Ins Natürliche verwildert

Ins Natürliche verwildert

Vor Jahren stand im Garten hier
eine edle Rose von höchster Zucht.
In Blütentracht war sie voller Zier
von vielen Augen gern besucht.
Ihr Edelreis erkrankte dann.
Es trocknete bald Ast um Ast.
Ziemlich tot erschien sie irgendwann.
Vom Holze löste sich schon Bast.

Ich wollte sie eigentlich entfernen.
Da sah ich tief unten einen Trieb.
So sollte ich wohl wieder lernen,
dass die Natur hier anders schrieb.
Die neuen Blätter waren kleiner.
Ihr Grün war heller, wirkte zart.
Fast schien die Gestalt mir sogar feiner.
Doch Stacheln drohten spitz und hart.

Der neue Strauch wuchs fröhlich weiter.
Er wurde groß, schoss in die Höh.
Bald brauchte ich schon eine Leiter,
wenn pflegend ich nun vor ihm steh.
Als er im dritten Jahr dann blühte,
war ich überrascht vom neuen Bild.
Was damals tief im Rot erglühte,
war plötzlich klein und schien mir wild.
Die Blüten formten Doldenteller
Kronblätter waren cremig weiß.
Verblühen ging nun auch viel schneller
an Junitagen, die schwül heiß.
Wenn kleine Knospen morgens brechen,
setzt sich ein feiner Duftstrom frei.
Die wilde Rose will süß sprechen,
lockt Hummeln, Bienen rasch herbei.
Auch landen Käfer, schwebende Fliegen
am Nektargold und Pollenbrei.
Unzählige Insekten alle kriegen
hier beste Nahrung spät im Mai.
Mitte Juni bleibt der Tisch dann leer –
der Blütenschmuck zu Boden fällt.
Drei Monate so ungefähr
erröten dann auf dieser Welt
Hagebutten hier im Rosenstrauch.
Jetzt kommen Vögel dankbar her.
Es wandert Fruchtfleisch in den Bauch.
Zum Winter ist der Strauch dann leer.

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