schneeweiße Fläche,
worauf hin ich die Weiterfahrt abrupt unterbreche.
Erst dachte ich, ist das feinsplittriger Schotterbelag?
Doch wenn so etwas auf einem Sportplatz lag,
wäre das Spiel ständig ein gefährlicher Ort.
Aber dieser Gedanke flog bald wieder fort,
als ich erkannte, was für das Weiße der Grund:
blühende Gänseblümchen öffneten
mir staunend meinen Mund. Weiterlesen