Beerenauslese

Beerenauslese

Die Sonne meinte es gut mit den Trauben.
Sobald sie erröten, Amseln sie rauben.
Doch sind alle Beeren nun mal sehr rund.
Da fallen beim Angriff sehr viele zum Grund.
Dort platzen sie auf, der Saft quillt heraus.
Das lockt viele Fliegen zum süßklebrigem Schmaus.
Auch späte Wespen riechen den leckeren Brei-
kommen minütlich zum Schlachtfest herbei.
Als größter Verzehrer aus dem Insektenreich
landen Hornissen hier und fressen sogleich.
Besonders sind zerplatzte Früchte von Interesse.
Da schlürfen sie dann die zuckrige Nässe.
So spät im September ich mir sicher bin:
Jede Hornisse, die sich hier stärkt, ist eine Königin.
Sie sammelt Reserven für ihren Winterschlaf.
Auch für die vielen Eier hat sie Nährstoffbedarf.
Für ein nächstes Volk braucht sie ziemlich viel Kraft.
Da kommt ihr sehr gelegen der Weintraubensaft.
Das Tier lässt sich kaum stören – ich komm ihm sehr nah.
Im nächsten April ist es hoffentlich wieder da.
Die herbei fliegenden Insekten machen mich ein wenig glücklich;
Ein Wiedersehen das erscheint mir nicht unmöglich.
Denn die Hornissen sind für das nächste Jahr bereit.
Sie verkriechen sich in Löcher – ob es stürmt oder schneit.
In Zeiten, wo Arten endgültig, spurlos verschwinden,
wo wir sie noch suchen, aber nicht mehr finden,
da vermittelt die Hornisse mir etwas Zuversicht,
das ihr Leben in dieser Welt vorerst nicht zerbricht.

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