Ein Überlebender

Ein Überlebender

Nach den Sommerferien wartet bereits erstes Weihnachtsgebäck
in den Regalen aller Discounter – für viele ein Schreck.
Im frühen Herbst mehren sich dann die festlichen Produkte,
auf die man früher erst in der Adventszeit verführerisch guckte.
Ist dann am Weihnachtsfest endlich das Christkind geboren,
haben wohl sehr viele den Appetit auf Spekulatius längst verloren.
Auch die Blumenindustrie wittert jedes Jahr ihr gutes Geschäft.
Sie schreibt sich schon Monate im voraus die Vermarktung ins Heft.
In jedem Haushalt sollen wieder prächtige Weihnachtssterne stehen.
Da muss man rechtzeitig in die millionenfache Produktion gehen.
Nach Weihnachten oder im frühen neuen Jahr wird der Stern Müll.
Das ist und bleibt für den Blumenhandel auch immer sein Ziel.
Der Weihnachtsstern selbst würde gern weitere Feste erleben.
Nur dazu muss der Käufer ihm aber auch eine ehrliche Chance geben.
Wir haben unsere letztjährige Pflanze nicht auf den Kompost verbannt.
Denn im frostfreien Frühjahr dieses Wolfsmichgewächs im Garten fand
eine kleine Stelle im Beet , wo noch ein Plätzchen frei war.
Ich beobachtete anschließend, was mit der Pflanze geschah.
Erst tat sich nichts – der Weihnachtsstern musste sich gewöhnen
an Sonne, stürmischen Wind und Regen in Strömen.
Seine Wurzeln hatten nun jede Freiheit weiter zu treiben,
brauchten nicht mehr in der Enge eines Blumentopfes zu bleiben.
Etwa im Mai sah ich endlich einige neue Knospen sprießen.
Es kamen Zeiten, da musste ich im Garten viele Zöglinge gießen,
weil vom Himmel allzu selten genügend Regentropfen sanken.
Die Pflanzenwelten viel zu wenig vom kostbaren Wasser tranken.
Meinem Weihnachtsstern wurde sein Durst immer rechtzeitig gestillt.
In den nächsten Wochen erlebte ich dann ein hübsches Wachstumsbild.
Überall entstanden frische, neue Triebe.
Wenn das bis zum Spätherbst so bliebe,
dann blüht mir der Stern wieder zum Fest.
Jetzt zum Ende des Oktober da lässt
er schon erstes zarte Rot in all die Blätter fließen,
die um die unscheinbaren Blüten sprießen.
So wie die Sonne die Tage immer kürzer erhellt,
so wird dieses Blattrot in Szene gestellt.
Ich freue mich auf die Rückkehr dieser Pflanze
und breche nach Weihnachten erneut eine Lanze
dafür, dass der Weihnachtsstern kein Opfer wird
und nur den weihnachtlichen Konsum verziert.
Sicher ist die Zahl überlebender Sterne sehr gering.
Doch mit diesem schönen Exemplar ging
in mir ein Wunsch in Erfüllung,
dass dieser Stern weiter leuchtet und strahlt,
ohne dass man dafür noch einmal zahlt.

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