Die weiteren Leben

Die weiteren Leben

Warum der tote Baum hier liegt –
wohl niemand eine Antwort gibt.
War es der Sturm, der ihn zerbrach?
Oder kam der besondere Tag,
an dem durchforstet dieser Wald
mit Motorsäge fiel er bald.
Dieser Baum war höchstens mittelalt,
als solch ein Schicksal für ihn galt.
So tot, wie er als Baum nun war,
kam neues Leben – was dann geschah
hat vielen erst die Chance gegeben
im morschen Stamm für sich zu leben.
Das Leichenholz ist begrünt vom Moos.
Auch sonst ist sichtbar hier viel los.
Es sprießen Pilze in großer Zahl
Ihr Name ist mir ganz egal.
Würd ich den Stamm gut untersuchen,
fänd ich in solchen Totholzbuchen
eine große Schar von Kleingetier:
Asseln, Würmer, Käfer die kennen wir.
Milben, Tausendfüßer, kleine Schnecken
sitzen in Spalten und hintersten Ecken.
Manch plumpe Larve nicht verrät,
für welches Tier sie hier wohl steht.
Wie lebendig zeigt sich dieser Stamm.
Es kommt der Tag dann irgendwann,
da hört das weitere Leben auf.
Doch in diesem langen Zeitverlauf
hat dieser Baum so viel geschenkt,
an das der Mensch zu selten denkt.
Irgendwann verliert sich seine letzte Spur.
Der tote Stamm ist wieder Boden nur.
Die Buchen, die in die Höhe streben
immer ein wenig
von ihren Vorfahren leben.
Was am Boden liegt als totes Holz,
ist für den Wald sein ganzer Stolz.

Wenn ich am Ende am Boden liege,
ich kaum solch Leben in mir kriege.
In der menschlichen Kultur ist es verpönt,
das man mit sich die Natur verwöhnt.
Sie einlädt, sich an mir zu stärken
Manch Hungriger wird sich das merken.
Was dann am Ende übrig bleibt,
die Witterung dann ganz zerreibt.
Mein Nutzen ist am Ende gering.
Denn wenn mein Körper Feuer fing,
bleibt nur ein kleiner Aschehaufen –
dafür kann die Natur kaum kaufen.
Legt man mich tief in Mutter Erde,
damit ich dort zerlegt einst werde,
sind nur Bakterien meine Gäste,
die ich vorübergehend mäste.
Das Glück des Baumes finde ich nicht.
So voller Leben werde ich nicht.
Unsere Kultur fordert ihren Preis
Von Anfang an ich eigentlich weiß,
dass ich mich nicht renaturiere,
wenn ich mein Leben einmal verliere.

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